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Bericht von Sven Löschengruber über
den Brüder Grimm Etappenlauf
][ zu
Testberichten anderer Veranstaltungen
][
][Sven Löschengruber][Angela][
Drei Tage bei idealem Laufwetter auf den Spuren der Gebrüder Grimm
Seit 21 Jahren wird er veranstaltet und gilt nicht nur in der heimischen
Laufszene als ein "Muss" - der Brüder-Grimm-Lauf, eine
fünf Etappenveranstaltung über 82 Kilometer von Hanau nach Steinau.
Bereits frühzeitig sind die 500 Startplätze alle vergeben und
so freue ich mich riesig, als ich von "running-pur" als Tester
für diesen Event ausgewählt werde. Bereits kurz darauf erhalte
ich die Meldebestätigung des Veranstalters mit meiner Startnummer,
absolut vorbildlich wie die sehr detaillierte Ausschreibung, die alle
wichtigen Informationen enthält. Leider verletze ich mich eine Woche
vor dem Lauf leicht an der Wade, sodass mein Start gefährdet ist,
aber zumindest will ich es versuchen, also nehme ich am Freitag ohne Wartezeit
meine Startunterlagen mit personifizierter Startnummer und darin integriertem
Chip in Empfang. Des Weiteren sind noch die aktualisierten und wichtigsten
Infos beigefügt. Für den Gepäcktransport zum Etappenort
stehen genügend Kleinbusse zur Verfügung, sodass ich mich auch
um dies nicht kümmern muss. Pünktlich um 17.30 Uhr starten wir
am Hanauer Marktplatz zu Füßen des Brüder Grimm- Denkmals.
Die erste "Rotkäppchen"-Etappe nennen die vielen Mehrfachtäter
die Einlaufstrecke, da sie weitgehend flach verläuft. Eigentlich
will ich in einem Schnitt von etwa 5 min/ Km lauen, doch durch Bekannte
aus dem Bruchköbeler Lauftreff angestachelt, wird es deutlich schneller.
Unterwegs ist die Strecke sehr gut abgesperrt durch zahlreiche freundliche
Helfer des hiesigen Lauftreffs. Auch Wasser und Schwämme gibt an
mehreren Punkten der Strecke, die zumeist auf Radwegen von Hanau über
Erlensee nach Rodenbach führt. Die einzelnen Kilometer sind ebenfalls
markiert, wobei ich nicht so sicher bin, ob diese so ganz genau stimmen,
aber das ist bei so einer Veranstaltung auch nicht dermaßen wichtig.
Ins Ziel komme ich nach 15,5 Kilometern (das könnte eventuell in
die Ausschreibung übernommen werden) nach 69 Minuten als 107. (von
529 Finishern der Etappe) und bin damit um über 8 Minuten schneller
gelaufen, als ich es geplant hatte. Hoffentlich wird sich das am morgigen
Tag nicht zu sehr rächen ... Im Anschluss wird schnell geduscht.
Danach hängen schon die Ergebnisse aus, nahezu rekordverdächtig
fix. Nun wartet schon der Bus, der uns kostenlos zu den abgestellten Autos
nach Hanau zurückbringt. Prima organisiert - toller Service!
Am Samstag klingelt um 7.30 Uhr der Wecker. Am liebsten würde ich
jetzt schon liegenbleiben, aber dann raffe ich mich doch auf und fahre
nach Rodenbach. Als um 9.30 Uhr der Startschuss fällt, kommt es erstaunlicherweise
kaum zu Gedränge, obwohl die Startgerade ziemlich schmal ist: Die
meisten Läufer haben sich richtig eingeordnet. Zunächst geht
es bei der Dornröschen-Etappe nur ganz leicht ansteigend nach Oberrodenbach,
wo die erste richtige Steigung wartet. Diese kann ich noch ganz gut bewältigen,
bevor es wieder in den Wald geht. Der Blick auf die Uhr verrät mir,
dass ich wieder zu schnell angegangen bin und so gehe ich schon recht
angestrengt in die 600 Meter lange, bis zu 18%ige Steigung, die ich bereits
von den zahlreichen Teilnahmen am berrodenbacher Silvesterlauf kenne.
Oben angekommen machen viele Mitläufer richtig Tempo und ich werde
von etlichen überholt. Von hier an geht es nur noch eben bzw. leicht
fallend bis nach Neuenhaßlau, wo ich nach etwas mehr als 63
Minuten schon ziemlich verausgabt und grade noch im ersten Viertel des
Feldes ankomme. Ich stelle mir auf der Rückfahrt zum Parkplatz in
Niederrodenbach die Frage, wie ich die Nachmittagsetappe über 16
Km einigermaßen überstehen werde und plane, sie auf keine Fall
schneller als im 5 min- Schnitt zu absolvieren. Fünf Stunde später
stehe ich in Neuenhaßlau wieder am Start der "Schneewittchen"-Etappe.
Nach dem flachen Start geht es auf welliger Strecke bis nach Meerholz
und nach 10 Kilometern geschieht das, was ich bereits befürchtet
hatte. Ich bekomme einen ziemlichen Einbruch, weil die ersten beiden Etappen
noch in den Knochen stecken. Es kommt sogar soweit, dass ich einige Abschnitte
gehen muss und von hunderten Läufern überholt werde. Irgendwie
schleppe ich mich die Meter voran und lande am Ende in 85:30 Minuten auf
Platz 398 der Gesamtwertung. Ich fühle mich körperlich derart
schlecht, als ob ich bereits das Ziel in Steinau erreicht hätte,
das mit weiter weg erscheint als zu Beginn des Laufes. Abends findet in
Gelnhausen die Nudelfete mit Tombola statt, die allseits sehr gelobt wird.
