!Fünf Tester berichten über Ihre Praxis-Erfahrungen!

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New Balance 829

Oliver Dohm: 3. Bericht (30. 4. 2001)

Endlich, die Nr.3:
Ich war seit meinem letzten Bericht mehrere Male mit dem 829 unterwegs und habe ihn wie versprochen auf verschiedenen Untergründen getestet. Wir haben unsere Runden auf Waldwegen, auf Asphalt und auch noch zwei Mal auf Tartan gedreht. Meist handelte es sich dabei um Laufsessions im 4,5 bis 5,5er Schnitt. Eins schon mal vorweg: DEN Untergrund für den 829 gibt es nicht. Er bringt seinen Charakter, obwohl er nun wirklich kein Allrrounder ist, auf jedem Terrain ganz ähnlich rüber: Geringes Gewicht, hohe Vorderfußstabilität, deutliche Instabilität im Fersenbereich (welches sich auch durch verschiedene Schnürtechniken, nicht beheben ließ). Gerade letzteres ist mir auf umruhigem Untergrund, wie Kopfsteinpflaster und Waldwegen besonders negativ aufgefallen. Insgesamt komme ich immer mehr zu der Überzeugung, daß der NB829 und ich nicht richtig zu einander
passen. Er ist einfach ein Schuh für schnelle Läufer und /oder Vorfußläufer. Leider zähle ich zu keiner der beiden Kategorien. Dementsprechend habe ich, als es um die Auswahl des Laufschuhs für meinen ersten Marathon ging, den NB 829 ganz konsequent ausgeschlossen. Für lange, eher langsame Läufe bietet er einfach zu wenig Dämpfung und Stabilität. Wenn es allerdings schnell gehen sollen, so greife ich auf den Schuh doch immer wieder zurück. Auch für die anstehenden Wettkämpfe mittlerer Distanz (10 und 21,1km) werde ich den 829 wohl immer wieder aus dem Schrank holen.
Äußerst positiv aufgefallen, sind mir die Pflegeeigenschaften des Schuhs. Da er ohne viele Nähte, weitgehend aus einem Obermaterial gefertigt ist, trotzt er dem Sauwetter des deutschen Nachwinters (Frühling kam man das da draußen ja wohl kaum nennen) sehr gut. Starker Regen und Pfützen führen im 829 nicht zu feuchten Socken, geschweige denn zu Blasenbildung. Sehr schnell und intensiv läßt sich der Schuh mit einer Bürste reinigen. Gerade nach den Waldläufen konnte ich feststellen, daß Matschspuren, die andere Schuhe alt aussehen ließen, beim 829 nach wenigen Bürstenstrichen nicht mehr sichtbar waren. Allerdings muß ich einschränkend erwähnen, daß der 829 auf die feucht-matschigen Waldwege nun wirklich nicht gehört. Zu wenig seitlicher Stütze bietet er seinem Träger. Zeitweilig bin ich in dem Schuh förmlich geschwommen und hatte Angst um meine Sehnen und Bänder. Insofern sind die guten Pflegeeigenschaften zwar durchaus zu erwähnen, bei einem Schuh diesen Charakters allerdings, weitgehend verschenkt. Bei den "dreckigen" Waldläufe greift man automatisch auf andere Schuhe zurück. Es sind vor allem die schnelleren Asphaltläufe, die mit dem 829 Spaß machen.
Heute erst (28.4.01) waren wir über 18,5 km gemeinsam am Rhein unterwegs. Der Schuh erleichtert im wahrsten Sinne des Wortes durch sein geringes Gewicht den schnellen Sch(r/n)itt. Er ließ es zwar nach zwei Dritteln der Distanz an der ein oder anderen Stelle mal zwicken, entschädigte aber dafür durch eine gute, relativ leicht herausgelaufene Zeit (1:35). Nicht das ich sagen will, daß meine anderen Schuhe
heute langsamer gewesen wären, es wäre aber bestimmt auf den letzten Kilometern ein wenig (und schon wieder im wahrsten Sinne des Wortes) schwerer geworden.
Abschließend noch eine kurze Bemerkung zu einer Begegnung mit einem weiteren 829-Paar auf der Tartanbahn. Die beiden drehten dort im Gefolge einer Lauflerngruppe an den Füßen eines etwas übergewichtigen Menschen ihre -mit Verlaub- langsamen Runden. Meiner Meinung nach ist der 829 hierfür überhaupt nicht geeignet. Er ist kein Allround-Schuh für Laufanfänger oder gemütliche Jogger. Aufgrund seiner geringen Stütze eignet er sich nicht für Läufer mit Fußfehlstellungen, erst Recht dürfte er aufgrund seiner nur gering ausgeprägten Dämpfungseigenschaften für übergewichtige Läufer taugen. Also eine Kaufempfehlung an langsame Läufer und Laufanfänger: Als erstes oder einziges Paar Laufschuhe ist der NB829 nach meinem Empfinden in keinster Weise geeignet.


