!Fünf Tester berichten über Ihre Praxis-Erfahrungen!

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Puma Pryde 2

Christian Scholz: 4. Bericht (6. 2. 2001)

Montag, den 21. Mai 2001 (22km, 3:45 5:45min/km)
Heute versuche ich noch einmal einen langen Lauf mit den Schuhen, um möglichen Vorurteilen gegen die weiche Dämpfung entgegen zutreten. Um es vorweg zu nehmen, die von allen anderen Testern hervorgehobenen positiven Eigenschaften (geringes Gewicht, Flexibilität, gute Passform, hoher Laufkomfort, keine Druckstellen etc.) habe ich natürlich auch bemerkt und teile diese Einschätzung. Auch bei einem langen Lauf, fühlt sich der Schuh gut an. Es ist bezeichnend, dass man den Puma während des Laufs vergisst, denn Schuhe drängen meist nur dann ins Bewusstsein, wenn es Schwierigkeiten gibt. Positiv macht sich heute erstmals das Profil bemerkbar. Nach den letzten sehr trockenen und windigen Sonnentagen, ist der Untergrund an der Außenalster z.T. sehr rutschig. Die sehr harten Spazierwege bieten durch gelösten Sand, kleinere Steine etc. bei vielen Schuhen ungewohnt wenig Halt. Gerade bei schnelleren Abschnitten, rutscht man in der Abdruckphase weg. Dagegen bietet der Puma durch die profilierte Sohle ein ausreichendes Maß an Halt und der Untergrund macht sich kaum bemerkbar. Obwohl der Schuh sich im Vergleich mit anderen Modellen der gleichen Größe etwas enger anfühlt, drückt der Puma selbst gegen Ende des Laufs nicht. Wer also mit der Dämpfung keine Probleme hat, wird mit dem Puma Complete Pryde auch bei Läufen von mehr als 20km Länge keine Schwierigkeiten bekommen. Meine Neugier jedoch wird bestraft. Meine Achillessehne schmerzt nach dem Lauf doch recht unangenehm, so dass ich beschließe, den Schuh vorerst nicht mehr zu laufen.

Fazit nach 4 Wochen: Der Puma Complete Pryde ist ein gelungener Schuh, der über eine gute Passform und ausreichend Stabilität verfügt. Er vermittelt ein leichtes und unbeschwertes Laufvergnügen. Bei schnellen Einheiten im Bereich um 4:00/km wirkt sich die Dämpfung nachteilig aus und verzögert den Abdruck und erhöht (subj.) den Krafteinsatz beim Laufen. Auch auf längeren Einheiten hat sich der Schuh bewährt. Wer Probleme mit der Achillessehne hat oder bekommt, sollte seine Reaktion auf die Dämpfung beobachten. Mit Ausnahme dieser individuellen Einschränkung meine ich, dass Puma ein guter und zudem recht preisgünstiger Wurf gelungen ist.

Christian Scholz: 3. Bericht (23. 5. 2001)

