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BERICHT VON MARTIN HERMANN
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zu Testberichten anderer
Veranstaltungen ][
][ Martin Hermann
][ Stefanie Peitzker ][
Dankeschön an running-pur für die Startgelegenheit
in Leipzig, trotz der nicht ganz erreichten Wunschzeit (eigentlich hatte
ich ja 2:35 Stunden geplant, es wurden 2:40:35 Stunden) war Leipzig eine
Reise wert. Der Reihe nach ...
Tester Hermann war in Leipzig für running-pur ONLINE unterwegs.
Eigentlich sollte man ja Hotel-Tester sein. Das Leipziger Marriott Hotel
mit seinem Marathon-Sonderangebot von DM 110,00 incl. einem fantastischen
Frühstück für ein luxuriöses Doppelzimmer war allein
die Reise wert. Nicht im Preis inbegriffen und eher zufällig: die
Begegnung im Hotelaufzug mit Sieger Stephan Freigang, der die deutsche
Jahresbestzeit in 2:15:57 Stunden laufen wird, während der amtierende
Deutsche Meister und spätere Zweite Matthias Körner (2:18:54
Stunden) als Leipziger den Heimvorteil
genießt und kein Hotel benötigt.
Im Hotel war auch die Ausgabe der Startnummern - stressfrei am frühen
Samstagabend und sonntags vor dem Lauf, schließlich waren für
einen Stadtmarathon doch nur relativ wenige Teilnehmer gemeldet. Deutlich
über 1.000 Läuferinnen und Läufer hatten für Marathon
und Halbmarathon (Start jeweils um 10.00 Uhr) sowie den für 13.30
Uhr angesetzten 10-km-Lauf gemeldet.
Die Marathon Messe auf dem historischen Marktplatz war nicht gerade groß,
die Nudelparty mit einem Wurststand kombiniert, alles verlief bemerkenswert
ruhig und gelassen.
In den Lauf waren die Süddeutschen Meisterschaften mit Sächsischen
und Thüringer Meisterschaften integriert, leider hat der Hamburg
Marathon eine Woche zuvor wie vermutlich auch die im Mai stattfindenden
Marathons in Mainz, Hannover, Würzburg und Regensburg einige Läufer
weggelockt. Wer es etwas weniger stressig liebt, war in Leipzig bestens
aufgehoben, keine Staus, keine Schlangen, Einlaufen in der Mädler-Passage
vor sehenswerten Schaufenstern bis kurz vor dem Start, kein Stress im
Zielkanal und fast immer genug Bewegungsfreiheit für das eigene Tempo.
Der Start von Marathon und Halbmarathon ist in der Grimmaischen Straße,
gleich neben dem Markt, wo wir vier Runden später ins Ziel einlaufen
wollen. Der Start klappt ohne große Verzögerungen, der ChampionChip
erfasst die Netto-Zeiten aller Teilnehmer zwischen Start- und Ziellinie
und gibt später bei jeder vollen Runde die Zwischenzeit jedes Teilnehmers
an www.championchip.de
weiter, wo die Ergebnisse mit allen Zwischenzeiten aufbereitet werden.
An diesen Zwischenzeiten sieht man dann auch, dass aus dem angenehm kühlen
Morgen ein ziemlich sonniger Vormittag und später ein frühsommerlicher
Mittag wird, die meisten Läuferinnen und Läufer brauchen dringend
Wasser - und leider ist die Wasserversorgung nicht optimal gelöst.
Es gibt kohlensäurehaltiges Mineralwasser, Energiedrinks, aber gerade
stilles Wasser oder Leitungswasser fehlt. Und das beim Marathon der Stadtwerke
am ersten sonnigen Tag nach einem sehr durchwachsenen April. Nicht nur
die Schnelleren würden die Becher lieber im Vorbeilaufen aus den
Helferhänden greifen, nur stehen die Helfer oft eher passiv da, und
Schwämme könnte man sich aus einer Wanne heraus suchen. Das
Engagement, mit dem die Becher und Schwämme gleich wieder aufgesammelt
werden, ist ja lobenswert, aber viel mehr hätten gerade die Teilnehmer
im hinteren Teil des Feldes die Unterstützung beim Reichen der Becher
und Schwämme gebraucht. Eine Wasserstelle in der äußersten
Außenkurve wie an der Sachsenbrücke ist auch nicht förderlich,
da war die Frage: Zeitverlust oder Wasserverlust? Für die meisten
gibt es leider beides, obwohl die Streckenführung für genug
Abwechslung zwischen der Stimmung im Start-Ziel-Bereich und den ruhigen
Passagen im grünen Clara-Zetkin-Park sorgt. Die 5-km-Abschnitte sind
deutlich und korrekt markiert, das Profil bis auf einen Anstieg zum Neuen
Rathaus sehr läuferfreundlich. Schade nur, dass die einzelnen Kilometer
nicht markiert sind, das lässt die Wahl des richtigen Anfangstempos
schwer werden. Einige Teilnehmer sind dann bei km 5 doch positiv oder
negativ überrascht vom eigenen Anfangstempo, das hätte sich
vermeiden lassen, weil offensichtlich sehr professionell vermessen und
beschildert wurde, nur eben auch sehr sparsam. Der Höhenplan hing
am Abend zuvor im Marriott Hotel aus und passte bis ins Detail.
