Testläufer berichten vom 2. Medien-Marathon München am 14. 10. 2001

2. Medien-Marathon München 2001

Für running-pur waren Testläufer bei dieser Veranstaltung unterwegs. Sie sammelten Eindrücke, blickten hinter die Kulissen, um Ihnen, lieber Leser, ein Bild von der Qualität, dem Ambiente und der Stimmung zu verschaffen.
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VORBERICHT VON ANTON LAUTNER über den Medien-Marathon
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Hallo liebe Lauffreunde,
vielen Dank erst mal dem running-pur-Team, dass sie mich als Marathon-Tester des Medien-marathon in München ausgesucht haben. Hier ein kurzer Vorabbericht:
In der Vorbereitungszeit habe ich im Schnitt 70 bis 100 Kilometer pro Woche gemacht. Die letzten zwei Wettkämpfe sind ganz gut gelaufen und hier möchte ich doch ein bischen dafür werben. Am 30.09. fand der Reisberglauf in Gaimersheim (das liegt wenige Kilometer nordwestlich von Ingolstadt) über 14 Kilometer (für Frauen die Hälfte) hügelauf und hügelab statt. Dies war der letzte Lauf des Sport-IN-Laufcups statt. Der Cup bestand in diesem Jahr aus acht Veranstaltungen, wofür für die Gesamtwertung fünf Läufe benötigt werden. Die acht Veranstalter sind alle max. im 20-Kilometer-Umkreis von Ingolstadt entfernt und haben eine Beteiligung bis 400 Teilnehmer. Sport-IN hat diesen Cup vor mehreren Jahren ins Leben gerufen. In diesem Jahr ist der Zuwachs deutlich in die Höhe geschnellt, nicht zuletzt durch den im Mai stattgefundenen 1. Ingolstädter Halbmarathon (Termin 2002 am 27.04.) mit einer Rekordbeteiligung von gut 2500 Läufern. Die Cupwertung nebst Bildern von den Wettkämpfen sind unter www.sport-in.net einsehbar. Das war ein toller Service für uns Läufer.
Mein letzter Wettkampf ging über die Halbmarathonstrecke in Furth im Wald am 07.07. Dieser Ort ist, wie der Name vermuten läßt, an der Grenze zu Tschechien. Die Besonderheit dieser Veranstaltung liegt darin, dass der Veranstalter die Halbmarathonis per Bus über die Grenze in die Partnerstadt Domazlice chauffiert, wo der Stadt erfolgt. Die Strecke führt dann durch die Wälder des Böhmer- und Bayerischen Waldes nach Furth zurück. Selbst ein kleines tschechisches Dörfchen mit dem biblischen Namen Babylon wird durchquert. Für die eingebauten 300 Höhenmeter sollte man sich die Kräfte gut einteilen, da im letzten Drittel doch die schwersten Steigungen enthalten sind. Für weniger erfahrene Sportler gibt‚s auch Strecken über zehn und fünf Kilometer. Veranstalter sind neben Sportvereinen aus beiden Städten beide Stadtverwaltungen. Auskünfte gibt‚s über die Tourist-Information Furth im Wald, Schlossplatz 1, 93437 Furth im Wald (Tel. 09973/509-80; FAX 509-85).
Doch nun zum Medienmarathon: Vorbereitet auf den langen Kanten bin ich, denke ich, schon. Ich wünsche uns allen, dass sich am Sonntag ein friedvolles Lauferlebnis mit guter Organisation unter weiß-blauen Himmel entwickeln wird. Für den Testbericht werde ich mir die Strecke und das ganze Drumherum genau anschauen. Allen, die am 14.10. in München oder anderswo einen Marathon unter die Laufsohlen nehmen, wünsche ich viel Glück und dass sie das Ziel wieder gesund erreichen werden.
Euer Tester
Anton Lautner