Freitag, 18. Mai (15km, 4:55/km)
Heute steht nach hartem Tempotraining am Vortag lockeres Auslaufen auf dem Programm. Muskelkater von den Knien aufwärts macht das Laufen nicht gerade zum Vergnügen. Vielleicht helfen ja ein paar gut gedämpfte Schuhe... wären da nicht die Probleme mit der Achillessehne. (Für die interessierten Läufer, denen es ähnlich geht wie mir und bei denen gedämpfte Schuhe mit Achillessehnenbeschwerden einhergehen, habe ich folgende (mögliche) Erklärung in Erfahrung gebracht: Durch eine ungewohnt weiche Dämpfung werden die sog. kinästhetischen Rezeptoren in der Wadenmuskulatur ausgeschaltet, was zu einem veränderten Kontraktionsablauf im Muskel führt. Das Zusammenspiel aus Kontraktion der Wadenmuskulatur und Dehnung der Achillessehne wird gestört und führt zu einem stärkeren Zug auf die Sehne. Das kann bei längeren Läufen zu einer Reizung führen. Ich hoffe, die Mediziner unter Euch mögen evtl. Fehler korrigieren.)
Der Lauf selbst ist gewohnt angenehm. Der inzwischen eingelaufene Schuh sitzt gut. Er umschließt den Fuß und gibt genügend Halt. Durch den hohen Schaft vermittelt er einen seitenstabilen Eindruck, obwohl der Schuhaufbau nicht so flach ist, wie beim Stabilitätsmonster von Brooks. Es fällt jedoch auf, dass der Schuh bei sehr weichem Untergrund (der Boden war durch mehrere Wolkenbrüche am Vortag stark aufgeweicht) vielleicht ein wenig zu gut dämpft. Wer auf hohen Laufkomfort Wert legt, trifft mit dem Puma Pryde bestimmt die richtige Wahl. Mir fehlt heute ein bisschen das ehrliche Laufgefühl (sehr subjektiv!). Genauso muss es passionierten Autofahrern gehen, die vor die Wahl gestellt werden, sich zwischen dem Federungskomfort einer Citroen DS und dem direkten Sportfahrwerk eines modernen Roadster zu entscheiden :-)

Samstag, 19. Mai (23km, 5:00/km)
Die fast erwarteten Achillessehnenbeschwerden sind ausgeblieben. Vielleicht habe ich mich inzwischen an den Schuh gewöhnt oder das sehr ausgiebige Stretchingprogramm hat den Schmerzen vorgebeugt. Jedenfalls bin ich heute vorsichtig und mache einen gemütlichen langen Lauf an der Elbe, ohne die Testschuhe. Obwohl das Wetter wunderschön ist, der Blick auf die Elbe fantastisch, mag sich keine gute Stimmung einstellen. Die Nachrichten aus dem Miniradio (Schalke liegt 0:2 hinten, torloses Unentschieden im Volksparkstadion) trüben die gute Laune. Nach einer Stunde kehren wir um, vorbei an Teufelsbrück, den Alten Schweden rechts liegen gelassen, hören wir an der Strandperle noch einmal kurz in die Sportübertragung rein. Gerade schießt Bayern den Ausgleich und ist Meister. Mit diesem Frust im Bauch laufen wir dann Richtung Fischmarkt weiter.

Sonntag, 20. Mai (16km, 4:20 5:30/km)
Nachdem ich am Vormittag lockere 80km auf dem Rennrad gekurbelt habe, nutze ich den schönen Spätnachmittag noch für eine kleine Runde mit den Testschuhen. An der Alster sieht man den ein oder anderen strahlenden St. Pauli Fan, der Fußballgott hatte zum Abschluss des Wochenendes noch ein Einsehen.
Trotz der Radeinheit (oder vielleicht gerade deshalb?) waren meine Beine locker und ich habe den Lauf genossen. Auch die etwas schnelleren Abschnitte waren unproblematisch. Dennoch meine ich, dass die Reaktionszeit der Schuhe durch die Dämpfung leidet. Man hat das Gefühl, als würde die Dämpfung die Energie verpuffen lassen. Ich bleibe dabei, der Puma Complete Pryde ist kein Schuh für schnelle Einheiten.


Christian Scholz: 2. Bericht (15. 5. 2001)