Oliver Dohm: 2. Bericht (13. 3. 2001)

Für ein Intervalltraining hole ich den 829, eine gute Woche nach unserem letzten Lauf wieder aus dem Schuhregal. Ich war zwar zwischendurch einige Male unterwegs, habe mich dabei aber stets für einen anderen Laufschuh entschieden. Gerade bei langen langsamen Läufen bieten meine anderen Schuhe einfach mehr Komfort als der 829. Für einen schnellen Lauf auf der Bahn drängt sich der NB allerdings auf. Nach rund anderthalb Kilometern langsamen Einlaufen drehen wir erste schnelle 800m in 3:27. Es geht gut. Der 829 hinterläßt auf der leicht feuchten Tartanbahn einen guten Eindruck. Wie schon das ein oder andere Mal bemerkt, ist der Gripp des Schuhs sehr gut. Nach jeweils einer langsamen Runde wiederhole ich die 800m weitere fünf Mal (in 3:45/3:40/3:46/3:42 und 3:37). Ich bin zufrieden, wobei mir mit zunehmenden Runden das Abrollverhalten des Schuhs auf der weichen Bahn als nicht perfekt erscheint. Aber der 829 ist ja auch kein Spike oder Bahnschuh.
Nach 10km ziehe ich den 829 wieder aus. Erneut keine Druckstellen, von Blasen ganz zu schweigen. Der NB ist innen wie aus einem Guß gefertigt. Die Schnürung läßt nach meinem Geschmack allerdings zu wünschen übrig. Sie ist doch nach derzeitigen Maßstäben relativ spartanisch gehalten. Hinzu kommen die runden Schnürsenkel, die eine enge Fixierung erschweren. Scheinbar hat NB bei der Konzeption des 829 auf alles verzichtet, was Gewicht bedeutet.
Eine Woche später ein weiteres Intervalltraining über 15km. Wieder begebe ich mich auf die Bahn und drehe 3 mal 3000m (in 14:53/14:17 und 14:38). Heute stößt mir das Abrollverhalten des 829 negativ auf. Gerade bei den ersten Runden habe ich Schwierigkeiten meinen Rhytmus zu finden. Der Schuh bietet meines Erachtens zu wenig Stabilität auf dem Untergrund und schwimmt auf dem weichen Tartan, was mir bei meinen bisherigen Läufen nicht so extrem aufgefallen war. Ich wünsche mir meinen NB762
herbei. Das leichte Gewicht des 829 ist zwar bestimmt vorteilhaft bei schnellen Läufen, erscheint mir aber heute weniger wichtig als die Stabilität. Zudem gehen auf der letzten schnelle Runde die Schnürsenkel des linken Schuhs auf (und das obwohl ich eine Doppelschleife gemacht habe). Augenblicklich weiß ich wieder warum ich die flachen Senkel präferiere. Es ist bei schnellen Schuhen einfach ärgerlich, wenn die Schnürung nicht perfekt funktioniert.
Ich bin fast froh auf dem Rückweg wieder auf Asphalt zu kommen: Hier spürt man zwar augenblicklich die geringe Rückfußdämpfung des Schuhs, die Vorderfußstabilität gewinnt aber sofort wieder an Bedeutung. Ich plane die nächste Testsession mit dem NB wieder auf Asphalt, hier gehört er wohl eher hin, oder vielleicht rehe ich auch mal eine
schnelle Runde im Wald um den 829 dort zu testen. Auf Tartan und das soll das Fazit dieses 2. Testbericht sein, ist der 829 auch bei schnellen Läufen nicht zu Hause.

Oliver Dohm: 1. Bericht (5. 3. 2001)

