Testläufer berichten vom Rennsteiglauf

Rennsteiglauf

Für running-pur waren Testläufer bei dieser Veranstaltung unterwegs. Sie sammelten Eindrücke, blickten hinter die Kulissen, um Ihnen, lieber Leser, ein Bild von der Qualität, dem Ambiente und der Stimmung zu verschaffen. Wollen auch Sie mit einem Freistart in der Tasche den ONLINE-Lesern Ihre Erfahrung übermitteln? Dann klicken Sie hier.

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10. 9. 2005
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Neumarkter Stadtlauf
Neumarkter Stadtlauf

8./9. 10. 2005

2. 4. 2006
Deutsche Weinstraßen Marathon


running-pur ONLINE
Ein Beitrag von running-pur ONLINE

 


Historie über den Rennsteiglauf
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Vier Rennsteiglauf-Jubiläen

Der diesjährige Rennsteiglauf am 21. Mai ist der 33. nach der offiziellen Zählung und damit als Jubiläum wenig geeignet. Für den Sporthistoriker und Traditionsrennsteigläufer gibt es aber einige „kleine Jubiläen“, an die man sich erinnern kann. So ist zum Beispiel: - zum 35. Mal in Folge der USV Jena e. V. an der Organisation des Rennsteiglaufs beteiligt; - vor 30 Jahren, 1975, fand der erste große Rennsteiglauf mit fast 1000 Teilnehmer statt;
- vor 15 Jahren gab es den 1. Gesamtdeutschen Rennsteiglauf, bei dem die Teilnehmer sieben mal die noch existierenden Grenzanlagen zwischen der „Deutsch-Deutschen“ Grenze passierten;
- vor 15 Jahren wurde der GutsMuths-Rennsteiglaufverein als neuer Träger dieser Laufveranstaltung gegründet.

Teil 3

Vor 15 Jahren fand der 1. Gesamtdeutsche Rennsteiglauf statt

Bereits kurz nach der Öffnung der innerdeutschen Grenze wurde von Rennsteigläufern der BSG Wismut Gera und der HSG Uni Jena die Idee geboren, einen Lauf über den Teil des Rennsteiges zu organisieren, der seit 1961 hermetisch abgeriegelt war. Seit dem Mauerbau 1961 endete für den DDR- Bürger der Rennsteig bei Ernstthal. Die letzten fast 50km führten durch streng bewachtes Grenzgebiet und den westlichen Teil Deutschlands. Ein Betreten war lebensgefährlich, da Minenfelder, Wachhunde und Grenzposten dies verhindern sollten. Für die Rennsteiglauforganisatoren stand dieses Stück des Traditionsweges daher nie zur Disposition. Mit der Wende änderte sich das schlagartig. Eine erste Testwanderung, noch in Begleitung von Offizieren der in Grenzpolizei umbenannten Grenztruppen fand Anfang April statt. Der Frankenwaldverein hatte die kurze Zeit seit der Wende bereits zum Markieren des Wanderweges mit dem weißen R genutzt. Gemeinsam mit Grenzoffizieren Ost und West wurden die Übergangsstellen für den Lauf festgelegt und die Grenzformalitäten wurden abgesprochen. Offiziell musste jeder DDR-Bürger, der die Grenze passieren wollte, seinen Personalausweis bzw. Reisepass persönlich vorlegen und erhielt einen Stempel. Wir erhielten die Genehmigung, dass die Betreuer aller „Personaldokumente“ einsammeln und gemeinsam beim Grenzposten vorlegen durften. Insgesamt sechs Grenzübertritte waren vorgesehen.

