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Historie über den Rennsteiglauf
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Vier Rennsteiglauf-Jubiläen
Der diesjährige Rennsteiglauf am 21. Mai ist der 33. nach der offiziellen
Zählung und damit als Jubiläum wenig geeignet. Für den
Sporthistoriker und Traditionsrennsteigläufer gibt es aber einige
kleine Jubiläen, an die man sich erinnern kann. So ist
zum Beispiel: - zum 35. Mal in Folge der USV Jena e. V. an der Organisation
des Rennsteiglaufs beteiligt; - vor 30 Jahren, 1975, fand der erste große
Rennsteiglauf mit fast 1000 Teilnehmer statt;
- vor 15 Jahren gab es den 1. Gesamtdeutschen Rennsteiglauf, bei dem die
Teilnehmer sieben mal die noch existierenden Grenzanlagen zwischen der
Deutsch-Deutschen Grenze passierten;
- vor 15 Jahren wurde der GutsMuths-Rennsteiglaufverein als neuer Träger
dieser Laufveranstaltung gegründet.
Teil 3
Vor 15 Jahren fand der 1. Gesamtdeutsche Rennsteiglauf statt
Bereits kurz nach der Öffnung der innerdeutschen Grenze wurde von
Rennsteigläufern der BSG Wismut Gera und der HSG Uni Jena die Idee
geboren, einen Lauf über den Teil des Rennsteiges zu organisieren,
der seit 1961 hermetisch abgeriegelt war. Seit dem Mauerbau 1961 endete
für den DDR- Bürger der Rennsteig bei Ernstthal. Die letzten
fast 50km führten durch streng bewachtes Grenzgebiet und den westlichen
Teil Deutschlands. Ein Betreten war lebensgefährlich, da Minenfelder,
Wachhunde und Grenzposten dies verhindern sollten. Für die Rennsteiglauforganisatoren
stand dieses Stück des Traditionsweges daher nie zur Disposition.
Mit der Wende änderte sich das schlagartig. Eine erste Testwanderung,
noch in Begleitung von Offizieren der in Grenzpolizei umbenannten Grenztruppen
fand Anfang April statt. Der Frankenwaldverein hatte die kurze Zeit seit
der Wende bereits zum Markieren des Wanderweges mit dem weißen R
genutzt. Gemeinsam mit Grenzoffizieren Ost und West wurden die Übergangsstellen
für den Lauf festgelegt und die Grenzformalitäten wurden abgesprochen.
Offiziell musste jeder DDR-Bürger, der die Grenze passieren wollte,
seinen Personalausweis bzw. Reisepass persönlich vorlegen und erhielt
einen Stempel. Wir erhielten die Genehmigung, dass die Betreuer aller
Personaldokumente einsammeln und gemeinsam beim Grenzposten
vorlegen durften. Insgesamt sechs Grenzübertritte waren vorgesehen.
Am 18. Mai, dem Vortag des 18. GutsMuths-Rennsteiglaufs, war es dann
soweit. 21 Läufer und zwei Läuferinnen aus Ost und West gingen
auf bayrischer Seite bei Blankenstein an den Start zum 1. Gesamtdeutschen
Rennsteiglauf. Die ersten Kilometer mussten wir einen Umweg laufen, da
die alte Brücke über die Selbitz in den sechziger Jahren im
Zuge des Baus der Grenzbefestigungsanlagen gesprengt worden war. So diente
eine alte Eisenbahnbrücke der Höllentalbahn als Übergang
über das kleine Flüsschen. Was dann folgte, war einer der abenteuerlichsten
Läufe auf dem Rennsteig.
Bei den Erinnerungen daran bekommen heute noch viele Teilnehmer Gänsehaut.