Der NB 829
Der erste Eindruck:
Da war er also: Mein Testschuh. Anderthalb Wochen hatte ich ihn täglich
erwartet und dabei im Kopf meine allabendliche Trainingseinheit mit ihm geplant
ˆ dem New Balance 829. Jetzt sollte es also so weit sein.
Der erste Eindruck: Gar nicht so modisch, wie das der ³Test„ der RW oder die
Hochglanzbroschüre von NB erwarten ließ. Nun, interessant anzusehen, aber ein
Schuh zu dem die Kids ³Cool„ sagen würden (wie von der RW behauptet), Nein,
beim besten Willen nicht, die Schuhe sehen anders aus (Wenn ich das mit meinen
31 Lenzen noch beurteilen kann). Aber: was interessiert mich die Optik...
In meiner Bewerbung hatte ich Schuhgröße 45 angegeben, geliefert bekam ich ein
Paar 45 ¸. ³Oh Gott wenn das mal nicht zu groß ist?!?„. Ich schlüpfte hinein,
schnürte die Senkel ˆ runde Schnürsenkel ˆ und er saß: Hohe Stabilität in
Mittel- und Vorderfuß, viel Platz für die Zehen, nur die Ferse scheint bei den
ersten Gehversuchen im Wohnzimmer ein wenig schwach gedämpft. Eine
Pronationsstütze ist, wenn überhaupt vorhanden, dann zumindest nicht zu spüren.
NB wußte vermutlich warum sie den Schuh in 45 ¸ geliefert hatten. Der 829 fällt
klein aus. Bei meinem NB762 ist es nicht anders. Den hatte ich schon eine halbe
Nr. größer gekauft. Der NB829 ist jetzt gar eine ganze Nr. größer als meine
normale Laufschuhgröße.
Er trägt sich gut - schön leicht. Der 829 verlockt einen schon im Wohnzimmer
einen kleinen Sprint hinzulegen. Ich verkneife es mir, vertröste mich (und den
Schuh) auf die am nächsten Morgen geplante Einheit.
Die erste Traningseinheit (10,5 km, 3°, sonnig):
Für unseren ersten gemeinsamen Lauf wähle ich eine gemütliche
Samstagmorgenrunde mit Lauffreunden und Babyjogger aus. Der langsame Schritt
(7er Schnitt) gestattet mir mich an den 829 zu gewöhnen. Während der ersten
Meter fällt mir erneut die im Vergleich zu meinen anderen Laufschuhen (neben
dem 762 noch ein Nike Air Span Triax) schwache Dämpfung im Versenbereich
(negativ) auf. Man ist mit dem 829 eben nah am Asphalt! Er reizt zu einem
schnelleren Tempo, trägt den langsamen ³Schlapp„ zwar mit, bietet dabei aber
wenig Gemütlichkeit. Die Passform im Vorder ˆ und Mittelfuß ist aber wieder
sehr angenehm zu spüren. Ein ³Schwimmen„ des Fusses lässt der 829 nicht zu.
Nach äußerst gemütlichem Anfang gebe ich für einen Kilometer mal ein wenig Gaß
ˆ das ist eher die Welt des 829. Mir fällt fast augenblicklich wieder ein, daß
das Ding ja ein Leichtgewicht ist. 60-70 gr. leichter als meine anderen
Laufschuhe. Die Schritte trommeln auf den Asphalt, wir werden schnell und
schneller... es macht Spaß. Ich zügele mich wieder und erinnere mich dran, daß
ich mich ja erstmal an den Schuh gewöhnen wollte. Nach 70 min ist alles vorbei.
Ein erstes Fazit: Für ­nen langsamen Lauf, muß man den 829 nicht aus dem
Schuhregal nehmen, das ist nicht seine Welt, dafür ist er nicht konzipiert. Ihn
reizt der schnell Schritt, da kann er seine Leichtigkeit und gute Paßform
ausspielen. Mal sehen, wie er sich in den kommenden schnelleren
Trainingseinheiten und Wettkämpfen darstellt. Ich werde es im Laufe der
kommenden Woche testen.
Die Enheit Nr.2 mit dem NB 829 (7,5 km, 3°, sonnig):
Ursprünglich hatte ich eigentlich geplant, dem 829 eine schnelle Einheit zu
gönnen, eine Erkältung macht mir (uns?) aber einen Strich durch die Rechnung.
Ich will es daher in Hinblick auf den Halbmarathon am Wochenende lieber ein
wenig langsamer angehen lassen. Als wir allerdings am Stadion (dem alten Bonner
Sportpark Nord) vorbeikommen, reizt mich die einsame Tartanbahn doch zu sehr,
ein paar Runden zu drehen. Gleich die erste Stadionrunde laufe ich in 90
Sekunden ˆ der Schuh geht ab. Hier spielt er seine Stärken, seine Leichtigkeit
und seinen Grip, richtig aus ˆ man spürt ihn kaum am Fuß. Bei diesen
Geschwindigkeiten wird schnell klar, warum NB beim 829 an Rückfußdämpfung und
ˆstabilität gespart hat. Sie wird einfach nicht gebraucht.
Nach der ersten schnellen, drehe ich zuerst ein paar langsame Runden um dann
nochmal zügigere 800m hinterher zu schieben. In 3:50 machen wir die 2 Runden
voll. Das ist die Welt des NB 829 ˆ leider meine noch nicht, aber ich habe ja
jetzt den richtigen Schuh für schneller Einheiten.
Nach 10 Stadionrunden und insgesamt 7,5 km laß ich es für heute gut sein. Der
NB 829 hat erstmals eine Duftmarke gesetzt ˆ er bringt Spaß!!!
Der erste Wettkampf ˆ HM ˆ Winterlaufserie Porz (3° feucht-kalt):
Zum Ende der ³ersten Testwoche„ stand unser erster gemeinsamer Wettkampf an.
Ich wollte den 829 bei einem HM testen. Es sollte der HM der Winterlaufserie
Porz sein, der auf einem 5km Rundkurs stattfindet (2/3 Asphalt und 1/3
Waldboden). Wir hatten zwar erst 18 km gemeinsam absolviert, dennoch hatte ich
keine großen Bedenken in Hinblick auf die Zuverlässigkeit des NBs. Ich wollte
es vor dem Hintergrund einer laufenden Nase und eines leichten Hüstelns zwar
keineswegs zu schnell angehen lassen und hatte mich auf einen 5:45er Schnitt
eingestellt, dennoch glaubte ich, daß mir der 829 aufgrund seiner Leichtigkeit
der passende Partner sei.
Ich ordnete mich im letzten Drittel des Starterfeldes ein und ließ es rollen.
Der Schuh hinterließ während der ersten Hälfte keinen bleibenden Eindruck bei
mir. Er fiel einfach nicht auf, was ja eigentlich für ihn spricht. Keine
Druckstellen, kein Taubheitsgefühl (auch nach dem Lauf) keine Blasen und auch
die Paßform ließ nicht nach. Also durchaus positiv. Zwischen km 10 und 15 nahm
dann der Wunsch zu, ein wenig mehr Dämpfung zur Verfügung zu haben. Bei dem ˆ
im Vergleich zur Spitze, die mich bei km 8 überrundete - immer noch langsamen
Schritt spielt die Rückfußdämpfung (gerade auf Asphalt) einfach eine
entscheidene Rolle und wie bereits gesagt ist das nicht gerade die Stärke des
829. Das rechte Knie und die Hüfte meldeten sich mit leichtem Zwicken zu Wort.
Mit zunehmender Dauer fiel mir dann allerdings immer stärker die Leichtigkeit
des Schuhs positiv auf. Gerade wenn man anfängt die Schlußviertelstunde
anzugehen ist man über jedes Gramm froh, was man nicht schleppen muß. Der Schuh
gefiel vor allem auf den Waldwegen, hier machte sich der gut Grip positiv
bemerkbar. Auch machte ihm die ein oder andere Fütze nichts aus. Zudem
kompensierte der weichere Untergrund die geringe Dämpfung des 829.
Nach 1:58 erreichte ich nach relativ gleichmäßiger Renneinteilung das Ziel.
Ich war zufrieden. Der Schuh saß noch immer gut ˆ es gab während der knapp zwei
Stunden keinen Grund zu Beanstandung. Seine Stärken konnte der 829 allerdings
bei diesem Tempo nach meinem Eindruck noch nicht ausspielen. Die Leichtigkeit
und hohe Stabilität im Vorderfußbereich unterstützen gerade den schnellen
Schritt. Ein erstes Fazit: Ich bin zu langsam für den Schuh ˆ zumindest auf der
Halbmarathondistanz.