Montag, 7. Mai (11 km 4:55min/km)
Nach einem Puma losen Wochenende steige ich am Montagabend wieder in die Complete Pryde 2. Im Verhältnis zum Stabilitätsmonster Brooks Beast, der über die Flexibilität eines Torfschiffes verfügt (für schwere Läufer gibt es aber dennoch keinen besseren), fühlt sich zunächst jeder Schuh dynamisch und leicht an. Mit einem Freund will ich eine lockere Runde um die Außenalster drehen. Für ihn ist es der erste Lauf nach dem Hansaplast Marathon und er hat entsprechend lockere Beine. Nach ein paar Metern merke ich, dass Peter recht zügig unterwegs ist und so beschließen wir, seinen persönlichen Alsterrundenrekord zu brechen. Bei einem Tempo von knapp unter 5:00min/km merkt man den Schuh wirklich nicht. Er ist angenehm flexibel, hat einen ausreichend festen Sitz und dämpft selbst meine z.Zt. 83kg recht ordentlich. Der von einem anderen Tester bemängelte zu hohe Schaft des Schuhs stört mich nicht, hier ist wohl die jeweilige Anatomie ausschlaggebend. Am Ende bleibt die Uhr für Peter bei 36:18min stehen und er hat seine alte Bestzeit um mehr als zwei Minuten unterboten.

Dienstag, 8. Mai (17km, 4:30 3:55)
Ein wundervoller Tag, der zu einem schnellen Lauf geradezu herausfordert. Ich beginne mit einem noch recht verhaltenen Tempo, bei dem die positiven Eigenschaften des Schuhs voll durchschlagen. Gute Fußführung, verhältnismäßig geringes Gewicht und gutes Abrollverhalten sorgen für ein schönes Laufgefühl. Nachdem ich das Tempo über 4:15 auf 4:05/km gesteigert habe, bemerkt man die Kehrseite der Dämpfung. Die Reaktionszeit nimmt zu und es verpufft Energie vor allem beim Abdruck. Diese negativen Eigenschaften treten mit zunehmendem Tempo immer stärker hervor. Dennoch sorgt der Schuh selbst bei hohem Tempo für angenehme Laufeigenschaften und man knallt nie schutzlos auf den Asphalt. Allerdings birgt die starke Dämpfung bei hohem Tempo eine gewisse Gefahr für die Achillessehne. Ich hatte am nächsten Tag leichte Beschwerden im Bereich der Ansatzzone der Achillessehne. Dieselben Probleme habe ich immer bei zu langen oder zu schnellen Läufen mit gut gedämpften Schuhen (vor allem beim Asics 2050 GT), während ich selbst bei hartem Intervalltraining mit Spikes überhaupt keine Schwierigkeiten im Achillessehnenbereich habe. Wer also vergleichbare Wehwehchen hat, sollte bei langen und / oder schnellen Läufen Obacht walten lassen.

Freitag, den 11. Mai (20km, 5:15/km)
Mit sehr schweren Beinen will ich heute 1 ¸ Stunden gemütlich und locker laufen. Das Wetter fordert zwar Tempo, Tempo und nochmals Tempo, aber das Training gestern war zu hart. Also mit ruhigem Puls los und hoffen, dass die Beine locker werden. Bei dem Tempo ist der Schuh die richtige Wahl. Die Fußführung, der Sitz und die Dämpfung sorgen für einen gemütlichen Lauf. Auf Unebenheiten reagiert der Schuh gutmütig und verleiht jedenfalls für erfahrene Läufer die nötige Seitenstabilität. Ich werde versuchen, den Schuh in der nächsten Wochen einmal im Gelände zu testen. Nach dem Training fühle ich mich ziemlich platt. Zwar sind auch Beine und Waden ziemlich hart, das liegt aber weniger an den Schuhen, sondern an der Hitze und dem Vortagestraining.

Zwischenbilanz nach 2 Wochen:
Ein guter Schuh mit einer weichen Dämpfung, ordentlicher Flexibilität und guter Fußführung, der für längere Strecken bis etwa 20km empfohlen werden kann. Wer einen Schuh für längere Strecken und schnelle Trainingseinheiten sucht, muss selbst beobachten, ob er mit dem Dämpfungssystem zurecht kommt.