BERICHT VON ANTON LAUTNER über den Medien-Marathon
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Hallo liebe Marathonfreunde,
hier folgt mein ³Testergebnis„ des Medienmarathons in München. An dieser Stelle will ichrunning-pur für den ermöglichten Lauf in unserer bayerischen Landeshauptstadt danken.
Nudelparty/Marathonmesse (13.09.2001):
Bereits innerhalb München ist die Zufahrt zur Marathonmesse (Alte Messe München unweit der Theresienwiese) ausgeschildert, so dass man sich nicht mittels Stadtplan orientieren muss. Die Ausgabe der Startunterlagen war vom Veranstalter gut organisiert. Durch die Vielzahl der Helfer mussten die Marathonis nie mehr als zwei bis drei Minuten warten. Auch die Ausleihe der Chips ging problemlos vonstatten, es wurde sogar noch ein ³Gegencheck„ der persönlichen Daten vorgenommen, um evtl. Fehler möglichst gering zu halten. Die Startertüte enthielt neben der Startnummer einen Nudelgutschein, diverses Werbematerial, zwei Fragebogen einer orthopädischen Klinik, einer Sonderveröffentlichung der Süddeutschen Zeitung, die Starterinformationen und ein Snack mit Nüssen und Trockenfrüchten. Sogar ein Schwamm fand sich in der Tüte, den könnten wir morgen brauchen, denn nach eventuellen Nebel am Morgen wird es um die Mittagszeit ziemlich warm werden.
Bei der Nudelparty, laut Ausschreibung jogg.brunch genannt, gab es ein schmackhaftes Nudelgericht in drei Variationen. Auch hier ohne Wartezeiten. Das Platzangebot für die Einnahme der für den morgigen Tag wichtigen ³Henkersmahlzeit„ war großzügig bemessen.
Die Marathonmesse bot von diversen Herstellern allerlei Laufsportartikel. Verschiedene Reisebüros und Laufveranstalter aus Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien informierten über anstehende Events in diesem oder im nächsten Jahr. Eine nette Geste bot der Südtiroler Marathon (Bozen): Hier wurde original Südtiroler Speck (wir sagen dazu Geräuchertes) und Wein zum Verkosten gereicht!
Eine kleine Kritik will ich jedoch anbringen: Die Beleuchtungsverhältnisse in der Halle waren mir zu düster, es war somit nicht so hell, wie wir es von anderen Veranstaltern gewohnt sind. Vielleicht machte es auch die strahlende Sonne im Freien aus.
medien.marathon münchen (14.10.2001)
Die Anfahrt zum Start im Olympiagelände gelang über den Mittleren Ring problemlos. Die Einweisung in die Parkplätze an der Parkharfe ging schnell vonstatten. Nach einer kurzen Orientierung(-slosigkeit) fanden wir den richtigen Weg zur Zentralen Hochschulsportanlage, wo die Läufer Ameisen gleich in die verschiedenen Richtungen wuselten (Kleiderabgabe, Toiletten etc.). Eine kleine Verbesserungsmöglichkeit fanden wir aber, da die Ausgabe der Startnummern am Starttag nicht in der Hochschulsportanlage, sondern am Coubertinplatz stattfand. Mehrere Läufer suchten die Ausgabe am Zielort. Es wäre vielleicht besser, dies gleich am Zielort zu erledigen, da hier auch die Kleiderabgabe stattfand.
Einen Kritikpunkt habe ich jedoch anzubringen: Zur Kleiderablage gelangt man nur durch eine Tür, welche nur einen ³Einbahnverkehr„ pro Richtung zuließ. Um seine Siebensachen abzulagern, musste man schätzungsweise zehn Minuten (vielleicht auch mehr) anstehen, um durch dieses ominöse Hindernis zu gelangen. Da ich annehme, dass man auch über die Rückseite des Gebäudes zur Ablage kommen konnte, würden evtl. Hinweisschilder oder Helfer die unangenehme Situation entschärfen. Als wir uns etwa 20 Minuten vor dem Start auf den Weg zum Spiridon-Louis-Ring machten (10 Minuten Gehweg), stand noch eine dichte Läufertraube mit Kleidersäcken vor dem Eingang. Eine Arbeitskollegin von mir, die einmal bei einen Marathon zuschauen wollte, berichtete mir von mehreren Läufern, die 15 Minuten nach dem Startschuß dem Feld hinterhersprangen! War die Ursache die zu schmale Tür?
Der Start war pünktlich um 09.00 Uhr auf dem Spiridon-Louis-Ring neben dem Olympiastadion. Die Aufstellung geschah ohne feste Einteilung in Startblöcke. Man appellierte an den Verstand der Teilnehmer sich anhand des eigenen Leistungsvermögen richtig anzustellen. Das klappte ganz gut. Positiv war auch, dass der Veranstalter mehrere Zeitläufer zur Verfügung stellte. Mit etwa drei Minuten ³Verspätung„ überquerte ich mit der Vereinskollegin Martina, die sich zum ersten Mal dem Abenteuer Marathon stellte, die roten Matten. Die Wertung (Real-Time-Champion-Chip mit 10 DM Leihgebühr) funktionierte tadellos.
Zur Strecke: Nach einem Schlenkerer durch den Olympiapark mit vielen Zuschauern erreichten wir mit Kilometer sechs die mondäne Leopoldstrasse. Erstes Highlight war für uns das Siegestor. Es ist dem Konstantinsbogen in Rom nachgebildet, bekrönt von einer Bavaria mit Löwenquadriga. Friedrich von Gärtner hat das Bauwerk 1843 begonnen und sein Schüler Eduard Metzger hat es 1850 vollendet. Den Läufern bot sich hier ein schöner Durchblick zur Ludwigs- und Theatinerkirche.
Mit Kilometer neun erreichten wir den Königsplatz: Diesen Ort konzipierte König Ludwig I. mit seinen Architekten Leo von Klenze. Bauten des Klassizismus wie die Glyptothek, die staatliche Antikensammlung mit seinem wuchtigen Portal und die Prophyläen ließen uns immer wieder links und rechts der Strecke schauen.
Am Karolinenplatz (Kilometer zehn) sahen wir den Obelisken, den Leo von Klenze 1833 als Denkmal für die 30000 in napoleonischen Russlandfeldzug gefallenen Bayern geschaffen hat. In diesem Streckenteil begegnete sich das Läuferfeld mehrmals.
Es ging wieder auf die Ludwigstrasse bei Kilometer zwölf. Kurz danach erreichten wir den Odeonsplatz. Zur linken sahen wir das Reiterdenkmal für Ludwig I., das Max Widnmann 1862 ausführte. Geradeaus befindet sich die Feldherrnhalle, ein klassizistischer Hallenbau nach florentinischem Vorbild. Jetzt mussten wir schnell rechts schauen, denn da befindet sich die Theatinerkircher St. Kajetan, die im italienischen Hochbarock errichtet und im Rokoko vollendet wurde. Sie gilt als ein Wahrzeichen von München. Das merkten wir auch am Zuspruch und Applaus der Zuschauer, die uns unmerklich angetrieben haben.
Am Marienplatz (Kilometer dreizehn) grüsste uns das Neue Rathaus und die Mariensäule. Das Rathaus wurde von Architekt Georg von Hauberrrisser von 1867 bis 1908 erbaut. Für das Glockenspiel im Turmerker waren wir leider zu früh dran. Einen Kilometer weiter tangierten wir das Sendlinger Tor, welches eines der drei erhaltenen Tore der weitgehend verschwundenen Stadtbefestigung darstellt. Das Tor stammt aus der zweiten Befestigung Münchens unter Kaiser Ludwig dem Bayern um 1318.
Mit Kilometer fünfzehn erreichten wir das Deutsche Museum auf der Museumsinsel. Eine Besichtigung ist zu empfehlen. Gleich links zu Beginn der Rosenheimer Strasse befindet sich das Müllersche Volksbad, welches vom dem Münchner Bürger Karl Müller spendiert und von Karl Hocheder 1897 bis 1901 im Jugendstil erbaut wurde. Es folgte eine kleine Steigung zum Kulturzentrum am Gasteig, ein moderner Musentempel für alle Künste, u. a. Musikveranstaltungen mit den Münchner Philharmonikern.
Weiter führte die Strecke durch Haidhausen. Hier leider nur wenig Zuspruch am Gelände des Ostbahnhofs. Berg am Laim, Baumkirchen, Steinhausen, Arabellapart und Englschalking (Kilometer 24) waren die weiteren Stationen. Auf diesem Teil ist besonders an den U- und S-Bahnhöfen vermehrtes Zuschaueraufkommen festzustellen. Meine Vereinskollegin Martina hielt weiterhin den Fünf-Minuten-Kurs (pro Kilometer). Das machte mich etwas nachdenklich. Hoffentlich ist das ihr nicht zu schnell.
Durch Bogenhausen gings mit Schwung die Montgelasstrasse hinunter, über die Isar hinweg und hinein in die Grüne Lunge Münchens, den Englischen Garten (Kilometer 28). Zahlreiche Zuschauer (vom Chinesischen Turm?) feuerten uns an. Ein Schild mit der Aufschrift ³Thomas QUÄL DICH„ galt einem Mitläufer. Der Englische Garten ist ein Werk eines Amerikaners: Benjamin Thompson hat ihn zu Beginn des 19. Jahrhunderts erschaffen.
Kilometer 34führte uns wieder nach Schwabing. Hier wurde die Anfangsstrecke in entgegengesetzter Richtung durchschritten. Ein kürzeres Pendelstück (Kilometer 38) war noch mal etwas fürs Gemüt. Schnell führte dann der Weg ins Olympiagelände. Kilometer 40 bot einen schönen Anblick am Willi-Gebhardt-Ufer über den Olympiasee zum Olympiaturm, Stadion und zum großen Zeltdach. Bei der Überquerung des Georg-Brauchle-Rings jammerte noch ein Läufer über die Steigung. Ihm wurde meinerseits entgegnet, dass auch sein innerer Schweinehund zu seinem Recht kommen wollte. Kurzes Gelächter! Am Zielgelände liefen wir noch vorbei, doch nach einer scharfen Rechtskurfe und einer Unterführung fanden wir uns plötzlich auf der Tartanbahn wieder. Applaus der Zuschauer und musikalische Unterstützung durch Bayern 3 trugen uns auf den letzten 300 Metern zum Zielstrich. Geschafft! Und das unter drei Stunden dreissig! Für die Marathon-Novizin Martina ein klasse Ergebnis.
Im Zielbereich erhielten wir als erstes eine Medaille mit einem schönen Münchner Motiv umgehängt. Wasser, Elektrolyte, Red Bull (das mag ich überhaupt nicht), Bananen und Müsliriegel halfen, das körperlichen Wohlergehen wiederherzustellen. Bei der Massage (großzügiges Platzangebot) musste man nur ein wenig warten. Heisse Duschen halfen auch zur Regeneration. Die Rückgabe der Chips, Ausgabe der Voraburkunden sowie das Gravieren der Medaillen (5,00 DM) ging verhälnismäßig zügig voran. Die farbige Ergebnisbroschüre mit der persönlichen Urkunde soll innerhalb acht Wochen im Briefkasten landen. Mit der Nettozeit von 3.28.23 Stunden sind wir absolut zufrieden. Es ist uns sogar gelungen, auf der zweiten Hälfte eine halbe Minute schneller zu sein als auf der ersten.
Ein Blick auf die Webpage des Veranstalters zeigt mir beim Verfassen dieses Berichtes, dass 6223 Teilnehmer (Rekord!) sich auf die Spuren des Spididon Louis begaben. Das war ein Grieche, der 1896 bei den Olympischen Spielen in Athen den Marathon gewann. Sieger wurden Andrej Naumov (Ukraine) in 2.13.56 und Valentina Delion (Moldawien) 2.43.41. Zu guter Letzt ein Lob an den Veranstalter für das gelungene Event. München ist eine Reise wert, besonders bei weiss-blauen Himmel wie heute.
Servus
Anton Lautner


