BERICHT VON Martin Schrode über den Rennsteiglauf
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running-pur-Tester Martin Schrode
schreibt über den REWE-Marathon

Hier mein Bericht zum 29. GutsMuths-Rennsteiglauf, bei dem ich für running-pur als Tester des REWE-Marathons teilgenommen habe.

Abstract

Der REWE-Marathon war ein sehr schönes Erlebnis mit perfekter Organisation. Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln dauert lange, da Neuhaus ziemlich abgelegen liegt. Das Wetter war in Ordnung, der Lauf anspruchsvoll und interessant und die Stimmung überall toll. Die Abreise war dieses Jahr das totale Chaos.

Die Anmeldung

Als running-pur Mitte Dezember Testläufer für den Rennsteiglauf sucht, bewerbe ich mich spontan als Testläufer für den Marathon (43,1 km). Anfang Januar erhalte ich von running-pur die Bestätigung, dass ich im Testerpool bin und eine Bestätigung des Veranstalters erhalten werde.

Bereits Mitte Januar erhalte ich diese Bestätigung, die Ausschreibung und ein Meldeformular auf dem noch ein paar Angaben zu ergänzen sind.

E-Mail-Nachfragen wegen Gemeinschaftsquartier und Anreise mit der Bahn werden schnell, ausführlich und kompetent beantwortet. Hierfür möchte ich mich bei Frau Meffert bedanken.

Wenige Tage nachdem ich das Meldeformular ausgefüllt hatte, erhalte ich eine Postkarte, auf der die Registrierung der Anmeldung bestätigt und die Startnummer und weitere Details mitgeteilt werden.

Die Internetseiten des Rennsteiglaufs sind übrigens gut gemacht und sehr informativ.

Die Anreise

Da die Anreise mit der Bahn von Frankfurt nach Neuhaus ca. sechs Stunden dauert, versuche ich über mehrere Foren, durch Anzeige, Aushang und direkte Ansprache von Läufern eine Mitfahrgelegenheit (MFG) zu finden — leider vergebens. Immerhin lerne ich dabei einige nette Mitläufer kennen und verabrede mich auch mit einem in Neuhaus.

Um noch vor 21 Uhr anzukommen und damit Gelegenheit zu haben, die Startunterlagen bereits am Vortag abzuholen, fahre ich Freitagmittag in Frankfurt ab.

In Saalfeld (Saale) treffe ich weitere Läufer auf dem Weg zum Supermarathon nach Eisenach und zum REWE-Marathon nach Neuhaus. Zum Glück können wir den Busfahrer noch dazu bewegen anzuhalten und uns mitzunehmen und ersparen uns so eine ein- oder mehrstündige Wartezeit.

In einem supermodernen Bus geht es nach Neuhaus, wo uns der Busfahrer dann den Weg zum Wirtschaftsgebäude am Apelsberg erklärt. Dort erfolgt die Ausgabe der Startunterlagen für den Marathon.

Als wir aus dem Bus aussteigen ist kühl aber trocken und wir hoffen, dass es so bleiben wird.

Der Vorabend

Kurz vor 20 Uhr erreichen wir das Wirtschaftsgebäude. Die Anmeldung verläuft problemlos und ich erhalte meine Startnummer und die übliche «Marathontüte» ohne Wartezeit.

Ich nehme das Angebot an, einen Bon für das Frühstücksbuffet am nächsten Morgen zu kaufen (DM 3 für Läufer und DM 5 für Besucher). Außerdem kann man bereits Fahrscheine für den Rücktransport mit dem Pendelverkehr von Schmiedefeld nach Neuhaus kaufen. Fahrscheine für den Transport zum Bahnhof in Eisenach, den ich nutzen möchte, können aber nur im Ziel in Schmiedefeld oder direkt im Bus gekauft werden. Den Souvenir-Stand lasse ich links liegen.

Ich schaue kurz in die gut gefüllte GutsMuths-Halle, wo die Kloßparty stattfinden soll und eine Bombenstimmung herrscht und nicht nur beim «Anton aus Tirol» mitgesungen und getanzt wird. Auch wenn das nicht meine Musik ist, bin ich von der guten Stimmung, die es mit der eines jeden Festzelts aufnehmen kann, angenehm überrascht. Die Live-Band versteht es wirklich, die Leute zum Mitmachen zu bewegen.