Christian Scholz: 1. Bericht (8. 5. 2001)

30. April 2001
Heute sind die Puma Complete Pryde angekommen. Ich hatte schon meine Laufschuhe an, um eine lockere Runde um die Außenalster zu drehen, als UPS an der Tür schellte. Also Schuhe ausgepackt und Schnürsenkel eingezogen. Die Schuhe wirken auf den ersten Blick sehr ordentlich verarbeitet und bieten trotz der Größe (US 14, UK 13) ein erstaunliches Maß an Flexibilität. Das ³gefühlte„ Gewicht liegt in etwa auf dem gleichen Niveau wie beim Asics 2060 GT. Am Fuß fühlen sich die Schuhe gut an. Sie sitzen fest, ohne zu drücken und scheinen einen guten Fersensitz zu bieten. Beim Gehen macht sich sofort die Dämpfung des Schuhs bemerkbar. Ob der Schuh zu weich ist, wird sich beim Laufen herausstellen.  Der erste Eindruck am Fuß ist positiv, man hat Lust, gleich loszulaufen.

Der Lauf (10km) (Tempo: 5:00min/km, incl. 2 x 1km in 3:30):
Der Hansaplast Marathon ist jetzt 8 Tage her, die Beine sind nicht mehr müde und das schöne Wetter flüstert: "Lauf Forrest! Lauf!" in meine Ohren. Trotzdem will ich es nicht übertreiben. Ich starte langsam in einem 5:00min/km Tempo. Die Schuhe fühlen sich bei dem Tempo zunächst recht schwammig und weich an. Das mag daran liegen, dass ich bei lockerem Tempo stärker mit der Ferse aufsetze und meine Beine noch alles andere als locker sind. Die Fußführung leidet aber nicht unter diesem weichen Laufgefühl. Nach 3km verschärfe ich das Tempo und laufe den nächsten Kilometer in 3:30min. Bei diesem Tempo verbessert sich das Verhalten des Schuhs, da ich - bedingt durch das hohe Tempo - kaum über die Ferse laufe. Der nächste lockere Kilometer fühlt sich schon etwas besser an. Bei der nächsten Tempoverschärfung fällt mir auf, dass das Abdruckverhalten des Schuhs im Vorderfußbereich ebenfalls etwas weich ist. Aber was soll's Dämpfungsschuhe sind ja auch nicht unbedingt für Tempoeinheiten gebaut. Danach lasse ich das Training locker ausklingen. Die Waden zwicken ein bisschen, aber das will ich so kurz nach dem Marathon wahrlich nicht auf die Schuhe schieben.

3. Mai 2001 (17km ˆ 3,5 km locker - 10km Tempo ˆ 3,5km locker)
Nach zwei Tagen ohne Lauftraining - den 1. Mai habe ich zu einem Ausritt auf meinem Rennrad genutzt - laufe ich heute das erste Mal nach dem Marathon wieder 2 Alsterrunden (für die Nichthamburger: 2 x 7,4km, mit Hin- und Rückweg insgesamt 17km). Blauer Himmel, 25 Grad und ein bisschen schwül - ein herrlicher Tag, um zu laufen. Normalerweise ziehe ich mir an solchen Tagen meine schwersten Botten an, da ich sonst dazu neige, das Tempo zu überziehen. Aber die Testschuhe warten auf mich mit vorwurfsvollem Blick, fühlen sie sich doch ungerecht bewertet... Na gut, los geht es. Schon auf den ersten Kilometern fällt mir auf, dass sich das weiche Aufsetzverhalten des Schuhs verbessert hat (Schuhe eingelaufen oder trampele ich heute weniger?). Das Laufgefühl ist angenehm leicht, die Schuhe kaum zu spüren. Vor allem auf Asphalt oder Pflaster wirken die Dämpfungselemente nicht zu weich, sondern vermitteln eine unbeschwerte Leichtigkeit. Obwohl ich keine Uhr dabei habe, merke ich, dass ich immer schneller werde. Ich merke mir die Uhrzeit auf einer Uhr am Schwanenwik, um nach einer Runde das Tempo bestimmen zu können. Inzwischen wird es immer schwieriger auf das Laufverhalten des Schuhs zu achten, da man ihn kaum merkt - ein gutes Zeichen. Die Fußführung ist exakt, ohne den Fuß beim Aufsetzen zu stark zu fixieren. Der Fuß schwimmt aber auch nicht ohne Halt "in die Dämpfung" hinein, so dass Waden- und Achillessehnenproblemen vorgebeugt wird. Der Schuh ist darüber hinaus so leicht, dass es schwer fällt nicht schnell zu laufen. Nach einer Runde in (viel zu schnellen) 30-31min nehme ich das Tempo raus. Auch bei deutlich langsameren Tempo behält der Schuh das angenehme Laufgefühl. Wahrscheinlich müssen die Dämpfungselemente erst einmal eingelaufen werden.
Vorläufiges Fazit: Gegenüber dem ersten Lauf ein deutlich verbessertes Laufgefühl.