BERICHT VON MARTIN SCHÖLL über den Medien-Marathon
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Bericht von Martin Schöll, Testläufer München Marathon 2001
Erst mal vielen Dank, daß ich als Testläufer für den 2. Medien Marathon von München, am 14.10.2001, ausgewählt wurde. Im letzten Jahr startete ja nach vier jähriger Pause wieder ein Marathon in München. Es gab zum Teil negative Kritiken im Bezug auf Streckenverlauf, Publikum und Versorgung der Läufer.
Eins vorweg, alle diese Punkte wurden in diesem Jahr verbessert. Aber von Anfang an. Auf einer überschaulichen Messe nahm ich meine Startnummer in Empfang. Die Läufertüte war nicht besonders umfangreich ausgestattet ( eine kleine Knabberprobe und sonst jede Menge Werbematerial), aber das muß ja auch nicht sein.
Am Sonntag fuhren wir zum Start in der nähe des Olympiastadions. Hier profitiert der München Marathon von der herrvorragenden Infrastruktur des Olympiageländes. Die Startnummer berechtigte die Teilnehmer zur kostenlosen Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel ( hier könnte Berlin noch was lernen). Den Startbereich hatte ich schnell gefunden und ich reite mich bei den 4 Stunden Läufern ein. Das war mein Ziel, da ich 14 Tage vorher schon in Berlin am Start war und dort meine Bestzeit auf 3:27 Stunden verbessert hatte. Pünktlich um 9:00 Uhr gings los. Der Startbereich war für die etwa 6200 Starter fast schon etwas eng und Toiletten hätte es auch ein paar mehr geben können. Bei perfektem Laufwetter von 13 Grad machte sich das Feld auf den Weg in Richtung Schwabing. Die Verpflegung auf der Strecke war wirklich bestens organisiert. Alle 2,5 KM gabs Wasser und Iso Getränke, die von ausreichend vielen Helfern gereicht wurden. Besonders gut waren O2 Wasserflaschen, die das Trinken und das Nachfüllen der Getränkegürtel sehr erleichterten. Ab KM 25 gab es dann zusätzlich noch Riegel und Bananen. Ich persönlich fände es sinnvoller bereits ab KM 15 mit fester Nahrung anzufangen.
Als ich dann bei KM 10 die Münchener Stadtmitte erreichte, machte ich mein erstes positives Erlebnis mit dem Münchener Publikum. Tolle Stimmung und viele Leute, ganz anders als erwartet. Der Streckenabschnitt zwichen KM 18 und KM 22 im Industriegebiet um den Ostbahnhof ist relativ unspektakulär. Bei 1:58 Stunen passierte ich die Halbmarathon Marke. Ich lag also bestens im Plan für meine angepeilten 4 Stunden. Inzwischen hatte die Sonne den Nebel verdrängt und die Temperaturen wurden langsam wärmer. Durch Bogenhausen ging es in Richtung Englischer Garten. Auch hier bei KM 30 war wieder tolle Stimmung. Die Bäume spendeten wichtigen Schatten gerade beim Knackpunkt KM 32. Der Mann mit dem Hammer hatte mich bis jetzt verschont und ich machte mich auf die letzten sechs Kilometer
(identisch mit den ersten sechs). Jetzt kam ein hartes Stück für viele Läufer, denn bis KM 40 gab es kaum Publikum, die Temperatur war auf 22 Grad angestiegen und die Teilnehmer mussten noch eine kleine Schleife bei KM 38 laufen. Hier brauchte der Veranstalter wohl noch dringend zwei Kilometer. Ab KM 40 konnte man das Ziel im Hochschulstadion bereits sehen und hören, das motivierte. Ausserdem waren jetzt auch wieder mehr Zuschauer an der Strecke. Ich lief ins Stadion ein und legte die letzten 300 Meter auf der Stadionbahn zurück. Geschafft, 3:56 Stunden !! Die Verpflegung im Ziel war bestens und ich machte mich auf die Suche nach dem Meetingpoint. Schilder gabs genügend für Massage, Erste Hilfe, Duschen, Kleiderrückgabe, aber wo war nur der Meetingpoint? Ich fand ihn einfach nicht und es konnte mir auch keiner sagen. Es gab ihn aber, meine Frau hatte ihn gefunden und berichtete mir, daß er viel zu klein und versteckt war.
Als Fazit bleibt festzuhalten. Der Medien Marathon ist auf dem besten Weg einer der großen deutschen City Marathons werden zu können. Etwas mehr Platz im Zielbereich, bessere Beschilderung und vielleicht ja ein Zieleinlauf im Olympiastadion ( da war nämlich keine Veranstaltung) und es gebe nichts mehr