Ein Teil der Grenzanlagen war noch vollständig erhalten. Gitterzäune,
Stacheldraht und Wachtürme waren vorhanden. An den Übergangsstellen
saßen Beamte West und Bedienstete Ost einträchtig nebeneinander,
tranken Kaffee und schenkten Getränke an die Läufer aus. Die
Begleitfahrzeuge mussten teilweise über provisorische Straßen
fahren, die erst frisch aufgeschüttet waren. Die Bevölkerung
in den Orten an der Strecke, egal ob im Osten oder im Westen spendeten
den Aktiven Beifall. Sportler aus Tettau betreuten uns mit Tee und Südfrüchten.
Sogar in einem ehemaligen Stasiferienheim bei Ernstthal gab es eine Verpflegungsstelle.
Nach knapp acht Stunden erreichten alle Neuhaus, wo einige hundert Rennsteigläufer,
die am nächsten Tag zum 18. GutsMuths-Rennsteiglauf starten wollten,
ein Spalier als Zielgasse bildeten. Als Erinnerung an diesen denkwürdigen
Lauf erhielten alle Teilnehmer und das zehnköpfige Betreuungsteam
ein Stück eingerahmten Originalstacheldraht als Rennsteiglauf
R geformt.
Bericht von Björn Lachenmann über
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Wir sehen uns wieder
Die Anreise erwies sich als gut gelungen von mir. Ich fuhr am Freitag
vormittag mit dem Zug Richtung Eisenach. Ankunft gegen 15:00 Uhr und erstmal
durchfragen, wo die Startnummernausgabe ist. Nach einem kurzen Fussmarsch
erreichte ich den Marktplatz mit Nummernausgabe und Festzelt, wo abends
noch die Läuferparty stattfinden sollte. Geholfen hat auch das riesige
Startbanner durch das ich schnell auf besagten Platz gefunden habe. Da
ich zeitig angekommen war gab es auch keine Drängelei bei der Ausgabe.
Ich fragte dann nach der Massenunterkunft und es wurde mir gesagt, dass
ein Transport dorthin möglich ist. Für einen Umkostenbeitrag
von 1 EUR wurde mir die schwere Schlepperei meiner Sachen abgenommen.
Ich bin abends die Strecke zwar zurückgelaufen, aber mit Klamotten
wäre das eine Schinderei geworden. Super Idee, und manch anderer
Veranstalter könnt das mal kopieren. In der Massenunterkunft ( ein
Gymnasium) gab es noch reichlich Platz und so bezog ich Quartier im Latein-
und Russisch-Saal mit ca. 10 anderen Läufern. Ausgepackt und wie
schon gesagt zurückgelaufen in die Stadt zur Kloss-Party. Bei dieser
war zwar dann eine riesen Schlange, aber das warten hat sich gelohnt.
Endlich mal was anderes als immer Nudeln mit Tomatensoße. Herrliches
Gulasch mit Rotkohl (für alle Schwaben Blaukraut, aber mit habe ich
es noch später) und Kartoffelklöße ( die Menge war frei
wählbar). Da der Start am nächsten Morgen um 6 Uhr erfolen sollte
blieb ich allerdings nicht so lange. Ich machte noch mal einen gemächlichen
Spaziergang zur Unterkunft zurück und packte alle Klamotten für
den grossen tag. Pünktlich um 4 Uhr stand ich auf ,um im Keller der
Schule ein hervorragendes Frühstück ein zu nehmen. Bezahlt habe
ich übrigens für Unterkunft und Frühstück jeweils
3 EUR. Danach packte ich meinen Rucksack fertig, befestigte meine zweite
Startnummer daran und begab mich in den Pendelbus, der uns zum Start brachte.