4. Mai (17km ˆ 5:10min/km)
Das Laufgefühl des Puma hat sich stabilisiert. Ich drehe mit Lauffreunden zwei lockere Alsterrunden, ohne dass sich der Schuh bemerkbar macht. Er ist flexibel, ohne instabil zu wirken, er läuft sich weich, ohne zu schwimmen. Nur beim Antritt über den Fußballen ist die Reaktionszeit aufgrund der Dämpfungselemente recht lang. Aber schließlich ist der Schuh auch nicht für 5km Wettkämpfe in 17min und schneller :-) gedacht. Das Laufgefühl ist von den mir bekannten Modellen am besten mit dem Asics 2060 GT zu vergleichen. Nach dem Lauf sollte man aber wie bei allen Dämpfungsschuhen verstärkt darauf achten, die Waden zu dehnen. Ich gönne den Schuhen jetzt zwei Tage Ruhepause und melde mich in der nächsten Woche wieder mit meinen Puma Complete Pryde II ˆ Lauferfahrungen.


Christian Scholz: Obwohl die Schuhe noch nicht angekommen sind, lieferte Tetser Scholz schon einen Bericht - und zwar über den Hamburg-Marathon 25. 4. 2001)

Hallo running-pur Redaktion,
zwar ist mein Paar Testschuhe noch nicht angekommen, aber der gestrige Lauftag lohnt sich ohne Rücksicht auf die verwendeten Schuhe bilanziert zu werden.
Nach finsteren Wetterprognosen für den norddeutschen Sonntag (am Freitag hieß es noch Dauerregen und 0 Grad), einem recht angenehmen Sonnabend schien dann ab 7 Uhr die Sonne bei recht kalten 0 Grad. Trotz der Prognosen stand mein Renndress fest - kurze Hose und Singlet und dazu meine Adidas Taper. Gegen die Kälte habe ich mir dann nur ein paar Handschuhe zugestanden - wollte ich doch meine neue persönliche Bestleistung nicht durch ein Zuviel an Bekleidungsgewicht gefährden. Kurz vor 9:00 Uhr klapperten mir wegen der Temperaturen doch eine wenig die Zähne und ich habe mich schnell in meine Startgruppe gedrängt - Nähe wärmt.
9:00 Uhr der Startschuss und die Kälte weicht dem Wettkampffieber. Leider gab es wieder einmal die Unsitte vieler Laufgenossen zu beklagen, die sich in eine für ihr Tempo viel zu schnelle Startgruppe gemogelt haben und den ambitionierteren Läufern vor den Füßen rumstolperten. Trotzdem habe ich gleich mein Tempo gefunden und passierte die 1km Marke in exakt 4:00min. Kurz danach geht es rechts ab auf die sündigste Meile der Welt, die Reeperbahn oder der Kiez wie wir Hamburger sagen. Ein buntes Sammelsurium an wachgebliebenen Nachteulen und munteren Sportfans, die die LäuferInnen enthusiastisch anfeuern. Die Sightseeing Tour durch Hamburg beginnt. Die ersten 5km verbrachte ich damit mein Tempo zu finden, in mich hinein zu horchen und nach Läufern Ausschau zu halten, die vielleicht auch die magische 2:50 Grenze knacken wollten.
Bei KM 7 die erste private Verpflegungsstation. Ich werfe meiner Schwester meine Handschuhe vor die Füße, da mir inzwischen doch recht warm geworden war, greife nach der Wasserflasche, an die ich einen Gelbeutel befestigt hatte und weg bin ich. Zweimal links herum und wir sind an der Elbchaussee. Hier sitzen einige gutbetuchte Hamburger beim Champagnerfrühstück, die Sonnenstrahlen durchbrechen das erste Frühlingsgrün der altehrwürdigen Bäume und man genießt eines der schönsten Streckenabschnitte des Marathons. In der Zwischenzeit hatte ich mein Tempo gefunden und pendelte je nach Streckenprofil zwischen 3:55 und 4:00min/km. Perfekt. Das Laufgefühl ist überwältigend und ich bin froh, dass ich bei einem Marathon erstmals nicht zum Asics Gel DS Trainer, sondern zum Adidas Taper gegriffen habe, der für mein Gewicht (83kg) eigentlich zu wenig