Am 18. Mai, dem Vortag des 18. GutsMuths-Rennsteiglaufs, war es dann soweit. 21 Läufer und zwei Läuferinnen aus Ost und West gingen auf bayrischer Seite bei Blankenstein an den Start zum 1. Gesamtdeutschen Rennsteiglauf. Die ersten Kilometer mussten wir einen Umweg laufen, da die alte Brücke über die Selbitz in den sechziger Jahren im Zuge des Baus der Grenzbefestigungsanlagen gesprengt worden war. So diente eine alte Eisenbahnbrücke der Höllentalbahn als Übergang über das kleine Flüsschen. Was dann folgte, war einer der abenteuerlichsten Läufe auf dem Rennsteig.
Bei den Erinnerungen daran bekommen heute noch viele Teilnehmer Gänsehaut. Ein Teil der Grenzanlagen war noch vollständig erhalten. Gitterzäune, Stacheldraht und Wachtürme waren vorhanden. An den Übergangsstellen saßen Beamte West und Bedienstete Ost einträchtig nebeneinander, tranken Kaffee und schenkten Getränke an die Läufer aus. Die Begleitfahrzeuge mussten teilweise über provisorische Straßen fahren, die erst frisch aufgeschüttet waren. Die Bevölkerung in den Orten an der Strecke, egal ob im Osten oder im Westen spendeten den Aktiven Beifall. Sportler aus Tettau betreuten uns mit Tee und Südfrüchten. Sogar in einem ehemaligen Stasiferienheim bei Ernstthal gab es eine Verpflegungsstelle. Nach knapp acht Stunden erreichten alle Neuhaus, wo einige hundert Rennsteigläufer, die am nächsten Tag zum 18. GutsMuths-Rennsteiglauf starten wollten, ein Spalier als Zielgasse bildeten. Als Erinnerung an diesen denkwürdigen Lauf erhielten alle Teilnehmer und das zehnköpfige Betreuungsteam ein Stück eingerahmten Originalstacheldraht als Rennsteiglauf – R geformt.


Bericht von Björn Lachenmann über den Rennsteiglauf
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Wir sehen uns wieder