Die Qual der Wahl erfolgt mal wieder, was zieh ich den jetzt an. Trotz
Regen entschloss ich mich dazu ohne regenjacke zu laufe, in der Hoffnung
dass es besser wird. Also, Klamotten abgeben und Richtung Start. Mit Hubschrauberunterstützung
ging es pünktlich um 6 Uhr auch los. Nach einem kurzen Intermezzo
in Eisenach erwartet einen Natur pur. Zu Anfang noch relativ dicht gedrängt
schlängelte sich der Läuferstrom aus Eisenach hinauf Richtung
Rennsteig. Auf einer Wiese erwartete uns dann erst einmal der Helikopter
mit Fernsehteam. Stetig bergan ging es laut Streckenprofil die ersten
25 km bis zum grossen Inselberg. Zwar hatte der Regen nachgelassen, aber
teilweise zog es meiner Meinung nach richtig heftig und war extrem kalt.
In den windgeschützen Ecken war es dann deutlich wärmer. Aber
irgendetwas stimmte heute nicht. Ich fühlte mich irgendwie nicht
gut heute. Zwar drosselte ich mein Tempo, aber trotz kam ich nicht in
einen runden Tritt. Lange rede , kurzer Sinn, nachdem mich zwischen km40
und km45 ein kurzer aber heftiger Regenguss erwischt hatte, gab ich total
durchnässt, unterkühlt und völlig entkräftet bei km
45 auf.Man sagt zwar ein Ultra wird zu 90% im Kopf entschieden, aber auch
dort bin ich keine Maschine und habe gute und schlechte Tage. Im nachhinein
betrachtet war es die vernünftigste Entscheidung meiner Läuferkarriere.
Bis dorthin aber darf ich anmerken, eine, bis auf Kleinigkeiten, fast
perfekte Veranstaltung. Es gab Verpflegungspunkte in Hülle und Fülle.
Die Streckenmarkierung war sehr übersichtlich und immer leicht zu
finden. Auch die Versorgung für die Läufer, die mit mir ausgestiegen
sind war mehr als zufriedenstellend. Wir wurden mittels Jeep auf eine
Berghütte gebracht. Dort sollte uns etwas später dann ein Bus
zum Ziel nach Schmiedefeld bringen. Versorgt wurden wir dann in der Zwischenteit
mit Decken und heissem Tee. Irgendwann kam dann der Bus und bracht uns
zurück in die Zivilisation. Angekommen in Schmiedefeld erklommen
wir noch den Marathonhügel (Alle, die Marathon gelaufen sind wissen
welchen Anstieg ich meine). Da allerdings kommt meine leise aber berechtigte
Kritik. Ein riesen Arreal tat sich mir auf. Mit grossem Festzelt und Buden
erstreckte sich mir ein riesiges Volksfest. Das ist alles toll, nur ich
habe leider keinerlei Auschilderungen gefunden ( und wer hat schon den
Plan im Kopf?) . Auch liefen überall Nichtläufer herum. Eine
etwas striktere Trennung wäre toll. Der Platz mit den Klamotten habe
ich auch nur gefunden, weil ich jemanden gefunden habe, der schon mal
hier war. Was ich dann sah, liess mich doch erschrecken. Auf einer grossen
Wiese lagen alle Kleiderbeutel, zwar ordentlich sortiert ( ich habe meinen
grossen Rucksack gleich gefunden), aber ungeschützt. Wenn es den
ganzen Tag geregnet hätte, wären alle meine sachen nass gewesen.
Leider stand auch nichts davon in irgendwelchen Informationen, dass man
seine Sachen wasserdicht einpacken soll. Duschen, weiss nicht wo die waren.
Eine Zusammenlegung der Kleiderrückgabe und der Duschen wäre
hilfreich. Auch eine Absperrung für Nichtläufer wäre sinnvoll.
Der Rücktransport nach Eisenach erfolgte schnell und unklompiziert
mit einem sehr bequemen Reisbus. So habe ich noch eine Rechnung mit diesem
Lauf offen. Wir sehen uns wieder. Bis 2006
Bericht von Jens Fräsdorf über
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33. Rennsteiglauf
Am Freitag den 20.05.05 reiste ich in Neuhaus, mein Auto geparkt und
los die Startunterlagen holen. Alles ging sehr schnell, sehr nette Mitarbeiter.