Bevor ich allerdings zu feiern beginne, möchte ich mein Gepäck loswerden und einen Schlafplatz finden. Zu diesem Zweck stehen mehrere Klassenzimmer zum unschlagbaren Preis von DM 2 zur Verfügung. Ich deponiere mein Gepäck in einem der Klassenzimmer und breite meine Isomatte und den Schlafsack aus.

Kurz vor 21 Uhr gehe ich wieder in die Halle und esse ein leckeres Brötchen. Als ich mich auf die Suche nach der Kloßparty mache, muss ich leider erfahren, dass diese nur bis 21 Uhr ging. So muss ich wohl ein weiteres Jahr warten, um in den Genuss echter Thüringer Klöße zu kommen. Allerdings bin ich ohnehin skeptisch, ob die Klöße ohne Soße (es gab m. W. Gulasch dazu, was ich als Vegetarier ablehne) überhaupt schmecken.

Aber für Speis und Trank ist auch so ausreichend gesorgt. Es werden Würste u. Ä. vom Grill verkauft. Außerdem gibt es einen Stand mit Kaffee und Brötchen. Ein Automat mit Süßigkeiten (Snickers und Co.) steht in der GutsMuths-Halle und Getränkeautomaten in der Schule (von mir nicht getestet).

Es gibt einen Stand, an denen man seinen Körperfettanteil messen lassen (DM 4) und verschiedene Laufartikel (Schuhe, Kleidung, Ernährung) kaufen kann.

Als Tester muss ich natürlich auch das Köstritzer Schwarzbier versuchen. Wie die Bürgermeisterin uns am nächsten Morgen kurz vor dem Start erzählen wird, wurde das Deutsche Reinheitsgebot nicht 1516 in Bayern sondern schon lange davor in Thüringen eingeführt. Diverse Biere an diesem Abend scheinen dies bezeugen zu wollen. ;*)

Der Morgen vor dem Lauf

Nachts mache ich kaum ein Auge zu. Es ist relativ laut und ich habe vergessen Ohropax einzupacken. Ich fühle mich nicht besonders fit, meine Nase ist verstopft und mein Kopf schmerzt leicht.

Es ist 5.20 Uhr. Die ersten Läufer stehen auf und machen sich frisch. Obwohl die Schule, in der wir übernachten ziemlich alt aussieht, sind die Toiletten und Waschbecken anscheinend bereits saniert und in sehr gutem Zustand.

Das Frühstücksbuffet soll erst um sechs beginnen. Dennoch mache ich mich bereits um Viertel vor auf den Weg, da ich bisher immer spätestens 3,5 bis drei Stunden vor dem Lauf meine letzte Mahlzeit eingenommen habe. Aus diesem Grund wäre es mir recht gewesen, wenn das Frühstücksbuffet schon ab fünf oder spätestens 5.30 Uhr geöffnet gewesen wäre. Trotzdem Respekt für diese Leistung, denn bestimmt ging die Kloßparty bis weit nach Mitternacht und die Halle musste ja auch noch grob gereinigt und das Buffet aufgebaut werden.

Die GutsMuths-Halle ist noch verschlossen, aber eine nette Helferin geht mit mir zum unteren Eingang.

Das Buffet ist gigantisch! Es gibt einfach alles. Müsli, Milch, Joghurt, Vollkorn- und andere Brötchen, Butter, Marmelade, Gemüsesticks (Möhren, Paprika, ...) mit Dip, Käse, Ananas, Erdbeeren, frisch gebratenem Rührei, Orangensaft und Mineralwasser kann ich nicht widerstehen. :-) Und das war bei weitem noch nicht alles, was angeboten wurde. Aber nach drei Gängen war ich mehr als satt und hoffe, dass ich 2.5 Stunden vor dem Start meinem Körper nicht zu viel des Guten getan habe. Da hat es der Sponsor des REWE-Marathons wirklich gut mit uns gemeint.