Die Anreise erwies sich als gut gelungen von mir. Ich fuhr am Freitag vormittag mit dem Zug Richtung Eisenach. Ankunft gegen 15:00 Uhr und erstmal durchfragen, wo die Startnummernausgabe ist. Nach einem kurzen Fussmarsch erreichte ich den Marktplatz mit Nummernausgabe und Festzelt, wo abends noch die Läuferparty stattfinden sollte. Geholfen hat auch das riesige Startbanner durch das ich schnell auf besagten Platz gefunden habe. Da ich zeitig angekommen war gab es auch keine Drängelei bei der Ausgabe. Ich fragte dann nach der Massenunterkunft und es wurde mir gesagt, dass ein Transport dorthin möglich ist. Für einen Umkostenbeitrag von 1 EUR wurde mir die schwere Schlepperei meiner Sachen abgenommen. Ich bin abends die Strecke zwar zurückgelaufen, aber mit Klamotten wäre das eine Schinderei geworden. Super Idee, und manch anderer Veranstalter könnt das mal kopieren. In der Massenunterkunft ( ein Gymnasium) gab es noch reichlich Platz und so bezog ich Quartier im Latein- und Russisch-Saal mit ca. 10 anderen Läufern. Ausgepackt und wie schon gesagt zurückgelaufen in die Stadt zur Kloss-Party. Bei dieser war zwar dann eine riesen Schlange, aber das warten hat sich gelohnt. Endlich mal was anderes als immer Nudeln mit Tomatensoße. Herrliches Gulasch mit Rotkohl (für alle Schwaben Blaukraut, aber mit habe ich es noch später) und Kartoffelklöße ( die Menge war frei wählbar). Da der Start am nächsten Morgen um 6 Uhr erfolen sollte blieb ich allerdings nicht so lange. Ich machte noch mal einen gemächlichen Spaziergang zur Unterkunft zurück und packte alle Klamotten für den grossen tag. Pünktlich um 4 Uhr stand ich auf ,um im Keller der Schule ein hervorragendes Frühstück ein zu nehmen. Bezahlt habe ich übrigens für Unterkunft und Frühstück jeweils 3 EUR. Danach packte ich meinen Rucksack fertig, befestigte meine zweite Startnummer daran und begab mich in den Pendelbus, der uns zum Start brachte. Die Qual der Wahl erfolgt mal wieder, was zieh ich den jetzt an. Trotz Regen entschloss ich mich dazu ohne regenjacke zu laufe, in der Hoffnung dass es besser wird. Also, Klamotten abgeben und Richtung Start. Mit Hubschrauberunterstützung ging es pünktlich um 6 Uhr auch los. Nach einem kurzen Intermezzo in Eisenach erwartet einen Natur pur. Zu Anfang noch relativ dicht gedrängt schlängelte sich der Läuferstrom aus Eisenach hinauf Richtung Rennsteig. Auf einer Wiese erwartete uns dann erst einmal der Helikopter mit Fernsehteam. Stetig bergan ging es laut Streckenprofil die ersten 25 km bis zum grossen Inselberg. Zwar hatte der Regen nachgelassen, aber teilweise zog es meiner Meinung nach richtig heftig und war extrem kalt. In den windgeschützen Ecken war es dann deutlich wärmer. Aber irgendetwas stimmte heute nicht. Ich fühlte mich irgendwie nicht gut heute. Zwar drosselte ich mein Tempo, aber trotz kam ich nicht in einen runden Tritt. Lange rede , kurzer Sinn, nachdem mich zwischen km40 und km45 ein kurzer aber heftiger Regenguss erwischt hatte, gab ich total durchnässt, unterkühlt und völlig entkräftet bei km 45 auf.Man sagt zwar ein Ultra wird zu 90% im Kopf entschieden, aber auch dort bin ich keine Maschine und habe gute und schlechte Tage. Im nachhinein betrachtet war es die vernünftigste Entscheidung meiner Läuferkarriere. Bis dorthin aber darf ich anmerken, eine, bis auf Kleinigkeiten, fast perfekte Veranstaltung. Es gab Verpflegungspunkte in Hülle und Fülle. Die Streckenmarkierung war sehr übersichtlich und immer leicht zu finden. Auch die Versorgung für die Läufer, die mit mir ausgestiegen sind war mehr als zufriedenstellend. Wir wurden mittels Jeep auf eine Berghütte gebracht. Dort sollte uns etwas später dann ein Bus zum Ziel nach Schmiedefeld bringen. Versorgt wurden wir dann in der Zwischenteit mit Decken und heissem Tee. Irgendwann kam dann der Bus und bracht uns zurück in die Zivilisation. Angekommen in Schmiedefeld erklommen wir noch den Marathonhügel (Alle, die Marathon gelaufen sind wissen welchen Anstieg ich meine). Da allerdings kommt meine leise aber berechtigte Kritik. Ein riesen Arreal tat sich mir auf. Mit grossem Festzelt und Buden erstreckte sich mir ein riesiges Volksfest. Das ist alles toll, nur ich habe leider keinerlei Auschilderungen gefunden ( und wer hat schon den Plan im Kopf?) . Auch liefen überall Nichtläufer herum. Eine etwas striktere Trennung wäre toll. Der Platz mit den Klamotten habe ich auch nur gefunden, weil ich jemanden gefunden habe, der schon mal hier war. Was ich dann sah, liess mich doch erschrecken. Auf einer grossen Wiese lagen alle Kleiderbeutel, zwar ordentlich sortiert ( ich habe meinen grossen Rucksack gleich gefunden), aber ungeschützt. Wenn es den ganzen Tag geregnet hätte, wären alle meine sachen nass gewesen. Leider stand auch nichts davon in irgendwelchen Informationen, dass man seine Sachen wasserdicht einpacken soll. Duschen, weiss nicht wo die waren. Eine Zusammenlegung der Kleiderrückgabe und der Duschen wäre hilfreich. Auch eine Absperrung für Nichtläufer wäre sinnvoll. Der Rücktransport nach Eisenach erfolgte schnell und unklompiziert mit einem sehr bequemen Reisbus. So habe ich noch eine Rechnung mit diesem Lauf offen. Wir sehen uns wieder. Bis 2006


Bericht von Jens Fräsdorf über den Rennsteiglauf
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33. Rennsteiglauf

Am Freitag den 20.05.05 reiste ich in Neuhaus, mein Auto geparkt und los die Startunterlagen holen. Alles ging sehr schnell, sehr nette Mitarbeiter.