Dann ging es zur Kloßparty, wie immer schmeckte es sehr gut und
inzwischen kam eine super Stimmung im Festzelt auf. Auch Läufer können
richtig Feiern. Gegen 22:00 begab ich mich dann zur Ruhe.
Gegen 5 wurde ich munter, dass es so sehr regnete, ich dachte, das kann
etwas werden.
Um 7 bin ich dann zum Frühstück in die Halle, ein paar Läufer
waren auch schon da und ließen es sich schmecken. Frischen Kaffee
und zwei Brötchen geholt und in Ruhe gegessen und dabei ein paar
nette Leute kennen gelernt.
Nach dem Frühstück ging es erst mal zu Umziehen und dann gleich
mal den Kleiderbeutel abgeben, alles ging sehr schnell. Langsam füllte
sich der Startplatz und es kam Stimmung auf, die Kapelle forderte zum
Mitsingen und tschungeln, was die meisten auch mit gemacht haben.
Dann ging es endlich los, das Starterfeld löste sich langsam auf.
Durch einen wunderschöne abwechslungsreiche Gegend ging es. An den
Verpflegungspunkten, gab es ausreichend Getränke und für jeden
etwas zu essen. Es reichte von der Banane über Schleim bis zum Salamibrot.
Hier könnten sich viele große Läufe etwas abschauen. Den
Helfern merkte man ihren Spaß an. Es war wieder ein unvergesslicher
Lauf, den man jeden nur empfehle kann.
Eine Super Stimmung im Ziel und auch da wieder eine sehr gute Verpflegung.
Nun ging es zum duschen, erst mal meinen Kleiderbeutel suchen, aber der
war sehr schnell gefunden. Es war genügend Platz in den Umkleiden
und auch in der Dusche und das warme Wasser tat mir sehr gut.
Nun noch etwas ins Zelt und die gute Stimmung geniesten.
Fazit: Ein super Lauf wo Preis- Leistungsverhälnis stimmt. Hier
merkt man die Jahrelange Erfahrung. Eins weiß ich schon heute, im
nächsten Jahr bin ich wieder dabei.
Bericht von Henning Darowski über
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GutsMuths-Rennsteiglauf nicht umsonst mein Lieblingslauf
Dieser Landschaftslauf gilt als der größte Crosslauf in Europa
und immer mehr Läufer auch aus anderen Ländern finden im Mai
den Weg in den Thüringer Wald, um laufend einen Teil des Rennsteigs
zu bezwingen. Der echte Rennsteiglauf ist der lange Kanten von Eisenach
nach Schmiedefeld über 72,7 km, den ich mir aber noch nicht zutraue.
Aber es gibt zwei weitere Möglichkeiten: man kann in Oberhof loszulaufen,
um das Ziel schon nach der Halbmarathonstrecke zu erreichen, oder man
startet in Neuhaus und erreicht den gemeinsamen Zielort Schmiedefeld nach
43,1 km. Für diese Variante entscheide ich mich nun bereits zum 5.
Mal und will von meinem diesjährigen Erleben berichten.
Danke an Running Pur für den Freistart und and die freundlichen
Mitarbeiter der Rennsteiglauf GmbH für die unkomplizierte Rücküberweisung
meiner 33 € Startgeld (bei frühzeitiger Anmeldung 30 €)
die ich für angemessen halte es sind doch einige Straßensperrungen
erforderlich und unzählige Helfer an Start, Strecke und Ziel sorgen
für einen reibungslosen Ablauf und für die beste denkbare Verpflegung
- vielen Dank auch an all jene. Für den Bustransfer werden noch einmal
5 € fällig, das ist absolut ok, wird man doch ca. 1 Stunde die
Strecke zum Ausgangspunkt zurückgefahren.
Ursprünglich hatte ich vor, mit meiner Familie gemeinsam nach Schmiedefeld
zu fahren, um zum 1. Mal mit meinem Söhnchen ins Ziel zu laufen.