Übrigens ist zu dieser frühen Stunde bereits ein Fernsehteam dabei, das Buffet zu filmen und Läufer zu befragen. Ob die Antwort «Weil ich Hunger habe» auf die Frage, warum ich Rührei esse (es war Rührei und kein Spiegelei, liebe Reporterin), auch im Fernsehen zu sehen war, würde mich interessieren. Später werde ich dem Kamerateam auch noch auf der Strecke und im Ziel begegnen.

Dass Kaffee nicht Teil des Buffet war und für DM 1.50 pro Becher gekauft werden musste, dürfte für die meisten zu verkraften gewesen sein. Wenn man denn Geld dabei hatte. Aber Kaffee ist ohnehin Harn-treibend und somit nichts für Läufer, was mich nicht davon abhalten konnte, auch eine Tasse zu trinken.

Es ist regnerisch, windig und kalt. Die Leute laufen mit Regenschirmen durch die Gegend. Ob das noch besser wird und ob man kurz oder lang läuft, ist vermutlich die meist diskutierte Frage an diesem Morgen.

Die «Marathontüte»

Die Marathontüte war nicht besonders groß, dafür aber mit Liebe oder aber zumindest Verstand gefüllt worden. Sie enthielt kaum Werbeprospekte und anderen Papiermüll; statt dessen fand man Warenproben, die man wirklich gut verwenden konnte. In der Tüte waren u. a. ein PowerBar-Riegel, Waschlotion, Stirnband, Sportfluid zum Einreiben, Sonnenmilch (ihr Optimisten ;-)), Fußbalsam, Pflaster aber nur zwei (2!) Sicherheitsnadeln. Wie man mit diesen beiden Sicherheitsnadeln die Gepäcknummer an die Tüte und die Startnummer am Shirt befestigen soll, bleibt mir ein Rätsel. Zum Glück hatte ich noch zwei Sicherheitsnadeln dabei.Die Startnummer

Die Startnummer besteht aus einem Filz-ähnlichen Material und besteht aus drei Teilen: der eigentlichen Startnummer, der Gepäcknummer und Bons für die Kloßparty, Suppe und Bier.

Da die meisten Läufer keine Schere dabei hatten und es keine Perforation gab, sahen die Startnummern ziemlich zerrupft aus, nachdem die anderen Teile abgelöst waren. Ich hätte es besser gefunden, wenn es mehrere Gepäckaufkleber gegeben hätte, da bestimmt einige Läufer (vor allem diejenigen mit Schlafsack und Luftmatratze oder Isomatte) mehr als nur ein Gepäckstück hatten.

Auch wäre es besser gewesen, wenn die Bons direkt unter der Startnummer gewesen wären, denn dann hätte man sie nicht schon am Startort abtrennen müssen und so die Bons für Suppe und Bier im Ziel gleich zur Hand gehabt.

Startvorbereitung

Es ist 7.30 Uhr und ich meine die Sonne gesehen zu haben. Zumindest hat es aufgehört zu regnen und so entscheide ich mich für kurze Tights, kurzes T-Shirt sowie Unterhemd. Auf Mütze oder Stirnband und Handschuhe verzichte ich. Dafür teste ich das Sportfluid und das Fußbalsam.

Um kurz nach acht habe ich endlich alles gepackt, die Startnummer am Shirt und die Gepäcknummer an der Tüte, meinen Rucksack in einer zweiten Tüte und auf dieser mit Kugelschreiber meine Startnummer angebracht. Diese beiden Tüten gebe ich dann hinter dem Startbereich an einem der Deutschen Post LKWs ab, ohne warten zu müssen.

Ich suche den Läufer, den ich auf der Suche nach einer MFG kennen gelernt habe, wie vereinbart in der GutsMuths-Halle und er findet mich dann auch nach kurzer Zeit. Wir gehen zum Startbereich wo auch er sein Gepäck abgibt und wir uns einlaufen und ein letztes Mal die Büsche aufsuchen.

Es gibt eine Bühne am Startbereich, auf der eine Band für die gewohnt gute Stimmung sorgt und verschiedene Durchsagen gemacht werden. Unter anderem wird darauf hingewiesen, dass in Schmiedefeld dieses Jahr ein großes Duschzelt steht.