BERICHT VON INGO BECKER über den Medien-Marathon
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"Na ja, von optimaler Vorbereitung kann man sicher nicht sprechen, aber um meinen Bruder auf eine neue Bestzeit zu ziehen, müßte es schon reichen." So hatte ich mir das jedenfalls gedacht. Aber manchmal kommt eben alles ganz anders...
Wegen eines Familienfestes können wir (meine Frau, meine beiden Söhne - 6 und 10 Jahre alt - und ich) erst am Samstag abend nach München anreisen. Mein Bruder, der in München wohnt, hat bereits die Startunterlagen besorgt. Das einzig ärgerlich daran ist, daß er mir auch einen Chip kaufen mußte. Selbst stundenlanges Suchen hat meinen Chip zu
Hause nicht mehr zu Tage befördert. Ich bin mir fast sicher, daß er irgendwann noch einmal in einem der unzähligen Verstecke auftaucht, in denen mein kleiner Sohn seine Schätze "aufzuräumen" pflegt.
Der Sonntagmorgen ist noch nicht einmal neblig - das wird warm heute. Die U-Bahn ist spätestens ab Marienplatz voll. Schon in der U-Bahn treffe ich die ersten Bekannten. Im Olympiagelände sind die Wege weit. Zum Umkleiden und zur Kleiderabgabe gehen wir einfach der Masse nach. Kurz ausziehen - die beigelegte Plastikfolie zum Wärmeschutz braucht man schon vor 9 Uhr heute morgen nicht. Jetzt kommt es zu einem der wenigen wirklich verbesserungsbedürftigen Punkte an dieser Veranstaltung: Vor einer ca. 3 m breiten Tür drängeln sich Hunderte von Läufern, die ihren Kleidersack loswerden wollen. Uns wird es bald zu lang, und wir legen unsere Beutel einfach an einen markanten Punkt nahe am Ziel. Auch der Weg zum Start ist relativ lang, man geht doch über 10 Minuten. Die Startaufstellung ist Routine - auffällig ist aber, daß der Start auf dem Spiridon-Louis-Ring sehr eng
ist - aber wo ist ein Start besser aufgehoben als auf einer Straße dieses Namens... Startschuß von OB Ude - nach wenigen Sekunden sind wir auch über die Matte gelaufen, nun läuft auch die Zeit für uns. Erstaunlicherweise gibt es wenigstens in unserem Bereich kein Gedränge und die ersten Kilometer gehen in einem 4:45-er Schnitt ab, genau wie geplant.
Bei km 7 kurz vor dem Odeonsplatz steht meine Familie, meine Frau reicht mir mein Getränk und läuft ein paar Meter neben mir her. Das klappt ja alles hervorragend. Kurz nach der nächsten Rechtskurve kommt uns die Spitze entgegen. Riesenabstände zeigen, daß hier nur wenige echte Spitzenläufer am Start sind. Nach ca. 3,5 km kommen auch wir wieder von
dieser Schleife zurück, wieder klappt der Treffpunkt mit der Familie reibungslos. Kurz darauf treffe ich einen Bekannten aus meinem Dorf. Ich flachse noch (im Gefühl, ihn deutlich im Griff zu haben), ob wir wohl eine Dorfmeisterschaft laufen heute...
Weiter geht es wie geplant, immer in einem Schnitt zwischen 4:40 und 4:48. Ruhige Passagen wechseln immer wieder ab mit Plätzen, an denen viele Zuschauer stehen, so daß man immer etwas Abwechslung hat. Nicht ständiger Trubel wie in Berlin aber auch nicht die "tote Hose" wie bei früheren München-Marathons. Mein Bruder sieht immer wieder Bekannte an der Strecke. Und ich? Ab km 25 merke ich, wie die Schmerzen in der Bauchmuskulatur und im rechten Oberschenkel, die mich schon beim Défi-Val-de-Travers im August zur Aufgabe gezwungen hatten, wieder kommen. Bei km 32 ist mein Bruder völlig überrascht, als ich ihm sage, er müsse jetzt alleine weiterlaufen. Ich schleppe mich noch bis km 34,
wo wieder meine Familie wartet. Ich will aussteigen. Meine Frau redet mir gut zu, und so stehe wieder auf und "laufe" die nächsten 8 km nach Hause - und das bei sommerlicher Hitze. Diese 8 km möchte ich am liebsten aus meinem Gedächtnis streichen. Ich schleppe mich schließlich mit einer völlig indiskutablen Zeit ins Ziel, und bin nur niedergeschlagen und deprimiert. Das Zielgelände im ZHS-Stadion bringt eine dichte Atmosphäre und ist bei diesem Wetter wirklich ein stimmungsvoller Abschluß des Marathons (so man ihn denn genießen kann). Bei 2000 Läufern mehr wird es hier allerdings eng...
Mein großer Sohn leiht mir seinen City-Roller, so daß ich den Weg zur U-Bahn nicht laufen muß. Auf diesem Wege und somit quasi auch ganz öffentlich: Nochmal ein "Danke schön" an meine Frau und Kinder, ohne die wäre ich heute noch nicht einmal angekommen!