Unterwegs werden alle Vor- und Nachteile eines
4-Runden-Kurses deutlich: man sieht die Freunde und Helfer mindestens
vier Mal, ohne viel Mühe auch acht Mal, das ist gut für die
Moral. Andererseits beginnt die Spitze bereits anfangs der dritten Runde
die langsamsten Teilnehmer zu überrunden, und es geht schnell der
Überblick verloren, ob sich beim Überholen ein Platz gut machen
lässt, und gerade in der zweiten Streckenhälfte hätte im
etwas dünn besetzten Feld der Unter-Drei-Stunden-Läufer der
Blick auf den Vordermann vielleicht noch die erlahmenden Kräfte verstärkt.
Für alle, die ihren ersten Marathon laufen wollen und sich die ganz
großen Veranstaltungen lieber im Fernsehen gönnen, ist Leipzig
ganz sicher eine Reise wert, auch in der vierten Runde ist die Strecke
noch angenehm zu laufen und nicht durch Zigtausende Plastikbecher verunziert,
die grünen Passagen im Park sind für Naturfreunde ein schöner
Kontrast zu den nur spurweise abgesperrten Straßen des Leipziger
Innnenstadtrings.
Nachmittags werden Urkunden und, als die Vordrucke ausgehen, provisorische
Ergebnisausdrucke angeboten, mit denen man sich problemlos die Preise
in den Altersklassen und den diversen Sonderwertungen abholen kann. Eine
quälend lange und verspätete Siegerehrung am späten Sonntagnachmittag
- wie bei so vielen anderen Läufen - bleibt den Beteiligten erspart.
Die Ergebnisse finden sich schnell im Internet, die Darstellung der Rundenzeiten
(Lap 1 bis Lap 4) ist für alle neu, die sonst in 10-km-Abschnitten
rechnen, dafür wird auch wirklich die Leistungskurve für die
ganze Strecke bis zum harten Ende deutlich.
Martin Hermann
BERICHT VON STEFANIE PEITZKER über den Leipzig-Marathon
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Laufbericht Stefanie Peitzker
Leipzig-Marathon 29. April 2001Erster Eindruck am Start: Hier geht es
richtig gemütlich zu. Kaum 1100 Starter, kein Drängeln und noch
richtig schönes Wetter dazu. Die Einstellung zum Wetter hat sich
allerdings schlagartig nach ein paar Kilometern geändert. Schon bei
KM 3 war ich heftigst am Schwitzen, trotz ganz kurzer Laufkleidung. Da
hab ich immer wieder gestaunt, wie andere teilweise auf die Strecke gehen:
langärmeliges Oberteil, lange Hose, Strickpulli um die Hüfte
gebunden, Handschuhe hätten noch gefehlt. Mir war in meiner kurzen
Hose mit Tank-Top warm genug.
Vor allem bei der Versorgung: Man bekam einfach kein Wasser, da konnte
man noch so laut rufen und bitten. Einmal bekam ich daraufhin einen klebrigen
warmen Tee in die Hand gedrückt, ein andermal gar nichts. Wäre
richtig hart geworden, wenn da nicht die ganz private Verpflegungsstation
an der Sachsen-Brücke gewesen wäre: Dort bekamen mein Coach
und ich nicht nur achtmal Wasser gereicht, sondern auch mentale Unterstützung
in Hülle und Fülle. Das teilt die Strecke in ertragbare Stücke
und setzt Zwischenziele, die es sich jedesmal lohnt anzulaufen.