Ca. 20 Minuten vor dem Start stellen wir uns in den Startbereich. Das gemeinsame Aufwärmen beginnt. Die Kapelle spielt verschiedene Lieder und es wird geschaukelt, geklatscht und gehüpft, dass es eine Freude ist. Beim Schneewalzer hakt sich jeder bei seinem Nachbarn unter und die Läufermasse schaukelt im Takt. Das Rennsteiglied singt jeder mit, der den Text kennt (sind Text oder MP3-Version des Liedes bereits auf den Rennsteig-Seiten im Internet zu finden?).

Der Startbereich ist mit Kies ausgelegt, sodass man nicht im Schlamm versinkt. Ich trinke noch etwas Wasser und hoffe, unterwegs nicht austreten zu müssen.

Die Bürgermeisterin begrüßt uns fälschlicherweise zum 25. GutsMuths-Rennsteiglauf der Count-down von 10 beginnt und pünktlich um 9 Uhr fällt der Startschuss zum REWE-Marathon beim 29.(!) GutsMuths-Rennsteiglauf.

Neben dem Supermarathon (74,3 km — 1.000 TN), dem Marathon (43,1 km — 3.000 TN) und dem Halb-Marathon (20,1 km — 4.000 TN) gibt es Wanderungen über 10, 15, 20, 35 und 50 Kilometern mit insgesamt 3.000 Teilnehmern. Außerdem gibt es noch den kostenlosen Rennsteig-Junior-Cross (1,4 bis 9 km — 800 TN) und den Rennsteig-Special-Cross über 3,8 km für geistig behinderte Läufer (der Lauf wird in der Ausschreibung seltsamerweise nicht erwähnt, dafür aber im Internet). Ach ja, beinahe hätte ich ihn vergessen: den Rennsteig Total über 170 km, der als Gruppenlauf die Fortsetzung des Supermarathons darstellt.

Die Läufe starten an verschiedenen Startorten. Die meisten Läufe enden in Schmiedefeld, wo es dann auch ein riesiges Volksfest gibt.

Der Lauf

Was unterscheidet diesen Marathon von den City-Marathons in Hamburg oder Berlin? Zum einen ist dieser Lauf nicht flach, sondern enthält starke Steigungen und Gefälle, dadurch ist es natürlich schwieriger nach Puls zu laufen. Außerdem ist es für einen «Flachländer» schwieriger sich auf den Lauf und die Steigungen/Gefälle vorzubereiten. Kilometerangaben finden sich nur alle fünf Kilometer und auch die Verpflegungs- und Getränkestellen sind seltener und unregelmäßiger (Km 10,63, Km 15,76, Km 18,8, Km 22,7, Km 28,8, Km 33,9 und Km 37,83).

Die Streckenbeschreibung Marathon habe ich mir vor dem Lauf durchgelesen und deshalb beschlossen, zwei kleine Trinkflaschen mitzunehmen. Außerdem habe ich mehrere Squeezy-Beutel und Biomagnesin dabei.

Nachdem der Startschuss gefallen ist, setzt sich die Masse in Bewegung. Nach ein paar Metern (für mich zum Glück noch vor den Zeit-Matten), stockt das Feld aber für ein paar Sekunden. Ob es an dem kleinen Grashügel liegt, der als erstes überquert werden muss?

Die ersten sechs Kilometer geht es über geteerte Straßen ohne große Steigungen. Mein Tempo ist zu hoch und ich bemerke, dass ich meine Tempo-Tabelle für eine Drei-Stunden-30-Zeit vergessen habe. Dumm gelaufen.

Nach 5,81 Kilometer geht es auf den Waldweg. Der Lauf wird anspruchsvoller. Es gilt Wasserlöchern auszuweichen und jeden Schritt gezielt zu setzen.

Da ich die Strecke das ersten Mal laufe und mich dort überhaupt nicht auskenne, müsste ich obige «Streckenbeschreibung Marathon» wiederholen. Das möchte ich nicht tun. Deshalb nur ein paar Besonderheiten, die mir während des Laufs aufgefallen sind:

Im Ziel

Mit 03:20:54 laufe ich als ca. 107. ins Ziel ein. Wer hätte das gedacht? Aber so ist es anscheinend: Man braucht ca. 20 Minuten länger, als bei einem «normalen» Marathon. Ich habe für die zweite Hälfte deutlich länger gebraucht als für die erste, bin mit dem Ergebnis aber voll zufrieden. Hinter der Ziellinie bekommt man eine Medaille umgehängt. Es geht mir erstaunlich gut. Weit weniger erschöpft als sonst nach einem (Halb-)Marathon.