Ein Fazit in Kurzform:
Organisation: Sehr gut (bis auf die Kleiderabgabe, s.o.) Strecke: Etwas eckig, besonders Richtung Ziel. Die erste Hälfte durch die Stadt ist sehr schön und zuschauerfreundlich gelegt. Sicher keine Bestzeitenstrecke, aber trotzdem lohnenswert. Zuschauer: so wie ich es mag - nicht ständig Trubel, aber auch nicht nur tote Hose.
Verpflegung: Wasserstände und Verpflegungsstände sind gut organisiert und immer gut platziert.
Start: etwas eng, aber trotzdem erstaunlich staufrei.
Ziel: gute Atmosphäre, nicht so improvisiert wie im letzten Jahr
Für Start und Ziel gilt: bei 2000 Teilnehmern mehr wird's wirklich eng!
Alles in einem Satz: München ist marathonmäßig wieder eine Reise wert!
Ingo Becker


BERICHT VON DOROTHEA MÖLLER über den Medien-Marathon
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„Glockenklang zum Alm- Abgang“ oder „Wer keinen Mut zumTräumen hat, hat keine Kraft zum Kämpfen“


Das also ist ein Marathon...
Ohne nennenswertenMuskelkater, noch immer tief im Glücksrausch (aus den verschiedensten Gründen,aber dazu später ...) und hoch motiviert, dieses Hobby zum festen Bestandteilmeines Lebens werden zu lassen will ich nun, einen Tag nach dem großen Eventmeine Eindrücke vom „2. Medien- Marathon- München“ schildern.

Schon im Flieger RichtungMünchen überkommt mich ein eigenartiges Gefühl aus Abenteuerlust, Kampfesmut,Vorfreude, aber auch Selbstzweifel machen sich breit. Nicht nur, dass dies dererste Marathon meines Lebens werden soll, sondern auch die Motivationsgründeund die Tatsache, dass ich in einer mir völlig fremden Stadt bei mir mehr oderminder gut bekannten Freunden zu übernachten gedenke, stimmen mich ein wenigungewiß. Aber – was haste denn schon zu verlieren?
Seit zwei Tagen plagt michauch ein diffuser Schmerz im linken zweitkleinsten Zeh – irgendetwas, das mitdem Nagel zu tun hat. Das stimmt nicht unbedingt zuversichtlich, aber ich sagemir, dass da ja noch 9 andere Zehen sind, die das Rennen dann unter sichausmachen können...

Der „weiße Albatros“ derLufthansa erhebt sich majestätisch in die Lüfte, ich presse mich regenHerzschlages in die ledernen Sitzpolster und halte die Luft an – ein letzterBlick über die heimischen Weiten unter mir, dann hebe ich den Blick hinauf indie Wolken ... soll „er“ doch machen, wie er es vorausgeplant hat, ab jetzt hatmich mein Schicksal, ich füge mich wehrlos in die Dinge, die meiner harren ...
Mit leicht „zappelndemFlügelschlag“ gleitet die Maschine auf den schon aus der Vogelperspektiveungleich größeren Landeplatz des Münchener Flughafens, erleuchtet in deroffensichtlich warmen, strahlenden Herbstsonne – wenn das kein gutes Zeichenist! Mit einer Stunde Verspätung (aufgrund der schlechten morgendlichenSichtverhältnisse, es herrschte wohl starker Nebel auf dem MünchenerFluggelände) bin ich nun in derHauptstadt des mir noch recht unbekannten südlichsten BundeslandesDeutschlands, Bayern, gelandet. So herzlich vom Altweibersommer begrüßt, packeich klopfenden Herzens meine Koffer und beschließe, umgehend in die Innenstadtzu brausen, um Startnummer, Chip und der gleichen in Empfang zu nehmen undsomit den kommenden Tag, also Samstag, ganz zu meiner freien Verfügung zuhaben, denn viel Zeit wird mir nicht bleiben für meine Mission ...

Aufgrund der detailliertenBeschreibung des Weges zur Marathonmesse und der gut positionierten Hinweisschilderfinde ich die Messehalle schnell und stürze mich in das aufgeregt vibrierendeGetümmel aller mir „beintechnisch Gleichgesinnter“ – zwar anfänglich ein wenighinkend (wegen des vermalledeiten Zehs) – aber bald schon im Rausch derVorfreude auf das bevorstehende Event gefangen und von jeglichem Schmerzgefühllosgesagt. Ein wenig hin und her gerissen, ob ich mich nun über das herrlicheWetter freuen soll, oder lieber ärgern, da ich noch einen Tag vor der Abreisemein so gut wie letztes Geld für eine warme (!) Laufweste geopfert habe, steigeich in die mit „Diadora- Tüten- Behangenen“, also offensichtlichenMitbestreitern des Marathons, überfüllte S-Bahn Richtung Hauptbahnhof, ummeinen Weg nach Ingolstadt fortzusetzen. Ein letzter Blick, ein freundschaftlichesLächeln von Läufer zu Läufer und man geht, dem „großen Tag entgegenfiebernd“,seiner Wege ...