Dann ging es zur Kloßparty, wie immer schmeckte es sehr gut und inzwischen kam eine super Stimmung im Festzelt auf. Auch Läufer können richtig Feiern. Gegen 22:00 begab ich mich dann zur Ruhe.

Gegen 5 wurde ich munter, dass es so sehr regnete, ich dachte, das kann etwas werden.

Um 7 bin ich dann zum Frühstück in die Halle, ein paar Läufer waren auch schon da und ließen es sich schmecken. Frischen Kaffee und zwei Brötchen geholt und in Ruhe gegessen und dabei ein paar nette Leute kennen gelernt.

Nach dem Frühstück ging es erst mal zu Umziehen und dann gleich mal den Kleiderbeutel abgeben, alles ging sehr schnell. Langsam füllte sich der Startplatz und es kam Stimmung auf, die Kapelle forderte zum Mitsingen und tschungeln, was die meisten auch mit gemacht haben.

Dann ging es endlich los, das Starterfeld löste sich langsam auf. Durch einen wunderschöne abwechslungsreiche Gegend ging es. An den Verpflegungspunkten, gab es ausreichend Getränke und für jeden etwas zu essen. Es reichte von der Banane über Schleim bis zum Salamibrot. Hier könnten sich viele große Läufe etwas abschauen. Den Helfern merkte man ihren Spaß an. Es war wieder ein unvergesslicher Lauf, den man jeden nur empfehle kann.

Eine Super Stimmung im Ziel und auch da wieder eine sehr gute Verpflegung.

Nun ging es zum duschen, erst mal meinen Kleiderbeutel suchen, aber der war sehr schnell gefunden. Es war genügend Platz in den Umkleiden und auch in der Dusche und das warme Wasser tat mir sehr gut.

Nun noch etwas ins Zelt und die gute Stimmung geniesten.

Fazit: Ein super Lauf wo Preis- Leistungsverhälnis stimmt. Hier merkt man die Jahrelange Erfahrung. Eins weiß ich schon heute, im nächsten Jahr bin ich wieder dabei.


Bericht von Henning Darowski über den Rennsteiglauf
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GutsMuths-Rennsteiglauf – nicht umsonst mein Lieblingslauf

Dieser Landschaftslauf gilt als der größte Crosslauf in Europa und immer mehr Läufer auch aus anderen Ländern finden im Mai den Weg in den Thüringer Wald, um laufend einen Teil des Rennsteigs zu bezwingen. Der echte Rennsteiglauf ist der lange Kanten von Eisenach nach Schmiedefeld über 72,7 km, den ich mir aber noch nicht zutraue. Aber es gibt zwei weitere Möglichkeiten: man kann in Oberhof loszulaufen, um das Ziel schon nach der Halbmarathonstrecke zu erreichen, oder man startet in Neuhaus und erreicht den gemeinsamen Zielort Schmiedefeld nach 43,1 km. Für diese Variante entscheide ich mich nun bereits zum 5. Mal und will von meinem diesjährigen Erleben berichten.

Danke an Running Pur für den Freistart und and die freundlichen Mitarbeiter der Rennsteiglauf GmbH für die unkomplizierte Rücküberweisung meiner 33 € Startgeld (bei frühzeitiger Anmeldung 30 €) die ich für angemessen halte – es sind doch einige Straßensperrungen erforderlich und unzählige Helfer an Start, Strecke und Ziel sorgen für einen reibungslosen Ablauf und für die beste denkbare Verpflegung - vielen Dank auch an all jene. Für den Bustransfer werden noch einmal 5 € fällig, das ist absolut ok, wird man doch ca. 1 Stunde die Strecke zum Ausgangspunkt zurückgefahren.