Oliver Dohm: Bewerbungsschreiben

Hallo liebe Runnig-Purer,
erstmal ein großes Kompliment zum neuen Outfit Eurer Homepage. Jetzt macht
es endlich wieder Spaß Euch im Netz zu besuchen.
Ich möchte mich hiermit für den Laufschutest des NB 829 bewerben.
Ich bin 30 Jahre alt, 186cm groß und wiege 74kg. Seit rund 5 Jahren laufe
ich regelmäßig, seit rund einem halben Jahr mache ich drei
Trainingseinheiten und 40km pro Woche. Mein Ziel ist es im April in Bonn Marathon zu laufen.
Die harte Trainingsphase dafür beginnt für mich mit dem 22.1. Meine Bestzeit
liegt auf der Halbmarathondistanz bei 1:55h.
Derzeit laufe ich zwei paar Schuhe. Den NB 762 und den Nike Air Span -
Beides Schuhe mit in erster Linie Dämpfungs- und Stabilitätseigenschaften.
Jetzt bin ich auf der Suche nach einem leichteren Schuh, der mir durch die
anstehenden Wettkämpfe helfen soll - Euer Test des NB 829 käme da genau richtig.
Leichte Probleme habe ich beim Laufen derzeit nur wenn es jenseits der
20km geht. Dann spüre ich am nächsten Tag meine Knie. Ansonsten klagt mein
Orthopäde noch über meine einseitige Überpronation links. Damit muß ich aber
wohl leben.
Gerade in den schnelleren Trainingseinheiten würde ich den 829 gerne
einsetzen... also gebt Euch (und mir) einen Ruck.

Oliver Dohm

Grüße aus Bonn
oli