Überhaupt, die Frage danach, wie kann man so einen Marathon, 42,195km
am Stück, überhaupt schaffen. Meine Antwort wäre: schwierig
in wenigen Worten zu erklären, da ich ja nicht weiß, was bei
mir ausschlaggebend dafür ist, dass ich es schaffe. Ich kann nur
mutmaßen: Ich glaube, es ist die mentale Flexibilität und der
Wille, sich auf Zwischenziele einzulassen und das eine weite Ziel so gut
es geht auszublenden.
Ab KM 30 ist es für mich richtig hart geworden. Zu diesem Zeitpunkt
habe ich einen Läufer eingeholt, den ich bei KM 5 vorlaufen ließ,
weil er mir zu schnell war. Er war sehr geknickt, weil seine Freunde nicht
an die Strecke gekommen waren, er hatte sie fest eingeplant. Er hat sich
auf sie verlassen. Das war richtig bitter für ihn, ich versuchte
ihn aufzubauen. Obwohl ich bereits selbst ziemlich kraftlos war, auf die
Frage, wie es mir geht, habe ich geantwortet: "Ich bin nur noch ein
Laufen, sonst nichts mehr". Die mentale Energie, die ich abgeben
konnte, reichte nicht aus. Der Mitläufer ging kurze Zeit später
aus dem Rennen.
An diesem Punkt kann man für seine Mitmenschen nichts mehr tun. Man
muss weiter, sich auf die eigene Stärke konzentrieren. Zum Glück
habe ich es geschafft. Meine ersten schweren Beine bekam ich bei KM 14.
Klasse, dachte ich, das wird jedesmal früher. Bei meinen ersten 2
Marathons lief ich mindestens bis KM 20 richtig locker. Ok, diesmal also
die 14. Bis zur 28 nahm die Müdigkeit der Beine stetig zu. Eine Kohlehydrat-Stärkung
half mir dann über die schwierige Schwelle der 30. Und irgendwann
"lohnt" es sich nicht mehr auszusteigen. Ich setze mir dann
so Ziele wie "die nächste Verpflegung" oder "das Schild
bei KM 35".
Hierzu noch ein Wort: Die Beschilderung (und die Verpflegung) gaben vermutlich
den meisten Gesprächsstoff unter den Läufern ab. Ohne Pulsuhr
war man wirklich aufgeschmissen, seine Geschwindigkeit zu regulieren.
Das erste Schild stand bei KM 5, jedes weitere bei weiteren 5 km. Eine
optimale Organisation kann man das nicht unbedingt nennen. Manche Mitläufer
waren ziemlich sauer und meinten, wenn sie das gewusst hätten, wären
sie niemals in Leipzig gestartet. Ich hätte mir das auch noch mal
überlegt.
Das Positive an dem Rundkurs (4 Runden von 10,5km) war die Zuschauerfreundlichkeit.
Aber das war´s dann auch schon. Den Augenblick, als ich zum drittenmal
am Ziel vorbeilief, werde ich nicht vergessen. Der war ziemlich mies.
Gerade zu dieser Zeit lief mein Coach eben dort ein. Und ich musste auf
eine neue - unendlich lange - Runde.
Mit vielen Zwischenzielen ging auch die rum. Und den Moment des Zieleinlaufs
kann man wirklich nur sehr schwer vermitteln. Man meint, die Menschenmenge
jubelt und klatscht für einen alleine. Aber diese Einbildung - denke
ich - ist ziemlich in Ordnung.
Noch Tage später spüre ich den Chill, wenn ich an die letzten
Meter denke, was da in einem vorgeht, das wird man nie vergessen. Das
bleibt auf alle Ewigkeit. Und es entlohnt wirklich für alles, für
jeden Schmerz und jede Qual in den Stunden vorher.
Auch das Drumherum ist ganz wichtig. Das tolle Zimmer im Marriott für
einen äußerst fairen Preis. Die angehängten Tage in Leipzig
mit nächtlicher Kneipentour. Und der Stadtbummel mit Shoppingtour
am Montag danach waren einfach klasse. Leipzig ist eine richtig tolle
Stadt, sehr gepflegt, viele tolle Kneipen, die man auch als Ortsunkundiger
sehr einfach finden kann, ganz besonders den tollen Bahnhof mit dreistöckiger
Einkaufsmall zu erwähnen.
Fazit: Leipzig muss nicht unbedingt nochmal gelaufen werden, lohnt sich
aber auf jeden Fall für eine Stadtreise!
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