Testläufer berichten vom Leipzig-Marathon am 29. 4. 2001

Leipzig Marathon 2001

Für running-pur waren Testläufer bei dieser Veranstaltung unterwegs. Sie sammelten Eindrücke, blickten hinter die Kulissen, um Ihnen, lieber Leser, ein Bild von der Qualität, dem Ambiente und der Stimmung zu verschaffen.
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BERICHT VON MARTIN HERMANN
][ zu Testberichten anderer Veranstaltungen ][
][ Martin Hermann ][ Stefanie Peitzker ][


Dankeschön an running-pur für die Startgelegenheit in Leipzig, trotz der nicht ganz erreichten Wunschzeit (eigentlich hatte ich ja 2:35 Stunden geplant, es wurden 2:40:35 Stunden) war Leipzig eine Reise wert. Der Reihe nach ...

Tester Hermann war in Leipzig für running-pur ONLINE unterwegs.


Eigentlich sollte man ja Hotel-Tester sein. Das Leipziger Marriott Hotel mit seinem Marathon-Sonderangebot von DM 110,00 incl. einem fantastischen Frühstück für ein luxuriöses Doppelzimmer war allein die Reise wert. Nicht im Preis inbegriffen und eher zufällig: die Begegnung im Hotelaufzug mit Sieger Stephan Freigang, der die deutsche Jahresbestzeit in 2:15:57 Stunden laufen wird, während der amtierende Deutsche Meister und spätere Zweite Matthias Körner (2:18:54 Stunden) als Leipziger den Heimvorteil
genießt und kein Hotel benötigt.
Im Hotel war auch die Ausgabe der Startnummern - stressfrei am frühen Samstagabend und sonntags vor dem Lauf, schließlich waren für einen Stadtmarathon doch nur relativ wenige Teilnehmer gemeldet. Deutlich über 1.000 Läuferinnen und Läufer hatten für Marathon und Halbmarathon (Start jeweils um 10.00 Uhr) sowie den für 13.30 Uhr angesetzten 10-km-Lauf gemeldet.
Die Marathon Messe auf dem historischen Marktplatz war nicht gerade groß, die Nudelparty mit einem Wurststand kombiniert, alles verlief bemerkenswert ruhig und gelassen.
In den Lauf waren die Süddeutschen Meisterschaften mit Sächsischen und Thüringer Meisterschaften integriert, leider hat der Hamburg Marathon eine Woche zuvor wie vermutlich auch die im Mai stattfindenden Marathons in Mainz, Hannover, Würzburg und Regensburg einige Läufer weggelockt. Wer es etwas weniger stressig liebt, war in Leipzig bestens aufgehoben, keine Staus, keine Schlangen, Einlaufen in der Mädler-Passage vor sehenswerten Schaufenstern bis kurz vor dem Start, kein Stress im Zielkanal und fast immer genug Bewegungsfreiheit für das eigene Tempo.
Der Start von Marathon und Halbmarathon ist in der Grimmaischen Straße, gleich neben dem Markt, wo wir vier Runden später ins Ziel einlaufen wollen. Der Start klappt ohne große Verzögerungen, der ChampionChip erfasst die Netto-Zeiten aller Teilnehmer zwischen Start- und Ziellinie und gibt später bei jeder vollen Runde die Zwischenzeit jedes Teilnehmers an www.championchip.de weiter, wo die Ergebnisse mit allen Zwischenzeiten aufbereitet werden. An diesen Zwischenzeiten sieht man dann auch, dass aus dem angenehm kühlen Morgen ein ziemlich sonniger Vormittag und später ein frühsommerlicher Mittag wird, die meisten Läuferinnen und Läufer brauchen dringend Wasser - und leider ist die Wasserversorgung nicht optimal gelöst. Es gibt kohlensäurehaltiges Mineralwasser, Energiedrinks, aber gerade stilles Wasser oder Leitungswasser fehlt. Und das beim Marathon der Stadtwerke am ersten sonnigen Tag nach einem sehr durchwachsenen April. Nicht nur die Schnelleren würden die Becher lieber im Vorbeilaufen aus den
Helferhänden greifen, nur stehen die Helfer oft eher passiv da, und Schwämme könnte man sich aus einer Wanne heraus suchen. Das Engagement, mit dem die Becher und Schwämme gleich wieder aufgesammelt werden, ist ja lobenswert, aber viel mehr hätten gerade die Teilnehmer im hinteren Teil des Feldes die Unterstützung beim Reichen der Becher und Schwämme gebraucht. Eine Wasserstelle in der äußersten Außenkurve wie an der Sachsenbrücke ist auch nicht förderlich, da war die Frage: Zeitverlust oder Wasserverlust? Für die meisten gibt es leider beides, obwohl die Streckenführung für genug Abwechslung zwischen der Stimmung im Start-Ziel-Bereich und den ruhigen Passagen im grünen Clara-Zetkin-Park sorgt. Die 5-km-Abschnitte sind deutlich und korrekt markiert, das Profil bis auf einen Anstieg zum Neuen Rathaus sehr läuferfreundlich. Schade nur, dass die einzelnen Kilometer nicht markiert sind, das lässt die Wahl des richtigen Anfangstempos schwer werden. Einige Teilnehmer sind dann bei km 5 doch positiv oder negativ überrascht vom eigenen Anfangstempo, das hätte sich vermeiden lassen, weil offensichtlich sehr professionell vermessen und beschildert wurde, nur eben auch sehr sparsam. Der Höhenplan hing am Abend zuvor im Marriott Hotel aus und passte bis ins Detail.