Ursprünglich hatte ich vor, mit meiner Familie gemeinsam nach Schmiedefeld zu fahren, um zum 1. Mal mit meinem Söhnchen ins Ziel zu laufen. Leider war kurzfristig keine kleinkindtaugliche Unterkunft in Zielnähe mehr zu bekommen und so entschied ich mich für die erprobte Variante: alleinige Anfahrt direkt zum Startort. Am Freitag abend reise ich relativ spät aus Berlin an – gegen 22:30 erreiche ich die GutsMuths-Halle (einige Schilder an der Straße weisen den Weg) und baue dahinter auf der Wiese mein Zelt auf. Alternativ kann man sich in der anliegenden Schule im Massenquartier eine Schlafstatt suchen. Weil es schon so spät ist, verpasse ich die Kloß-Party – ist aber als schmackhafte Alternative zum Nudel-Carboloading durchaus empfehlenswert. In der nicht mehr ganz gefüllten Halle spielt eine Band auf, nicht ganz mein Fall, aber ein dunkles Bier lasse ich mir dann doch nicht entgehen. Erst recht spät finde ich Schlaf und wache gegen 5:00 vom Geprassel des Regens auf. Nachdem ich mehr schlecht als recht noch vor mich hingedöst und auf Besserung gehofft habe, stehe ich kurz nach 6 Uhr auf und begebe mich in die Halle, in der ich schnell und preiswert ein Frühstück bekomme, also Kaffee und Brötchen. Kostenlos wird noch warmer Tee bereitgestellt. Nachdem ich meine Startunterlagen abgeholt habe, lege ich mich halt noch einmal hin und wirklich: gegen 8:00 klart es auf und ich beginne mit den üblichen Laufvorbereitungen. Bei nun schon 13° fällt die Kleiderwahl nicht schwer, ich laufe kurz. Die Kleiderbeutel werden von jungen Helfern in Empfang genommen und auf LKWs verladen. Diese werden am Ziel bereitgestellt, sind aber dort dem etwaigen Regen schutzlos ausgeliefert, es empfiehlt sich daher sie wasserdicht zu verschließen. Der Platz hat sich inzwischen merklich gefüllt und Blasmusiker aus dem benachbarten Lichtetal spielen auf, kurz vor dem Start ertönen Rennsteiglied und Schneewalzer, zum dem alle mit erhobenen Armen mitschunkeln.

Dann wird von 10 auf 1 heruntergezählt – um 9:00 geht es endlich los und gemächlich und beinahe ohne jedes Gedränge setzen sich 3412 Läufer in Bewegung. Zunächst geht es ein gutes Stück bergauf, dann kann man auf gut ca. 5 km Straße locker bergab einrollen, ehe es in den Wald und auf einen gut durchgeweichten Boden geht. Anfangs ist die Luft noch recht feucht, aber es wird immer angenehmer, die Sonne zeigt sich zwar so gut wie nicht, aber das hat auch seine Vorteile. Die Vögel scheinen uns auszulachen, so laut zwitschern sie – einfach herrlich. Nach einer kleinen Ortschaft geht es wieder bergauf und nach ca. 80 Höhenmetern und insgesamt 10,6 km erreichen wir am Dreistromstein die erste Verpflegungsstelle. Es mag zwar etwas gewöhnungsbedürftig sein, dass die Versorgungsstellen nicht ganz so häufig wie bei den Stadtmarathons auftauchen, aber dafür ist die Verköstigung hier um ein Vielfaches besser: ungekrönt aber einfach Klasse ist der berühmte Haferschleim, den ich neben warmem Tee von nun an immer zu mir nehme, die Geschmacksrichtungen wechseln sogar ab. Zusätzlich werden Zitronenstücken, Bananen, Äpfel, geschmierte Brotstücken und was weiß ich noch gereicht. An Getränken gibt es außer Tee noch Wasser, welches offenbar leider kohlensäurehaltig ist, ich habe auch Cola und Isodrink entdeckt. Es geht nun wieder bergab auf einem asphaltierten Fahrweg und nach etwa 15 km beginnt der erste (zumindest für mich als Flachländer) ernst zu nehmende Anstieg hinauf zur Turmbaude Masserberg, gleichzeitig mit 841 m über NN der höchste Punkt der Strecke. Gestärkt und aufgefrischt nach einer neuerlichen Verpflegung geht es wieder hinunter, um uns gleich darauf den nächsten Anstieg zur Schwalbenhauptwiese abzuverlangen. Der Weg bietet einige schöne Blicke ins Land, auch wenn die Sicht heute nicht den absoluten Weitblick bereithält.