Leider war kurzfristig keine kleinkindtaugliche Unterkunft in Zielnähe
mehr zu bekommen und so entschied ich mich für die erprobte Variante:
alleinige Anfahrt direkt zum Startort. Am Freitag abend reise ich relativ
spät aus Berlin an gegen 22:30 erreiche ich die GutsMuths-Halle
(einige Schilder an der Straße weisen den Weg) und baue dahinter
auf der Wiese mein Zelt auf. Alternativ kann man sich in der anliegenden
Schule im Massenquartier eine Schlafstatt suchen. Weil es schon so spät
ist, verpasse ich die Kloß-Party ist aber als schmackhafte
Alternative zum Nudel-Carboloading durchaus empfehlenswert. In der nicht
mehr ganz gefüllten Halle spielt eine Band auf, nicht ganz mein Fall,
aber ein dunkles Bier lasse ich mir dann doch nicht entgehen. Erst recht
spät finde ich Schlaf und wache gegen 5:00 vom Geprassel des Regens
auf. Nachdem ich mehr schlecht als recht noch vor mich hingedöst
und auf Besserung gehofft habe, stehe ich kurz nach 6 Uhr auf und begebe
mich in die Halle, in der ich schnell und preiswert ein Frühstück
bekomme, also Kaffee und Brötchen. Kostenlos wird noch warmer Tee
bereitgestellt. Nachdem ich meine Startunterlagen abgeholt habe, lege
ich mich halt noch einmal hin und wirklich: gegen 8:00 klart es auf und
ich beginne mit den üblichen Laufvorbereitungen. Bei nun schon 13°
fällt die Kleiderwahl nicht schwer, ich laufe kurz. Die Kleiderbeutel
werden von jungen Helfern in Empfang genommen und auf LKWs verladen. Diese
werden am Ziel bereitgestellt, sind aber dort dem etwaigen Regen schutzlos
ausgeliefert, es empfiehlt sich daher sie wasserdicht zu verschließen.
Der Platz hat sich inzwischen merklich gefüllt und Blasmusiker aus
dem benachbarten Lichtetal spielen auf, kurz vor dem Start ertönen
Rennsteiglied und Schneewalzer, zum dem alle mit erhobenen Armen mitschunkeln.
Dann wird von 10 auf 1 heruntergezählt um 9:00 geht es endlich
los und gemächlich und beinahe ohne jedes Gedränge setzen sich
3412 Läufer in Bewegung. Zunächst geht es ein gutes Stück
bergauf, dann kann man auf gut ca. 5 km Straße locker bergab einrollen,
ehe es in den Wald und auf einen gut durchgeweichten Boden geht. Anfangs
ist die Luft noch recht feucht, aber es wird immer angenehmer, die Sonne
zeigt sich zwar so gut wie nicht, aber das hat auch seine Vorteile. Die
Vögel scheinen uns auszulachen, so laut zwitschern sie einfach
herrlich. Nach einer kleinen Ortschaft geht es wieder bergauf und nach
ca. 80 Höhenmetern und insgesamt 10,6 km erreichen wir am Dreistromstein
die erste Verpflegungsstelle. Es mag zwar etwas gewöhnungsbedürftig
sein, dass die Versorgungsstellen nicht ganz so häufig wie bei den
Stadtmarathons auftauchen, aber dafür ist die Verköstigung hier
um ein Vielfaches besser: ungekrönt aber einfach Klasse ist der berühmte
Haferschleim, den ich neben warmem Tee von nun an immer zu mir nehme,
die Geschmacksrichtungen wechseln sogar ab. Zusätzlich werden Zitronenstücken,
Bananen, Äpfel, geschmierte Brotstücken und was weiß ich
noch gereicht. An Getränken gibt es außer Tee noch Wasser,
welches offenbar leider kohlensäurehaltig ist, ich habe auch Cola
und Isodrink entdeckt. Es geht nun wieder bergab auf einem asphaltierten
Fahrweg und nach etwa 15 km beginnt der erste (zumindest für mich
als Flachländer) ernst zu nehmende Anstieg hinauf zur Turmbaude Masserberg,
gleichzeitig mit 841 m über NN der höchste Punkt der Strecke.