Unterwegs werden alle Vor- und Nachteile eines 4-Runden-Kurses deutlich: man sieht die Freunde und Helfer mindestens vier Mal, ohne viel Mühe auch acht Mal, das ist gut für die Moral. Andererseits beginnt die Spitze bereits anfangs der dritten Runde die langsamsten Teilnehmer zu überrunden, und es geht schnell der Überblick verloren, ob sich beim Überholen ein Platz gut machen lässt, und gerade in der zweiten Streckenhälfte hätte im etwas dünn besetzten Feld der Unter-Drei-Stunden-Läufer der Blick auf den Vordermann vielleicht noch die erlahmenden Kräfte verstärkt.
Für alle, die ihren ersten Marathon laufen wollen und sich die ganz großen Veranstaltungen lieber im Fernsehen gönnen, ist Leipzig ganz sicher eine Reise wert, auch in der vierten Runde ist die Strecke noch angenehm zu laufen und nicht durch Zigtausende Plastikbecher verunziert, die grünen Passagen im Park sind für Naturfreunde ein schöner Kontrast zu den nur spurweise abgesperrten Straßen des Leipziger Innnenstadtrings.
Nachmittags werden Urkunden und, als die Vordrucke ausgehen, provisorische Ergebnisausdrucke angeboten, mit denen man sich problemlos die Preise in den Altersklassen und den diversen Sonderwertungen abholen kann. Eine quälend lange und verspätete Siegerehrung am späten Sonntagnachmittag - wie bei so vielen anderen Läufen - bleibt den Beteiligten erspart.
Die Ergebnisse finden sich schnell im Internet, die Darstellung der Rundenzeiten (Lap 1 bis Lap 4) ist für alle neu, die sonst in 10-km-Abschnitten rechnen, dafür wird auch wirklich die Leistungskurve für die ganze Strecke bis zum harten Ende deutlich.
Martin Hermann


BERICHT VON STEFANIE PEITZKER über den Leipzig-Marathon
][ zu Testberichten anderer Veranstaltungen ][
][ Martin Hermann ][ Stefanie Peitzker ][