Ich trinke Tee und Wasser und frage mich und dann auch einen der Helfer, ob es auch Bananen u. Ä. gibt. Gibt es. Ich mache mich auf die Suche nach dem Verpflegungszelt für Läufer. Es gibt Bananen, die noch etwas grün sind (hoffentlich waren die auf der Strecke reifer), halbierte Äpfel und eine sehr, sehr gute Suppe. Den Suppe-Bon benötigt man übrigens doch nicht. Gut so, denn der steckt ja noch im Kleiderbeutel und wo steckt der überhaupt?

Die Rückgabe des Kleiderbeutels gelingt problemlos und ohne Wartezeit. Tatsache ist, er kommt mir bereits entgegen, bis ich an der richtigen Stelle stehe. Auch mein zweiter Kleidersack wird schnell gefunden.

Somit steht die Suche der Duschen an. Kurz gefragt und das große Duschzelt ist ja auch kaum zu übersehen. Die Duschen sind nicht überfüllt und ich ziehe mich um. Leider scheinen nicht alle Duschköpfe zu funktionieren, aber es reicht.

Eine winzig kleine Blase scheine ich doch erlaufen zu haben. Ich benutze noch einmal Sportfluid und Fußbalsam, esse meine PowerBar und ziehe mich um. Blöd nur, dass ich jetzt den Rest des Tages mit Rucksack und Kleiderbeutel rumlaufen werde.

Als nächstes suche ich den Stand, bei dem es das Schwarzbier für Läufer gibt. Nach zweimaligem Nachfragen finde ich ihn auch. Die leere Flasche kommt übrigens in den Glascontainer. Kein Pfand, oder so.

In Schmiedefeld ist wirklich einiges los. Immerhin ist dort das Ziel für insgesamt über 10.000 LäuferInnen und Wandersleute. Es gibt viele kleine Zelte mit Essen (Thüringer Bratwurst, Kuchen, ...), Sportartikel (Karstadt), Informationen (REWE), eine Kletterwand, ein großes Festzelt mit Blasmusik und vieles mehr. Es herrscht beste Volksfeststimmung.

Anscheinend kann man sich im Ziel am Stand des mdr kostenlos fotografieren lassen. Das erfahre ich allerdings erst auf der Heimfahrt und später im Internet. Ebenfalls im Internet finde ich den Plan des Zielgeländes. Wäre gut gewesen, wenn der Plan auch Teil der Startunterlagen gewesen wäre... Aber es gab noch weit mehr Stände, als man auf diesem Plan findet.

Auf der Wiese gibt es einen Meeting-Point. Dort werden auf drei Uhren auch die Zielzeiten für den Super-, Halb- und Marathon angezeigt.

Die Urkundenausgabe funktioniert ebenfalls problemlos und mit minimaler Wartezeit.

Dass der GutsMuths-Lauf als Volkslauf zu betrachten ist, erkennt man auch daran, dass die Siegerehrung so stattfindet, dass man es auch als Mitläufer noch schafft, daran teilzunehmen und die schnellsten Läufer nicht bereits im Flieger nach Kenia oder Spanien sitzen. Der Veranstalter weist in der Ausschreibung dann auch darauf hin, dass die Siegerehrung Bestandteil des Wettkampfes ist und die Preisübergabe ausschließlich bei der Siegerehrung am Veranstaltungstag erfolgt. Mit 02:36:32 wurde beim Marathon von Stanislave Lazutor übrigens ein neuer Streckenrekord aufgestellt.

So weit war ich mit der Veranstaltung zu 100 Prozent zufrieden. Aber auch die schönste Veranstaltung möchte man einmal verlassen, vor allem, wenn man einen längeren Heimweg hat und auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist...

Das Chaos

Ich entschließe mich kurz vor 15 Uhr die Heimreise anzutreten und frage mich zum Shuttle-Platz durch. Für die Teilnehmer des Halbmarathons und der 15-km-Wanderung gibt es einen kostenloses Pendelverkehr von 10 bis 19 Uhr. Außerdem gibt es zwischen 13 und 19 Uhr einen stündlichen Transport nach Neuhaus und nach Bedarf nach Eisenach.