Nach anderthalb Jahrenspärlichen Kontakts per Mail oder Brief (von nicht zu unterschätzendemSeltenheitswert) erkennen Agnes (meine Freundin und „München- Bekanntmacherin“,kennen gelernt beim Semper- Opern- Workshop in Dresden, 2000) und ich unssofort wieder, das freudige, den Bahnhof überschallende Begrüßungslachenspricht für sich.

Nach einer für „fremdeBettverhältnisse“ guten Nacht beginnt der Samstag zwar erst gegen 12.00 Uhr,aber Schlaf ist ja auch sehr wichtig und ich verdränge somit das aufkeimendeschlechte Gewissen, den wiederum herrlich sonnigen Samstagmorgen schlichtweg„verpennt“ zu haben, springe mit Windeseile in meine Sachen, packe die Kofferund übe mich erneut im „Bankdrücken“ der S-Bahnsitze im Zug Richtung München„Lindwurmstraße“, wo ich die kommende Nacht gemeinsam mit Agnes bei einemFreund ihrerseits, Stefan, verbringen soll, um mir die lange Fahrt vonIngolstadt zum Olympiapark am Marathonmorgen zu ersparen.

Ehe ich jedoch mein neuesQuartier aufschlage, gilt es den wahren Auftrag meiner Reise, den „humanitärenEinsatz meiner selbst“ im Kampfe um das „eigene Ich“, zu erfüllen, denn dieZeit läuft ...
Mein eigentlicher Wegweiser,das Ziel meiner einjährigen Laufmotivation, der Ansporn jeder Muskelanspannungsollte – laut meiner „Onlinespionage“ noch Student an derBundeswehruniversität, und demzufolge per S- Bahn bzw. per pedes in Neubibergerreichbar sein - natürlich unwissend ob dem Besuch, der sich nun in Formmeiner, hoffentlich von unendlich lauffeurigen Beinen getragenen,herzklopfengepeinigten Aufregung offenbaren sollte ....
Eine Station vor meinem Zielausgestiegen, um mich – „der Fairness halber“ - per Anruf anzukündigen, bin ich nicht mehr Herr meiner zittrigenFinger und verschiebe das Anrufen auf später, also genau eine Bahnstationweiter ... (!) Dort angekommen mangelt es mir leider an jeglicher Orientierung,ein Fakt, der mich nun zwingt, „Hand anzulegen“ und erneut den Versuch einesAnrufes zu wagen – ein geglückter!


Trotz gastfreundlichsterAufnahme im feiernden Geburtstagskreis des Freundes meiner Freundin, die extraum mir eine geruhsame Nacht zu ermöglichen um 22.00 Uhr das Haus verlassen undzu viert quer auf einem Doppelbett schlafen, (die Füße auf dahintergestelltenStühlen aufgrund der körperlichen Überlänge) so dass ich die Gästeliegebeschlagnahmen kann, sorgen diverse Hormon- und Endorphinwallungen in meinemBlut dafür, dass an wirklichen Schlaf nicht zu denken ist. So steh ich dannauch schon 6.30 Uhr auf meinen heute so mit Verantwortung überhäuften Füßen,würge mit Ach und Krach und gutem Zureden mein Frühstück herunter, werfe einehoffentlich beflügelnde Vitamin- C- Pille ein und kippe den „Guten- Morgen-Tee“ (*g*) mit lässigem Schwung in meinInneres. Der Magen murrt kurz, trollt sich jedoch nach kurzem Protest und fügtsich in seine Nebenrolle, die ihm heute nun mal nur zuteil werden wird.
Von einem angenehm warmenKribbeln als zum Körper gehörend erkannt, folgen meine zwei „Laufwerkzeuge“ demNachrichtenkommando aus Groß- und Kleinhirnzentrale und „wir“ verlassen dasHaus.
Auf zum Kampf!

Nach kurzer Bahnfahrt ordneich mich in den Fluß aus trinkflaschenbeladenen, „Champion- Chip- geschmückten“und dem vom fiebrigen Läuferblick verklärten, dahinwogenden Meer aussportsachentragenden (vermeintlichen Leidens-) genossen und werde prompt amEingang zur Kleiderabgabe unsanft gestoppt, da man sich hier durch eine ausunersichtlichen Gründen nur einseitig geöffnete Zweiflügeltür quasi wie durchein Nadelöhr drängt. Das lässt sich bestimmt verbessern!
Eine Anfängererkenntnisweiter bin ich bald darauf, als ich der gelben Diadoratüten gewahr werde, diesich einige Läufer schlauerweise über die eigentliche Laufkleidung gezogenhaben, um so vor dem Start warm zu bleiben und im Massengedränge beim Beginndes Laufs keine persönlichen Sachen liegen lassen zu müssen. Und ich hatte michschon gefragt, wozu ein „gelber Sack“ in der Startertüte lag ...!

Nach anfänglichem Suchen undleicht gereizter Nervosität unter allen, die sich ihrer Kleidertüten noch nichtentledigen konnten, geht’s nun auf zum Start, hinweg über die Autobahnbrücke,einen kleinen Wiesenhang hinab. Kurzer Blick über die wogende Startermenge, einunsicheres Stirnrunzeln mit anschließendem Entschluß, mich im vorderen Feld desletzten Drittels einzuordnen - als Erststarter und Jäger einer Zeit um 4.30 h.Eine gute Entscheidung, wie sich beim um fünf Minuten verspäteten Start gleichherausstellen sollte.
Der glückliche Umstand, vonAnfang an mein Tempo ohne Drängeln oder Hasten laufen zu können und dabei beiweitem nicht zu den letzten zu gehören, hat sicherlich auch entscheidend zumerfolgreichen Bestehen meiner Premiere beigetragen. Es gelingt mir, vom Startweg meinem Vorsatz, ausschließlich durch die Nase zu atmen, gerecht zu werden –mit kurzzeitigen Ausnahmen während der Trinkeinheiten und vom Schlusssprinteinmal abgesehen.
Die erste Brücke, unter derdas Feld der Laufschuhträger hindurchwogt, ist noch beladen mit jubelndenLaufanhängern – so gestärkt, sieht man mutig dem Kommenden entgegen. Mir geht’sgut, „es läuft“ wie am Schnürchen, und ich klammere mich an die mit jedemSchritt tiefer ins Herz sinkende Hoffnung, „ihn“ im Ziel zu sehen;durchzukommen, denn „Durchkommen ist Siegen ... !“ – sein Wort in meinem Ohr...