Bisher läuft es richtig rund für mich und ich freue mich schon auf eine meiner Lieblingsstellen, den berüchtigten Hohlweg. Es ist recht eng hier und viele Wurzeln verlangen einem einige Konzentration und sicheres Auftreten bei starkem Gefälle ab. Der Läufer vor mir freut sich, dass es wenigstens hier teilweise ordentlich schlammig ist und wir ja schließlich auf einem Crosslauf wären. Ich gebe ihm innerlich Recht, freue mich, dass ich diesmal in keinen Stau gerate. Weiter hinten im Feld bleibt das leider nicht ganz aus, weil Überholen auf diesem Pfad praktisch unmöglich ist. Sekunden späterkann ich einen Schmerzensschrei nicht unterdrücken denke bei mir: Das war’s! Ich bin mit meinem rechten Fuß ungünstig aufgekommen und umgeknickt. Ohne Schmerz kann ich schwerlich auftreten. Ich humpele mehr schlecht als recht weiter und breche im Kopf den Wettlauf ab. Und das bei meinem kleinen Jubiläum (5 x Rennsteig, 20 x Marathon), ich ärgere mich gewaltig über meine Unvorsichtigkeit und überlege, wie ich nun weiterkomme. Ich beschließe, erst mal bis zum nächsten Sanitäter weiterzulaufen, mich in meiner Unvernunft nur sehr schwer mit dem Gedanken anvertrauend, ein DNF hinzulegen. Leider sind am Ende der Kehle keine Sanis zu sehen. Die freundlichen Streckenposten erklären mir, dass sie keine Hilfestellung geben können. Also laufe ich weiter, der erste Schmerz ist etwas abgeklungen, bergauf geht es sogar, bergab allerdings wird es richtig unangenehm.

Es geht also in ständigem auf und ab weiter bis Neustadt, wo ich wie die Meisten stehen bleibe und mich ausgiebig an den dargebotenen Sachen labe. Der Besuch bei den Sanitätern verläuft nicht wie erhofft. Da ich aber im Wesentlichen von einem Missverständnis ausgehe, möchte ich an dieser Stelle nicht pauschal über all die vielen freiwilligen Helfer urteilen.