Laufbericht Stefanie Peitzker
Leipzig-Marathon 29. April 2001Erster Eindruck am Start: Hier geht es richtig gemütlich zu. Kaum 1100 Starter, kein Drängeln und noch richtig schönes Wetter dazu. Die Einstellung zum Wetter hat sich allerdings schlagartig nach ein paar Kilometern geändert. Schon bei KM 3 war ich heftigst am Schwitzen, trotz ganz kurzer Laufkleidung. Da hab ich immer wieder gestaunt, wie andere teilweise auf die Strecke gehen: langärmeliges Oberteil, lange Hose, Strickpulli um die Hüfte gebunden, Handschuhe hätten noch gefehlt. Mir war in meiner kurzen Hose mit Tank-Top warm genug.
Vor allem bei der Versorgung: Man bekam einfach kein Wasser, da konnte man noch so laut rufen und bitten. Einmal bekam ich daraufhin einen klebrigen warmen Tee in die Hand gedrückt, ein andermal gar nichts. Wäre richtig hart geworden, wenn da nicht die ganz private Verpflegungsstation an der Sachsen-Brücke gewesen wäre: Dort bekamen mein Coach und ich nicht nur achtmal Wasser gereicht, sondern auch mentale Unterstützung in Hülle und Fülle. Das teilt die Strecke in ertragbare Stücke und setzt Zwischenziele, die es sich jedesmal lohnt anzulaufen.
Überhaupt, die Frage danach, wie kann man so einen Marathon, 42,195km am Stück, überhaupt schaffen. Meine Antwort wäre: schwierig in wenigen Worten zu erklären, da ich ja nicht weiß, was bei mir ausschlaggebend dafür ist, dass ich es schaffe. Ich kann nur mutmaßen: Ich glaube, es ist die mentale Flexibilität und der Wille, sich auf Zwischenziele einzulassen und das eine weite Ziel so gut es geht auszublenden.
Ab KM 30 ist es für mich richtig hart geworden. Zu diesem Zeitpunkt habe ich einen Läufer eingeholt, den ich bei KM 5 vorlaufen ließ, weil er mir zu schnell war. Er war sehr geknickt, weil seine Freunde nicht an die Strecke gekommen waren, er hatte sie fest eingeplant. Er hat sich auf sie verlassen. Das war richtig bitter für ihn, ich versuchte ihn aufzubauen. Obwohl ich bereits selbst ziemlich kraftlos war, auf die Frage, wie es mir geht, habe ich geantwortet: "Ich bin nur noch ein Laufen, sonst nichts mehr". Die mentale Energie, die ich abgeben konnte, reichte nicht aus. Der Mitläufer ging kurze Zeit später aus dem Rennen.
An diesem Punkt kann man für seine Mitmenschen nichts mehr tun. Man muss weiter, sich auf die eigene Stärke konzentrieren. Zum Glück habe ich es geschafft. Meine ersten schweren Beine bekam ich bei KM 14. Klasse, dachte ich, das wird jedesmal früher. Bei meinen ersten 2 Marathons lief ich mindestens bis KM 20 richtig locker. Ok, diesmal also die 14. Bis zur 28 nahm die Müdigkeit der Beine stetig zu. Eine Kohlehydrat-Stärkung half mir dann über die schwierige Schwelle der 30. Und irgendwann "lohnt" es sich nicht mehr auszusteigen. Ich setze mir dann so Ziele wie "die nächste Verpflegung" oder "das Schild bei KM 35".
Hierzu noch ein Wort: Die Beschilderung (und die Verpflegung) gaben vermutlich den meisten Gesprächsstoff unter den Läufern ab. Ohne Pulsuhr war man wirklich aufgeschmissen, seine Geschwindigkeit zu regulieren. Das erste Schild stand bei KM 5, jedes weitere bei weiteren 5 km. Eine optimale Organisation kann man das nicht unbedingt nennen. Manche Mitläufer waren ziemlich sauer und meinten, wenn sie das gewusst hätten, wären sie niemals in Leipzig gestartet. Ich hätte mir das auch noch mal überlegt.
Das Positive an dem Rundkurs (4 Runden von 10,5km) war die Zuschauerfreundlichkeit. Aber das war´s dann auch schon. Den Augenblick, als ich zum drittenmal am Ziel vorbeilief, werde ich nicht vergessen. Der war ziemlich mies. Gerade zu dieser Zeit lief mein Coach eben dort ein. Und ich musste auf eine neue - unendlich lange - Runde.
Mit vielen Zwischenzielen ging auch die rum. Und den Moment des Zieleinlaufs kann man wirklich nur sehr schwer vermitteln. Man meint, die Menschenmenge jubelt und klatscht für einen alleine. Aber diese Einbildung - denke ich - ist ziemlich in Ordnung.
Noch Tage später spüre ich den Chill, wenn ich an die letzten Meter denke, was da in einem vorgeht, das wird man nie vergessen. Das bleibt auf alle Ewigkeit. Und es entlohnt wirklich für alles, für jeden Schmerz und jede Qual in den Stunden vorher.
Auch das Drumherum ist ganz wichtig. Das tolle Zimmer im Marriott für einen äußerst fairen Preis. Die angehängten Tage in Leipzig mit nächtlicher Kneipentour. Und der Stadtbummel mit Shoppingtour am Montag danach waren einfach klasse. Leipzig ist eine richtig tolle Stadt, sehr gepflegt, viele tolle Kneipen, die man auch als Ortsunkundiger sehr einfach finden kann, ganz besonders den tollen Bahnhof mit dreistöckiger Einkaufsmall zu erwähnen.
Fazit: Leipzig muss nicht unbedingt nochmal gelaufen werden, lohnt sich aber auf jeden Fall für eine Stadtreise!