Gestärkt und aufgefrischt nach einer neuerlichen Verpflegung geht
es wieder hinunter, um uns gleich darauf den nächsten Anstieg zur
Schwalbenhauptwiese abzuverlangen. Der Weg bietet einige schöne Blicke
ins Land, auch wenn die Sicht heute nicht den absoluten Weitblick bereithält.
Bisher läuft es richtig rund für mich und ich freue mich schon
auf eine meiner Lieblingsstellen, den berüchtigten Hohlweg. Es ist
recht eng hier und viele Wurzeln verlangen einem einige Konzentration
und sicheres Auftreten bei starkem Gefälle ab. Der Läufer vor
mir freut sich, dass es wenigstens hier teilweise ordentlich schlammig
ist und wir ja schließlich auf einem Crosslauf wären. Ich gebe
ihm innerlich Recht, freue mich, dass ich diesmal in keinen Stau gerate.
Weiter hinten im Feld bleibt das leider nicht ganz aus, weil Überholen
auf diesem Pfad praktisch unmöglich ist. Sekunden späterkann
ich einen Schmerzensschrei nicht unterdrücken denke bei mir: Das
wars! Ich bin mit meinem rechten Fuß ungünstig aufgekommen
und umgeknickt. Ohne Schmerz kann ich schwerlich auftreten. Ich humpele
mehr schlecht als recht weiter und breche im Kopf den Wettlauf ab. Und
das bei meinem kleinen Jubiläum (5 x Rennsteig, 20 x Marathon), ich
ärgere mich gewaltig über meine Unvorsichtigkeit und überlege,
wie ich nun weiterkomme. Ich beschließe, erst mal bis zum nächsten
Sanitäter weiterzulaufen, mich in meiner Unvernunft nur sehr schwer
mit dem Gedanken anvertrauend, ein DNF hinzulegen. Leider sind am Ende
der Kehle keine Sanis zu sehen. Die freundlichen Streckenposten erklären
mir, dass sie keine Hilfestellung geben können. Also laufe ich weiter,
der erste Schmerz ist etwas abgeklungen, bergauf geht es sogar, bergab
allerdings wird es richtig unangenehm.
Es geht also in ständigem auf und ab weiter bis Neustadt, wo ich
wie die Meisten stehen bleibe und mich ausgiebig an den dargebotenen Sachen
labe. Der Besuch bei den Sanitätern verläuft nicht wie erhofft.
Da ich aber im Wesentlichen von einem Missverständnis ausgehe, möchte
ich an dieser Stelle nicht pauschal über all die vielen freiwilligen
Helfer urteilen.
Ich kämpfe mich weiter voran im Wissen, dass uns kurz nach Neuhaus
einer der beiden kurzen aber knackigen Anstiege bevorsteht, die doch die
Meisten gehend bewältigen. Am Fuß spielt uns eine Band Mut
zu. Gerade diese vereinzelt auftretenden Anfeuerungen bauen ziemlich auf.
Nachdem ich die letzten 10 km von sehr vielen Läufern überholt
wurde, was für mich mental ziemlich hart zu verkraften ist, kann
ich nun am Berg einige wieder einsammeln. Ich bin mit der Welt versöhnt,
da es mir gelingt, diesen Anstieg wie auch später den kurz vor Frauenwald
laufend zu bewältigen, auch wenn die wandernden Mitstreiter nicht
sehr viel langsamer sind. Ansonsten ziehen sich die Kilometer, es geht
vermehrt bergab. In Frauenwald bei km 37,8 ist die letzte Verpflegungsstelle
erreicht. Diesmal greife ich angesichts der verletzungsbedingt verpassten
Zeitvorstellung bewusst nach dem hier angebotenen Köstritzer Schwarzbier
(bei einem vergangenen Lauf hatte ich versehentlich einen solchen Becher
erwischt). Es schmeckt hervorragend. Aber welchen Anreiz gibt es jetzt
noch, weiter ins Ziel zu laufen, um dort den Zielbiergutschein einzulösen?