Ich kämpfe mich weiter voran im Wissen, dass uns kurz nach Neuhaus einer der beiden kurzen aber knackigen Anstiege bevorsteht, die doch die Meisten gehend bewältigen. Am Fuß spielt uns eine Band Mut zu. Gerade diese vereinzelt auftretenden Anfeuerungen bauen ziemlich auf. Nachdem ich die letzten 10 km von sehr vielen Läufern überholt wurde, was für mich mental ziemlich hart zu verkraften ist, kann ich nun am Berg einige wieder einsammeln. Ich bin mit der Welt versöhnt, da es mir gelingt, diesen Anstieg wie auch später den kurz vor Frauenwald laufend zu bewältigen, auch wenn die wandernden Mitstreiter nicht sehr viel langsamer sind. Ansonsten ziehen sich die Kilometer, es geht vermehrt bergab. In Frauenwald bei km 37,8 ist die letzte Verpflegungsstelle erreicht. Diesmal greife ich angesichts der verletzungsbedingt verpassten Zeitvorstellung bewusst nach dem hier angebotenen Köstritzer Schwarzbier (bei einem vergangenen Lauf hatte ich versehentlich einen solchen Becher erwischt). Es schmeckt hervorragend. Aber welchen Anreiz gibt es jetzt noch, weiter ins Ziel zu laufen, um dort den Zielbiergutschein einzulösen? Aus sportlicher Sicht halte ich Bier 5,5 km vor dem Ziel für eher ungeeignet, aber heute habe ich keine Probleme damit. Einige Läufer haben inzwischen mit Krämpfen zu kämpfen. Es finden sich aber immer schnell Mitläufer, die ihnen hilfreich zur Seite stehen. Nach einer längeren Bergabstrecke teilweise auf unangenehmem Schotteruntergrund, unterbrochen von kurzen Anstiegen, erreichen wir endlich Schmiedefeld. Schon vorher schallt es vereinzelt durch den Wald, das Ziel ist nicht mehr fern! Der letzte schwere Anstieg steht uns bevor (kaum zu glauben: meine Uhr zeigt gerade mal 30 Höhenmeter dafür an) – wir müssen wieder hoch zum Sportplatz und beinahe den ganzen Weg hinauf wird man angefeuert und fast alle laufen, bis im Zielbereich ein gehöriger Lärm letzte Reserven freisetzt – viele Menschen stehen rechts und links der Laufgasse – wer dies nicht genießt, ist selber Schuld. Die Stimmung ist großartig. Mit großem Respekt bewundere ich die Supermarathon-Läufer, die in der Nachbar-Zieleinlaufgasse nach nur wenig mehr als 7 Stunden das Ziel erreichen. Ich mache noch ein paar Fotos, wer will, kann diese und einige andere vom Lauf unter ww.monkeponke.de/laufen/rennsteiglauf05 ansehen und lasse mit dankbar dieMedaille umhängen. Der geneigte Leser entschuldige bitte die Bildqualität eines Handys und die Tatsache, ein solches bei sich zu tragen, wenn auch nur zum fotografieren.

Im Ziel bin ich einfach nur froh angekommen zu sein, ich humpele hinunter zur Wiese, um meinen Kleiderbeutel in Empfang zu nehmen und begutachte vor einer warmen(!) Dusche im eigens dafür gebauten Gebäude meinen arg geschwollenen Klumpfuß. Dieses Durchlaufen mit Verletzung sei nicht zur Nachahmung empfohlen – der Rennsteiglauf aber sehr wohl. Auch die Gespräche mit einigen Läufern bestärken mich in meinem positiven Gesamteindruck. Wir hatten offenbar mehr Glück mit dem Wetter als die Ultras – Nebel und Regen machten den Läufern auf dem langen Stück doch etwas zu schaffen. Zielbier, warme Suppe, für den Trubel habe ich heute keinen Sinn. Wer will, kann sich nach etwas Anstehen seine Soforturkunde ausdrucken lassen. Ich gehen den Berg wieder hinunter, ich versuche die aufstrebenden Läufer noch etwas aufzumuntern, erreiche dann den gerade eintreffenden Bus, der mich in einer knappen Stunde zurück nach Neuhaus bringt, von wo aus ich die Heimreise antrete.

Fazit: Ich kann diesen wunderschönen Landschaftslauf nur jedem nahe legen, der eine entspannte Läufergemeinschaft und abwechslungsreiche Strecke sucht und dabei auch den einen oder anderen Höhenmeter (knapp 700 bergauf) nicht scheut. Seine Grenzen kann, muss man aber nicht testen. Wer auf Bestzeiten oder ein auf der ganzen Strecke anfeuerndes Publikum aus ist, der wird hiernicht glücklich. Ich bin bestimmt im nächsten Jahr wieder dabei!

Henning Darowski