Testläufer berichten vom Marathon Hamburg 2005

Marathon Hamburg 2005

Für running-pur waren Testläufer bei dieser Veranstaltung unterwegs. Sie sammelten Eindrücke, blickten hinter die Kulissen, um Ihnen, lieber Leser, ein Bild von der Qualität, dem Ambiente und der Stimmung zu verschaffen. Wollen auch Sie mit einem Freistart in der Tasche den ONLINE-Lesern Ihre Erfahrung übermitteln? Dann klicken Sie hier.

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running-pur ONLINE
Ein Beitrag von running-pur ONLINE

 


Bericht von Klaus Sobirey über den Marathon Hamburg 2005
][ zu Testberichten anderer Veranstaltungen ][
][Klaus Sobirey]

Ein mitreißendes Puplikum

In der “Rangordnung³ der deutschen Marathons gibt es zwei Veranstaltungen, die unangefochten und seit Langem di e Spitzenpositionen in Sachen Renommee und Teilnehmerzahlen einnehmen ­ die Läufe in Berlin und Hamburg. Nachdem ich in Berlin im letzten Herbst e ine toll organisierte Veranstaltung kennen lernen durfte, war ich schon g espannt, wie sich Hamburg bei seinem ubiläumsmarathon am 24.04.2005 präs entieren würde.

Bei traumhaftem Wetter - strahlendem Sonnenschein und kühlen 8 Grad - sammelten sich am Morgen die Läufermassen im und um das Messegelände inmitten der Elbmetropole. Über 23.000 hatten sich laut Vera nstalter zum 20. Olympus Marathon Hamburg angemeldet, das war Rekord. Das s es letztlich “nur³ gut 18.000 waren, die tatsächlich antraten, merkte m an ange-sichts des Andrangs auch nicht mehr. Ein wenig entzerrt wurde das Startgetümmel dadurch, dass - wie in Hamburg üblich ­ der Start aus drei räumlich getrennten Startzonen erfolgte. Erst nach ein paar hundert Metern Laufstrecke vereinigten sich die Zonen dann zur gemeinsamen Laufstreck e. Die einzelnen Startzonen waren wiederum ­ nach geplanter Zielzeit gest affelt - in Blöcke eingeteilt. Man musste also schon etwas aufpassen, das s man sich in der richtigen Zone und im richtigen Block einfand ­ anderer seits wurde das richtige Einordnen nur oberflächlich kontrolliert. Gut tat man daran, die auf der aufmesse ausgehändigten Unterlagen genau zu studieren, vor allem den Plan des Messegeländes, denn die Ausschilderung im und um das Gelände war eher bescheiden. Die Kleiderbeutelabgabe in Halle 5 funktionierte aber reibungs-los.

Trotz des großen Menschengewimmels war die Stimmung am Start entspannt und so richtig voll wurde es in der Startzone erst kurz vor dem Startschuss. Um Punkt 9 Uhr war es für die Läufer in der Zone A in der Karolinenstraße so weit. Mit großen Gejohle setzte sich der Läuferzug gemächlich in Bewegung. Nach gut drei Minuten hatte auch ich es bis zu den Startmatten geschafft.

Jenseits der Startmatten war zunächst mal langsames Einlaufen angesagt ­ für meinen Ge-schmackzu langsam, und das, obwohl die Läufer in den anderen Startzonen erst zeitverzögert in Abständen von 5 Minuten auf die Strecke geschickt wurden. Das weiterhin dichte Gedränge ließ es zunächst einmal kaum zu, den eigenen Laufrhythmus zu finden. Richtig nervig wurde das Ganze, als dann auch noch Pulks von zeitgleich in Zone B gestarteten Nordic Walkern auftauchten, an denen sich der Läuferstrom vorbeizwängen musste. Die meisten hielten sich im-merhin auf der linken Seite, aber einige schien es nicht zu stören, nebeneinander plauschend mitten auf der Strecke zu patrouillieren. Giftige Bemerkungen flogen wechselseitig durch die Luft. Da sollte sich der Veranstalter mal eine bessere Lösung einfallen lassen!

Vom Messegelände aus verlief die Strecke vorbei am Park der Großen Wallanlagen direkt ins Herz von St. Pauli hinein zum wohl bekanntesten Pflaster der Stadt: der Reeperbahn (km2). Noch immer umgab mich ein dichter Läuferpulk, was mich von der Tristesse dieser - zumindest tagsüber ­ recht abgetakelt wirkenden “Amüsiermeile³ weitgehend ablenkte.