Stabilität bieten soll. Aber abwarten, noch ist nicht einmal die 10km Grenze passiert. Das Ende der Elbchaussee naht und ich begegne das erste Mal einem bekannten Gesicht: Hajo will auch 2:50 knacken und könnte damit ein möglicher Mitstreiter auf den nächsten 33km sein. Aber er ist anders als ich aus der ersten Reihe gestartet und ist jetzt "schon" etwa 25s in Verzug. Er hat keine Lust (und Luft?) zum Quatschen und bald merke ich, dass er sein Ziel wohl nicht erreichen wird und laufe alleine weiter. Die 10km Markierung passiere ich genau nach 39:40min und habe schon 20s auf dem Habenkonto. Ich hoffe, dass sich das später nicht rächt.
Kurze Zeit später runter in den Hafen. Hier dieselbe bunte Mischung aus Frühaufstehern und Nachteulen, die die laufende Menge frenetisch anfeuern, wie auf der Reeperbahn. Viele hat es nach einer durchtanzten Nacht wohl auf den Fischmarkt gezogen. Hafen, Landungsbrücken werden ebenso passiert, wie die Speicherstadt. Ich fühle mich großartig und habe anders als einige Läufer noch die Verfassung, um die immer wieder großartigen Eindrücke zu genießen. Hamburg, Du bist wunderschön.
Durch den Wallringtunnel und danach einmal um die Binnenalster: Wir passieren die Kilometer 15 - 17. Am Neuen Jungfernstieg erkenne ich rechts am Straßenrand meine Eltern, die mir eine weitere Wasserflasche entgegenhalten. Ich greife die Flasche, bedanke mich mit einem strahlenden Lächeln und laufe weiter Richtung Kennedybrücke. Auf dem Weg werden wir von einer Menge hübschen Cheerleader angefeuert. Ich fühle mich weiter in bester Verfassung. Nur kurz habe ich auf einer leicht abschüssigen Strecke geglaubt, eine wunde Stelle an einem meiner Zehen auszumachen und meine Schuhwahl in Frage gestellt. Zum Glück hat sich dieser Verdacht bis zum Ende nicht bestätigt.
Die Strecke um die Außenalster gehört zu den schönsten Streckenabschnitten. Tausende von Zuschauern bevölkern Hamburgs liebste Laufstrecke und auch mein bevorzugtes Trainingsrevier. Blauer Himmel und strahlender Sonnenschein verhelfen Hamburg zu einem unvergleichbaren Panaroma. Am noblen Alsterufer wiederholten sich die Elbchaussee Szenen: Gutbetuchte hanseatische Familien frühstückten auf dem Bürgersteig und prosteten den Läufern mit Kaffee und Champagner zu. 1km später führt die Strecke erst einmal weg von der Alster. Oh Alster, wir sollten dich erst harte 17,5 km später wiedersehen, was wird wohl in der Zwischenzeit passieren?
Die Halbmarathonmarke passierte ich nach genau 1:23,30 und lag damit schon über eine Minute im Plus. Auf den nächsten Kilometern mussten einige Läufer dem hohen Anfangstempo Tribut zollen. Ich begann bei einem konstanten Schnitt von 3:55min/km andere Läufer einzusammeln und hatte noch genug Energie um grinsend die begeistere Zuschauermenge zu genießen. Bis KM 25 kommt dann eine recht unangenehme Steigung, die einigen das Genick bricht. Ich reduzierte das Tempo auf genau 4:00/km und lag damit immer noch genau auf der eigentlich geplanten Geschwindigkeit. Die Strecke führte uns dann durch die City Nord, ein Büroviertel, das an normalen Wochenenden fast ausgestorben ist. Da dort der ehemalige Hauptsponsor Shell seinen Sitz hat, ist am Marathonwochenende in dieser ansonsten recht trostlosen Gegend ein irres Spektakel im Gang. Ein Gleitschirmspringer zieht die bewundernden Blicke der Zuschauer und einiger Läufer auf sich.