Aus sportlicher Sicht halte ich Bier 5,5 km vor dem Ziel für eher
ungeeignet, aber heute habe ich keine Probleme damit. Einige Läufer
haben inzwischen mit Krämpfen zu kämpfen. Es finden sich aber
immer schnell Mitläufer, die ihnen hilfreich zur Seite stehen. Nach
einer längeren Bergabstrecke teilweise auf unangenehmem Schotteruntergrund,
unterbrochen von kurzen Anstiegen, erreichen wir endlich Schmiedefeld.
Schon vorher schallt es vereinzelt durch den Wald, das Ziel ist nicht
mehr fern! Der letzte schwere Anstieg steht uns bevor (kaum zu glauben:
meine Uhr zeigt gerade mal 30 Höhenmeter dafür an) wir
müssen wieder hoch zum Sportplatz und beinahe den ganzen Weg hinauf
wird man angefeuert und fast alle laufen, bis im Zielbereich ein gehöriger
Lärm letzte Reserven freisetzt viele Menschen stehen rechts
und links der Laufgasse wer dies nicht genießt, ist selber
Schuld. Die Stimmung ist großartig. Mit großem Respekt bewundere
ich die Supermarathon-Läufer, die in der Nachbar-Zieleinlaufgasse
nach nur wenig mehr als 7 Stunden das Ziel erreichen. Ich mache noch ein
paar Fotos, wer will, kann diese und einige andere vom Lauf unter ww.monkeponke.de/laufen/rennsteiglauf05
ansehen und lasse mit dankbar dieMedaille umhängen. Der geneigte
Leser entschuldige bitte die Bildqualität eines Handys und die Tatsache,
ein solches bei sich zu tragen, wenn auch nur zum fotografieren.
Im Ziel bin ich einfach nur froh angekommen zu sein, ich humpele hinunter
zur Wiese, um meinen Kleiderbeutel in Empfang zu nehmen und begutachte
vor einer warmen(!) Dusche im eigens dafür gebauten Gebäude
meinen arg geschwollenen Klumpfuß. Dieses Durchlaufen mit Verletzung
sei nicht zur Nachahmung empfohlen der Rennsteiglauf aber sehr
wohl. Auch die Gespräche mit einigen Läufern bestärken
mich in meinem positiven Gesamteindruck. Wir hatten offenbar mehr Glück
mit dem Wetter als die Ultras Nebel und Regen machten den Läufern
auf dem langen Stück doch etwas zu schaffen. Zielbier, warme Suppe,
für den Trubel habe ich heute keinen Sinn. Wer will, kann sich nach
etwas Anstehen seine Soforturkunde ausdrucken lassen. Ich gehen den Berg
wieder hinunter, ich versuche die aufstrebenden Läufer noch etwas
aufzumuntern, erreiche dann den gerade eintreffenden Bus, der mich in
einer knappen Stunde zurück nach Neuhaus bringt, von wo aus ich die
Heimreise antrete.
Fazit: Ich kann diesen wunderschönen Landschaftslauf nur jedem nahe
legen, der eine entspannte Läufergemeinschaft und abwechslungsreiche
Strecke sucht und dabei auch den einen oder anderen Höhenmeter (knapp
700 bergauf) nicht scheut. Seine Grenzen kann, muss man aber nicht testen.
Wer auf Bestzeiten oder ein auf der ganzen Strecke anfeuerndes Publikum
aus ist, der wird hiernicht glücklich. Ich bin bestimmt im nächsten
Jahr wieder dabei!
Henning Darowski
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