Das Straßenbild änderte sich jenseits der Reeperbahn schlagartig. Über deren Verlängerung, die Königinstraße, ging es schurgerade weiter Richtung Westen, mitten hinein ins beschauliche, gutbürgerliche Altona, mit properen grünen Vorgärten und freundlich winkenden Anwohnern ­ was für ein Kontrast und doch lagen diese beiden Welten so dicht beieinander. Umgebung wie Stimmung waren entspannt,endlich hatte ich das Gefühl, meinen Lauf laufen zu können. Geradeaus ging es km um km, teilweise leicht bergauf, immer weiter ­ bis die Strecke kurz vor km 7 einen markanten Schwenk nach links, direkt hin zur nahen Elbe machte. Der Straßenname Elbchaussee kündigte an, dass eine der besten Adressen der Stadt erreicht war. Parallel zur Elbe ging es in umgekehrter
Richtung nun geradewegs in Richtung Innenstadt zurück. Durch die hohen Bäume entlang der auf dem Hochufer gelegenen Allee genoss ich einen herrlichen Blick auf die glitzernde Elbe und die mächtigen Anlagen des Containerhafens im Hintergrund. Durch das leichte Gefälle bekam mein Lauf zunehmend Schwung. Schnell waren die Zeitmatten bei km 10 erreicht, das erste Viertel der Strecke geschafft.

Die Stadtlandschaft änderte sich ­ St. Pauli war wieder erreicht, doch präsentierte sich das Viertel nun von einerweitaus attraktiveren Seite. In einer geradezu steil abfallenden Kurve wand sich die Straße bei km 11 hinab zum prächtigen Backsteinbau der Fischauktionshalle am Fischmarkt. Und auf einmal war der Teufel los. Zwar waren auch bisher schon einige Zuschauer an der Strecke, doch hier nun drängten sie sich zu Tausenden und heizten den Läufern lautstark gestikulierend ein. Und das ging so weiter! Die folgenden beiden km am Elbufer, entlangder einst berüchtigten Hafenstraße mit ihren bunten Häusern, vorbei an den berühmten Lan-dungsbrücken bis hin zum Baumwall bei km 13 waren ein einziger Hexenkessel. Lückenlos drängten sich die Menschen entlang der Strecke und auf den diese überspannenden Brücken. Man merkte förmlich, wie diese Jubelstimmung auch die Läufer euphorisierte ­ so was habe ich selbst in Berlin noch nicht erlebt.

Die erste der beiden großen Schleifen durch Hamburg, die “Elbschleife³ war nun geschafft ­ die weitaus größere “Altsterschleife³ stand bevor. Zunächst einmal galt es aber die Altstadt Hamburgs zu umrunden. Jenseits des Baumwalls wurde es an der Strecke ruhiger und kurz vor dem Hauptbahnhof tauchte sie gar in den Untergrund ab. Entlang der gelb gekachelten Wände des Tunnels bildete sich spontan Hamburgs längste “Pinkelrinne.³ Zum Glück waren die Ventilato-ren im Tunnel aufvolle Kraft gestellt. Mitten im Tunnel war die 15 km-Marke erreicht.


Am Ende des Tunnels dauerte es nicht mehr lange bis zu einem weiteren Highlight der Strecke: der Binnenalster. Um diesen innerstädtischen See mit der markanten Riesenfontäne in der Mitte wand sich die Strecke einmal komplett herum. Vorbei ging es an den prächtigen Kontorhäusern und Edelshops am Jungfernstieg (km 16), dem wohl teuersten Pflaster der Stadt. Leider störten Straßenbaustellen ein wenig, aber dafür hatten sich auch hier wieder Zuschauer in Massen ein-gefunden, die erneut für Stimmung sorgten.

Mit der Kennedybrücke (km 17) war der Übergang von der Binnenalster zur gleich nebenan gelegenen Außenalster erreicht. Direkt am Ostufer dieses weiteren und größeren Hamburger Stadtsees ging es hinauf in den Norden der Stadt ­ die weite und schon auf dem Laufrouten-plan beeindruckend langgezogene “Alsterschleife³ hatte begonnen. “An der Alster³ und “Schöne Aussicht³ hießen bezeichnenderweise die Straßen, auf denen es entlang des Wassers durch die Stadtteile St. Georg, Hohenfelde und Uhlenhorst ging. Es wurde wieder ruhiger entlang der Strecke. Kurz nach km 20 hieß es Abschiednehmen von der Außenalster und wenig später markierten die sirrenden Zeiterfassungsmatten bei km 21 ­ die ansonsten auch alle vollen 10 km ausgelegt waren - , die Marathon-Halbzeit.