KM 27: Jetzt nur noch zwei Runden um die Alster denke ich, dieses normale Trainingsprogramm sitzt Du sonst auf einer A...backe ab. Obwohl ich merke, dass meine Oberschenkel langsam auf die Belastung reagieren, bin ich ziemlich optimistisch, liegen meine Kilometerzeiten immer noch unter dem Fahrplan. Meine Bedenken über das vielleicht zu hohe Anfangstempo beginnen sich zu zerstreuen. Die 30km Messmatte passiere ich nach 1:58:37 und liege damit 1:23min unter der Durchgangszeit für 2:48,48. Bei KM 31 soll mir meine nächste Wasserflasche mit Energiegel gereicht werden. Ich passiere den vereinbarten Treffpunkt - von Frauke nichts zu sehen. Dummerweise hatte ich bei KM 30 die Verpflegungsstation links liegen gelassen. Schnell machte sich Panik breit. Zum Glück stand Frauke dann eine Straßenecke weiter und zum Glück hat sie die zwischenzeitlichen Verwünschungen nicht gehört. Ich fühlte mich immer noch prima, begann sich das Feld doch immer weiter auseinander zuziehen, während ich eine Gruppe nach der anderen einholen konnte. Doch auch bei mir machte sich langsam die Müdigkeit breit. Die Zwischenzeiten begannen plötzlich unerklärlich zu variieren. So legte ich mit einer Gruppe den Abschnitt von km 32-33 in 3:40min zurück und bei konstantem Renntempo den nächsten Abschnitt bis km 34 in 4:12. Da nicht nur ich völlig irritiert war, kamen wir überein, dass wohl die Straßenmarkierungen nicht exakt gesetzt waren. Ab KM 36 wurden meine Beine immer schwerer und ich musste kämpfen, um meine Zwischenzeiten zu halten, was mir trotz allem gelang. Hierzu trugen vor allem die Wogen der Begeisterung bei, die uns alle durch Eppendorf begleiteten. Gleichzeitig begann ich auszurechnen, welche Durchschnittszeiten ich laufen konnte, ohne das Ziel 2:50,00 zu verfehlen. Bei KM 38 sah ich dann den Mann mit dem Hammer zum Glück so rechtzeitig, dass er mich nicht voll erwischt hat. Ich war angezählt, schwankte ein wenig, konnte aber sofort weitermachen, so dass ich nur minimal über meinem Kilometer - Schnitt lag. Ich machte mir keine Gedanken mehr über meine Schuhwahl (ein gutes Zeichen) und wollte nur noch ins Ziel. Komisch dachte ich, sonst fühlst Du Dich hier immer so locker beim Laufen.
Kurz vor dem amerikanischen Generalkonsulat (hier passiere ich beim Training immer die 2,5 bzw. 10km Marke) warteten die vorletzten Zeitmessmatten, die uns mit dem Piepen der wenigen Läufer vor uns begrüßten. Klasse, 39:52min für die letzten 10km. Ich rechnete kurz hoch und stellte fest, dass ich mir für die letzten 2,195 km 11:30 Zeit lassen konnte. Mit diesem beruhigenden Polster vor Augen war ich mir sicher, dass ich das trotz der Erschöpfung schaffen würde. Aber erst musste noch die langgezogene Steigung am Gorch-Fock-Wall bezwungen werden. Die Läufer werden von begeisterten Zuschauern den "Berg" hochgejagt. Jetzt brechen alle Dämme, ich nehme rechts kurz meine Eltern war und greife zur angebotenen Wasserflasche, die ich mir kurzentschlossen über den glühenden Kopf kippe, jetzt packe ich's. Noch ein Kilometer. Wir umrunden einmal den Sievekingsplatz mit seinen imposanten Gerichtsgebäuden, für die ich jetzt allerdings keinen Blick mehr habe. Ich beiße die Zähne zusammen und versuche noch ein paar Plätze gut zu machen. Wir biegen auf die Zielgerade ein und in ein paar hundert Metern lockt das süße Ende. Ich werde von einem Läufer überspurtet, den ich erst wenige Meter zuvor überholt hatte und kann (und will?) dem nichts mehr entgegensetzen. Ich genieße die Atmosphäre. Die Uhr bleibt bei 2:47,32 stehen, es ist vollbracht.
Christian Scholz