Der Bedarf war vorhanden. Allein es fehlten die Busse.:-(

Nach einiger Wartezeit erscheint endlich der erste Bus nach Neuhaus, der von den Leuten gestürmt wird. Wieder etwas später kommen weitere Busse nach Neuhaus. Der erste Bus nach Eisenach kommt um ca. 15.45 Uhr. Die Leute drücken sich fast zu Tode, um noch in den Bus zu kommen. Ein Problem besteht darin, dass man nicht weiß, wann der nächste Bus kommen wird. Außerdem wird es für die Leute mit einer langen Anreise langsam knapp. Dennoch werden in den Bus nicht bevorzugt Leute mit einem langen Rückweg gelassen, sodass letztlich nur wenige Leute am Bahnhof aussteigen werden...

Der Fahrer kündigt gleich zu Beginn an, dass er nur so viele Leute mitnehmen wird, wie Sitzplätze vorhanden sind (ca. 35). Dies ist insofern verständlich, da wir durch Polizei und über die Autobahn fahren werden. Viele schimpfen, weil sie noch 500 und mehr Kilometer mit dem Zug fahren müssen und auch ich weiß nicht, wie die Verbindungen nach 17.56 Uhr aussehen werden. Manche meinen, dass sie dieses Jahr wohl zum letzten Mal beim GutsMuths-Lauf waren. Ich habe Glück und bekomme den letzten Platz (vorne beim Fahrer) und bezahle DM 15 für die Fahrt nach Eisenach.

Es dauert ca. 30 Minuten, bis wir den Stau in Schmiedefeld durchquert haben. Einen Stau, wie es ihn unnötiger nicht gibt. Grund waren Autos, die auf den Zufahrtsstraßen beidseitig geparkt waren, sodass sobald ein Bus oder LKW durchfahren wollte, der Verkehr in eine Richtung gesperrt war. So etwas habe es noch nie gegeben, sagt der Busfahrer. In den vergangenen Jahren habe es immer problemlos geklappt.

Erst am Ende des Staus treffen wir auf den nächsten Bus nach Eisenach. Die Polizei scheint das Ganze immer noch nicht im Griff zu haben. Ich bin der Meinung, dass die Busse auf jeden Fall hätten durchgelotst werden müssen. Aber so müssen diejenigen, die am wenigsten für den Stau können, da sie ihr Auto in Eisenach oder zuhause stehen haben, für die Dummheit der Autofahrer zahlen, die ihre Autos so beschissen geparkt haben. Ich hoffe, dass nächstes Jahr die Straßen besser kontrolliert und falsch geparkte Autos abgeschleppt werden.

Die Sonne knallt mittlerweile in den Bus und ca. um 17.40 Uhr hält der Bus am Bahnhof Eisenach, wo ich und ein paar andere Mitfahrer aussteigen. Das Reisebüro der Bahn ist geschlossen, aber der Infoschalter ist besetzt und der Fahrkartenautomat funktioniert. Um 17:56 Uhr sitze ich im Interregio nach Frankfurt und unterhalte mich mit einem Berliner, für den der Supermarathon eine Vorbereitung für die 100 Km von Biel war.

Ausblick

Ich fühle mich wirklich gut. Immer noch kaum Muskelkater. Ob es am Sportfluid, der abwechslungsreichen Strecke mit ihren Steigungen und Gefällen, am etwas langsameren Tempo, dem gemeinsamen Warm-up oder am Schwarzbier lag, weiß ich auch nicht.

Abends finden sich die Ergebnisse bereits auf der ChampionChip Seite. Am nächsten Tag sind die Ergebnislisten auch auf der Rennsteig-Seite im Internet zu finden.

Nächstes Jahr findet der GutsMuths-Rennsteiglauf zum 30. Mal statt. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dann den Supermarathon zu laufen. Die Stimmung wird dann vermutlich noch besser sein, wenn das überhaupt noch möglich ist. Vermutlich werden dann aber auch noch mehr Läufer teilnehmen. Ob da das Abreise-Chaos nicht bereits vorprogrammiert ist..?