Ludwigsstraße und Siegestornehme ich war, wie es sich gehört – mit dem Gefühl des Siegers, des Bewältigersungeheurer Strapazen und gebe mich hin dem aufputschenden Anfeuern desPublikums am Karolinenplatz bzw. Ludwigsplatz. Diese Lauflust genieße ich biszum Marienplatz, das Publikum ist zwar nicht in Heerscharen erschienen, aberdie Treuen, die zu uns halten, sind aufrichtigen Herzens bei der Sache. Musikist jedoch arg spärlich dosiert und ich beginne prompt ab Kilometer 17 anEntzugserscheinungen zu leiden – als alter „Walkmanhase“ lechze ich mehr nach einer flotten Melodiedenn nach einem Becher Wasser! Aber ich hätt’ es mir ja denken können, nach demBericht über den 1. Medien- Marathon und der Tatsache, dass ja schon imInternet nur von 8 Gruppen die Rede war ... Also gebe ich mich der Folter hinund denke, im 2. Teil der Strecke wird sich das schon ändern, und da brauchtman’s ja schließlich erst wirklich...

Stattdessen konzentriere ichmich auf die Unterhaltung zweier Herren knapp hinter mir, die darüberdiskutieren (alle Achtung, schließlich laufen die ja dabei noch!), ob sie beidem momentanen Tempo die Strecke in 4.30 h schaffen werden – man hat seineZweifel, ist sich jedoch sicher, für 5.00 h wird’s reichen.
Ein Blick auf meine Stoppuhrverrät mir, dass ich gut in der Zeit bin, jedoch auch keine großen Reservenoffen sind.
Ich beginne mit mir zuringen:
Was will ich? Durchkommen?Unter 4.30 h? Ist das utopisch für den 1. Marathon? Will ich mir was beweisen?- Habe ich diese Gedanken nicht schon alle verbannt? Wollte ich nicht einfachlaufen, ins Ziel kommen als oberste Priorität? Scheiß verfluchter Ehrgeiz, haltdein kläffendes Mundwerk und lass mich laufen, mehr nicht!

Ich beschließe, mich wiederauf meine Atmung zu konzentrieren und ganz auf meinen Körper zu hören, er wirdwissen, was er tut und den Geist für den Rest der Strecke hoffentlichüberrumpeln.
Und ob er es weiß! Es läuft!
Die folgenden Kilometer biszum Halbmarathon rollen nur so dahin und ein glückdurchleuchtetes Lächeln legtsich beim Kilometerschild 21 über mein Gesicht – die Hälfte ist geschafft,keine Seitenstiche, kein Durst, keine Muskel- oder Gelenksbeschwerden! Holla –die Marter der letzten langen Trainingsläufe zahlt sich aus!

Immer mal wieder einZuschauergesicht am Rande, häufig mit „Kuhglocken“ schellend, macht Mut undversetzt kurzzeitig ins ferne Idyll einer von Milka-Kühen umgrasten „Almwiesn“... da tropft der Schokoladenzahn und sorgt augenblicklich für einenBlutzuckerschub! – Woher auch immer....
Andere nette Anfeurer haltenihre Fan- Plakate hoch, denen zu folge mindestens 80 % der mitlaufendenweiblichen Marathonis Heidi, Susi oderKarin heißen, vielleicht noch getoppt von den Marathon- Monikas ... Aufmännlicher Seite scheint ein gewisser „Jo“ Favorit von halb Bayern zu sein,jedenfalls wurde sein Namenszug schon ins an diesem Tag so arg getreteneStraßenpflaster graviert, und das gleich mehrmals ...

Ab km 23 zwinge ich michregelmäßig, meinen Wasserhaushalt zu füllen, bekomme jedoch nie mehr als 3,4Schlucke in den Rachen, da mir jede Minute zum Anhalten zu kostbar ist und beidem Laufgewackel das meiste daneben geht. Auch bin ich zurückhaltend, obwohlich weiß, ich müsste mehr trinken, da ich im Frühjahr bei einem 10-km-Lauf sehrgute Bekanntschaft mit meiner vollen Blase machte und weiß, wie dieserebellieren kann ... An dieser Stelle übrigens ein dickes Lob und herzlichstesDankeschön an alle Helfer und Wasserreicher, die IMMER freundlich waren,versuchten, so gut es eben ging das Wasser an den Mann/ die Frau zu bringen undauch schon von weitem bekannt gaben, was in ihren Bechern schwappte –„Wasser!“, „ISO!“ usw. Auch die Streckenposten sorgten fast durchgehend für hindernisfreieLaufstrecken und hielten die „eiligen Sonntagsradler“, von ewiger Hektikgetriebenen Mercedes- und BMW- Fahrer sowie brötchenholende Morgenmuffel davonab, uns vor die Beine zu springen.
Herzlichen Dank Euch allen!

In Bogenhausen dann merkeich, dass die Batterien so langsam den größeren Teil der Energien verbrauchthaben, doch ich besinne mich auf das einmalige „Runner’s High“, dass mir beimTraining genau eine Woche zuvor zuteil wurde und warte sehnsüchtig gespannt,wann es mich wohl diesmal packt ... Doch es soll noch ein Weilchen dauern ...

Die Strecke durch denEnglischen Garten ist herrlich, nicht nur wegen der emotional nichtunbedeutenden, Hoffnung machenden grünen Frische, sondern auch aufgrund dernunmehr wieder zahlreicheren Zuschauer. Bei Kilometer 28 werde ich von einemkreischenden Begeisterungsausruf aus meinem Laufdelirium gerissen,hervorgerufen durch meine Freundin, die ein knittriges Papierstück mir meinemNamen in die Höhe reißt und einen wahrlich grotesken „Rumpelstielzchen- Tanz“aufführt. Das gibt Kraft! Wenn sich schon die Nichtläufer zum Narren machen,können wir ja bald nichts mehr
falsch machen *g*...