Christian Scholz: Das Bewerbungsschreiben (13. 4. 2001)

Ich möchte mich für den Test des Puma Pryde 2 bewerben.

Alter: 31 / m
Größe 184cm
Gewicht: 81kg

Lauferfahrung seit: 1985
lange Läufe & Marathon seit: 1998
Bestzeiten: Marathon (2:54,01) Halbmarathon (1:20,25) - beides 2000

Zur Zeit laufe ich wöchentlich ca. 120km, aufgeteilt auf 6 Trainingstage. Feste Bestandteile des Trainings sind wöchentliche Intervalle (5x 1km oder 12 x 400m), ein langer langsamer DL (30km + / 4:45 - 5:30/km), Fahrtenspiele und Tempodauerläufe über 10 - 20 km (3:50 - 4:15/km). Mein Ziel ist es, in diesem Jahr die 2:50,00 spätestens beim Berlin Marathon zu "knacken".

Aufgrund meines relativ hohen Gewichtes verwende ich für die langen Läufe i.d.R. sehr stabile Schuhe (Brooks Beast). Bei Tempoeinheiten wechsle ich zwischen Asics GT 2060, Asics Gel DS Trainer und Adidas Taper. Als Wettkampschuh bevorzuge ich bis zum Halbmarathon den Adidas Taper, beim Marathon den DS Trainer von Ascis.

Da bei keine orthopädische Probleme auftreten (achsgerade Beine) und keine Überpronation, bestehen keine Knie- und sonstigen Probleme beim und nach dem Laufen.

Ich würde mich freuen, meine Erfahrungen mit Adidas, Asics, Brooks, Karhu und New Balance um ein Modell von Puma bereichern zu können.

Mit freundlichen Grüßen
Christian Scholz


Schuhgröße:

Asics, Brooks, Karhu: US 14, UK 13
Adidas: US 13, UK 12,5 (Schuh sitzt als Wettkampfschuh mit gebogenem Leisten etwas enger)