Mit meiner Orientierung ging esnun schnell dahin. Zwar wusste ich von der Streckenkarte, dass es jetzt und auch noch 10 weitere km in diversen Kurven, aber tendenziell immer weiter Richtung Norden ging, aber als Ortsunkundiger hatte ich keinerlei Ahnung, wo ich mich gerade befand. Die Vorstadtlandschaft änderte sich: Waren entlang der Außenalster noch viele schöne Altbauten zu finden, so wechselten sich jetzt, im Stadtteil Barmbek, Wohnblocks mit Reihen-hausbeschaulichkeit ab. Bei km 24 war der Stadtpark erreicht, an dessen nördlichem Ende sich die Hochhäuser des Büroareals City Nord in den Himmel erhoben. Die Strecke war durchaus abwechslungsreich, auch wenn es keine markanten Höhepunkte gab. Auffallend war der wei-terhin hohe Zuschauerzuspruch, vorallem dort, wo S- bzw. U-Bahnstationen die Strecke be-rührten. Für zusätzlichen Ansporn sorgten zudem diverse Trommler- und sonstige Musikgruppen sowie Freiluftdiscos entlang der Strecke, die nicht nur die Läufer, sond ern auch die Zuschauer selbst in ausgelassene Stimmung versetzten. Und schließlich gab es da noch die zahlreichen Verpflegungsstellen: Alle 5 km wurden die Läufer von zahlreichen Helfern mit Wasser und Iso- Getränken sowie Bananen versorgt ­ für ganz Durstige gab es dazwischen zusätzliche Wasserstellen.

Einen Stimmungshöhepunkt erwartete die Läufer schließlich im Bereich Alsterdorf und Ohlsdorf vor und jenseits der 30 km-Marke. Beiderseits der Straße standen hier wieder Tausende dicht-gedrängt Spalierund feuerten die Läufer derart an, als wäre das Ziel schon erreicht. Von angeblich hanseatischer Kühle oder Zurückhaltung war nicht das geringste zu spüren.

Ohlsdorf ­ gar nicht mehr weit vom Flughafen Fuhlsbüttel entfernt ­ markierte den nördlichsten Punkt der Laufstrecke bzw. deren Wendepunkt gen Süden. Ich wusste, dass von hier der Weg ohne große Schlenke zum Ziel am Messegelände führte. Aber noch lagen etwa 11 km vor mir. Viel Grün säumte die Strecke, was angesichts der immer kräftiger scheinenden Sonne sehr angenehm war. Die Strecke zog sich km und um km in endlos scheinenden Geraden dahin. Mit allen möglichen Mitteln versuchte ich, michvon der zunehmenden Ermüdung meiner Beine ab-zulenken. Kurz nach km 35 war der schicke “Yuppie³-Stadtteil Eppendorf mit seinen schönen Jugendstilfassaden erreicht ­ und auch hier empfing die Läufer immer wieder Party am Straßenrand. Als ich die lange Gerade der Rothenbaumchaussee erreichte,wusste ich, dass die Tortur ihrem Ende zuging. In der Ferne erblickte ich den Fernsehturm und hatte damit schon eine Orientierung, wo das Ziel lag Bei km 40 war wieder die Stelle erreicht, wo ich die vor knapp zwei Stu nden von der Binnen- zur Außenalster gelangte. Ein letzter Schwenk auf den Gorch-Fock-Wall am alten Botanischen Garten vorbei - und wenig später war die Zielgerade auf der Karolinenstraße am Messegelände erreicht. Den Zielbogen im Blick mobilisierte ich ein letztes Mal die verbliebenen Energien und spurtete, begleitet vom Gejohle der dicht gedrängt an den Absperrgittern zur Strecke klebenden Zuschauermengen ins ersehnte Ziel.

Als erste “Belohnung³ erwartete die Läufer gleich dahinter die Finisher-Medaille ­ dann wurden wir direkt weiter ins abgesperrte Messegelände geleitet, wo im Freigelände zwischen Halle 5 und 6 die Zielversorgung wartete. Das reichlich angebotene alkoholfreie Bier konnte mich im Moment jedoch ebenso wenig locken wie das bunte Gatorate oder die Müsliriegel ­ mir war der warme Zitronentee lieber, denn was anderes hätte mein Magen momentan nicht gepackt. Die Erschöpfung stand allen ins Gesicht geschrieben, aber auch jenes Lächeln, das trotz oder gerade auch wegen dieser überstandenenStrapaze ein tiefes Gefühl der inneren Zufriedenheit auslöst. Den nächsten Energieschub holte ich mir bei einer kalten Dusche in Halle 8, die in eine überdimensionale Duschkammer umfunktioniert worden war. In Halle 9 konnte ich mir dann die mit Spannung erwartete Voraburkunde mit Nettoendzeit und Zwischenzeiten abholen. Alles war gut und flüssig organisiert ­ nur
die Beschilderung, wie schon gesagt, hätte ein wenig großzügiger ausfallen sollen.

Was bleibt? Hamburg ist nicht nur eine schöne Stadt, Hamburg hat auch einen herausragenden Marathon zu bieten ­ mit einer abwechslungsreichen Strecke, guter Organisation und einem mitreißenden Publikum. 700.000 sollen es gewesen sein, verkündeten die Zeitungen am nächs-ten Tag einhellig. Und dies kam mir gefühlsmäßig nicht einmal übertrieben vor.