Kaum liegt die grüne OaseMünchens hinter mir, befallen mich erneut Zweifel, ob ich heute noch in denGenuß eines „Runer’s High“ kommen würde ...
Die mit dem ISO bei km 33eingesogenen kurzzeitigen Seitenstiche bringen mich aufs Pflaster zurück, abhier nehme ich von der Strecke nicht mehr viel wahr, sondern beschränke meinBlickfeld auf die grobe Körnung des Asphalts. Mit stierem Blick kämpfe ich michKilometer um Kilometer, Wasserstation um Wasserstation vorwärts und frage mich,was - Zum Teufel noch mal! – das für ein Mann ist, für den ich das mache...Verflucht, denke ich, du kennst ihn doch gar nicht, wer gibt dir dieGewissheit, dass der so was verdient? Wer weiß, ob er überhaupt im Ziel steht?Und wenn, was soll das Ganze? Wirkte er gestern, als empfände er das selbe wievor drei Jahren? – Ein Bongotrommlertruppe und ich fange mich wieder. VielenDank!

Kilometer 36, keine 10Kilometer mehr, 8, um genau zu sein, 8 Kilometer, das entspricht nicht mal derStrecke durch meinen heimischen Wald – das sollte zu schaffen sein! Vier malhab ich diese Strecke nun schon hinter mich gebracht, warum nicht noch einletztes Mal? Scheiße, wenn doch nur ein wenig Musik wäre ...!!!! Da, für kurzeZeit, für den Bruchteil eines Kilometers salben anfeuernde Rhythmen Ohr und Seele, der Kampfeswillen keimt vonneuem und ich hebe den starren Blick, um das zwar noch unsichtbare, aber vordem inneren Auge erstrahlende Ziel anzuvisieren. Eine Welle der Aufregungdurchläuft mich und ich habe mit mir zu ringen, nicht meinen Atemtakt zuverlieren.

Kilometer 39, noch dreiweitere bis zum Ziel, es packt mich reiner Siegeswillen. Der Willen, michselbst in die Knie zu zwingen, mir zu beweisen, dass ich es schaffe, unter 4.30h, das ich kämpfen werde bis zum letzten – mit eisigem Griff packt michGevatter Ehrgeiz im Nacken! Keine 10 Sekunden, und das vermeintliche Opfer istgefunden – rechts neben mir, mit blondem Pferdeschwanz und offenbar mein Alter.Das Herz klopft – nur keinen Fehler machen, nicht zu früh verausgaben,systematisch die Kräfte einteilen. Aber ich fühle mich stark, zu stark, umhinterher zu laufen und überhole „sie“ Schritt für Schritt – bis zur nächstenWasserstation. Dort das letzte Mal gestärkt, mit wohlwollendem Blickregistriert, dass das Stadion nicht mehr weit ist, muß ich zu meinem Entsetzenfeststellen, dass meine Konkurrentin mich während des Trinkens überholt hat!Ich beiße die Zähne zusammen, Schritt für Schritt hole ich auf, rücke heran und– ziehe vorbei! Jetzt hält mich nichts mehr, ich weiß auf einmal ganz sicher:wenn ich „sie“ überhole, wird „er“ im Ziel stehen, und ich werde gesiegt haben,gesiegt auf ganzer Linie! Musik und Beifall schallt uns von den Tribünenentgegen, die Tartanbahn wird sichtbar und ich reiße den Kopf in den Nacken, umwie ein wahrer Kämpfer in die Arena einzuziehen. Auch die verzweifeltesten,abgekäpftesten Läufer raffen sich nach langer Gehpause auf, heben diegeschundenen Glieder und laufen verbissenen Gesichts ihrem Ziel entgegen.

Ängstlich, von kurzzeitigerEnttäuschung durchhuscht, suche ich „sein“ vertrautes Gesicht im jubelndenZuschauergedränge. Panik ergreift mich, als ich die zwei Augen, die sich mirvor so langer Zeit ins Innerste gebrannt haben, nicht finden kann!
... „Halte durch! Du schaffst es!“ – das ist SEINE Stimme!
Wie ein Messerstichdurchfährt es mich, wie hypnotisiert setze ich die Füße auf die federndenMatten am Stadionseingang, atme, dass es mir scheint, meine Lungen müsstenplatzen und ziehe an ihnen vorbei – an ALLEN, die sich mit letzter Kraft insZiel schleppen, „Marathon- erprobte“ Frauen, Männer im „besten Alter“,„verbitterte Zeitjäger“ – ich lasse sie alle hinter mir.
Die Augen fixiert auf dieZeitanzeige im Zielbogen, so, als könne ich sie damit anhalten, schwebe ich mitstolzem Lächeln ins Ziel, von einem schreienden Glücksgefühl durchströmt, lassemir die Finisherbmedaille umhängen.

Gewonnen!

Für mich, gegen mich, mit mir und: mit „meinem Krieger“ im Herzen!
Durchkommen ist Siegen,absolut und auf ganzer Linie!
Die Nachricht eine halbe Stunde später, dass ich den 1. Platz meiner Altersgruppe gewonnen habe und meine Nettozeit 4.26 h beträgt, erreicht mich schon nur noch wie ein sachterWindhauch – in meinem Herzen tobt ein anderer Sturm, ein glücklicher Wirbelwind, der hoffentlich immer für frische Luft um meine Läufernase sorgen wird!

Vielen Dank an alle, die mirdiese Erfahrung ermöglicht haben!
Ganz besonders an RUNNING -PUR für Startgebühr, Anmeldung und das tolle Gefühl, in gewisser Weise „für Euch“ zu laufen! Liebe Franziska H. – vielen Dank für die Flugtickets, meinerTutorin I. Zwahr herzlichen Dank für die Unterrichts - freistellung, und, liebeAgnes – Dir und Deinen Freunden herzlichsten Dank für Kost, Logie und Eureaufopfernde Anteilnahme!

Dir Liebster danke ich dafür, dass Du bist wie Du bist – der Mensch, für den ich nicht nur immer wieder einen Marathon laufen, sondern durch jede Hölle gehen würde! Danke.