Am Sonntag muss ich noch früher aufstehen, denn der Start des 4.
Teilabschnitts ("Frau-Holle-Etappe") ist bereits um 9 Uhr. Klasse
finde ich angesichts meiner schweren Beine, dass man sogar einen Bustransfer
von der Turnhalle zum Start am Gelnhäuser Untermarkt in der Altstadt
anbietet, wodurch sich nochmals Kräfte sparen lassen. Heute habe
ich mir nur noch in den Kopf gesetzt, die beiden restlichen Läufe
irgendwie zu überstehen. Dem entsprechend gehe ich dieses Mal wirklich
vorsichtig an, zumal alle der Auffassung sind, dass die vierte die schwerste
Etappe sei. Nach einem flachen Kilometer geht es stetig bergauf. Aufgrund
des geringeren Tempos komme ich einigermaßen ins Laufen und finde
meinen Platz im hinteren Drittel des Feldes. Der starke Anstieg zu den
"Vier Fichten" kann so von mir laufend genommen werden und von
dort an geht es teils rasant bergab bis ins Ziel nach Wächtersbach.
Auf den Gefällstrecken überhole ich den einen oder anderen Läufer,
was doch richtig motivierend ist. So komme ich nach 91:33 Minuten als
261. zufrieden ins Ziel. Im Anschluss geht es gleich auf die Massagebank,
wo mir die Muskeln fachmännisch nur leicht geknetet werden. Das sorgt
auf jeden Fall für Entspannung. Von Wächtersbach werden die
Läufer nach Bad Orb gebracht, von wo das Feld auf die letzten 18
Kilometer geschickt wird. Nach 1,5 Km durch die Stadt kommt der stärkste
Anstieg des gesamten Laufes. Auf 1,3 Kilometern werden 115 Höhenmeter
überwunden; hier fangen sehr viele Läufer an zu gehen, was mich
zusätzlich anspornt, es ihnen nicht gleichzutun. Lockerer Trab sieht
zwar sicherlich anders aus, aber ich komme an einigen Gehern vorbei. Oben
angekommen geht es die nächsten 2 Kilometer richtig auf die Oberschenkel,
denn nun verlieren wir 200 Höhenmeter. Bei mir läuft es alles
richtig gut und auch auf den restlichen 12 Kilometern, die teils am Kinzigstausee
vorbeiführen, gewinne ich Platz um Platz und arbeite mich bis im
Ziel, wo etliche Zuschauer bei bestem Laufwetter ihre Liebsten erwarten,
mit 88:48 Minuten auf Position 136 vor. Dies bringt mir in der Gesamtwertung
Platz 192 in 6 Stunden 38:25 Minuten ein. Überaus erschöpft,
aber auch glücklich fallen sich die Läufer in die Arme. Nach
der warmen Dusche geht es erneut zur Massage, die ich nun richtig genießen
kann. Anschließend hole ich mein rotes Finisher-T-Shirt und die
Urkunde ab und wohne noch der Siegerehrung bei, auf der von vielen Teilnehmern
bereits Pläne für die 22. Auflage des Brüder-Grimm-Laufes
geschmiedet werden.
Insgesamt lässt sich ein sehr positives Fazit der Veranstaltung
ziehen. Für 60 Euro Startgebühr bekommt man eine ausgesprochen
tolle Gegenleistung. Die Organisation klappt wirklich reibungslos. Das
fängt von der Zusendung der Meldebestätigung an, geht über
die nette Betreuung auf der Strecke und nach dem Lauf bis hin zur hervorragenden
Ergebnisauswertung mittels in der Startnummer integrierten Chip durch
das Team von Harald Steinke. Kaum ist man fünf Minuten im Ziel, schon
hängen die Ergebnisse aus. Die Transfers zu den Startorten, um die
dort abgestellten Autos nachzuholen, sind ebenso ein positiver Aspekt
wie die Massagen, die ab der 3. Etappe in ausreichender Zahl angeboten
werden. Hervorzuheben ist auch die positive Atmosphäre im Läuferfeld.
Man kommt zwischen den Etappen, sei es unter der Unisexdusche, in den
Wettkampfpausen in den Turnhallen oder im Bus mit vielen ins Gespräch,
sodass man sich am Ende gemeinsam mit den Teilnehmern freut, die Strecke
bewältigt zu haben. Einziger kleiner Kritikpunkt wären die teils
falschen Kilometermarkierungen. Dass die Streckenlängen entgegen
der Ausschreibung geändert werden müssen, ist verständlich,
doch kurz vor dem jeweiligen Lauf könnte man einen Radfahrer losschicken,
der die Schilder richtig aufstellt. Überlegenswert wäre es auch,
ob man die Teilnahmegebühr ein wenig anhebt und damit statt der Baumwoll-Funktionsshirts
anbietet.
Zu guter Letzt möchte ich mich ganz herzlich bei "running-pur"
und dem Veranstalter für die Testmöglichkeit sowie bei den zahlreichen
Helfern in der Organisation, an den Getränkeständen, an den
Massagebänken und beim Fahrdienst für ihre aufmunternden Worte
und die tolle Betreuung bedanken.
Sven Löschengruber, Startnummer 495,
Lauftreff Bruchköbel
P.S.: Kommentare zu diesem Bericht sind herzlich willkommen unter lecrut@gmx.de.
Bericht von Angela, besser bekannt als notcrazyisnotnormal
über den Brüder Grimm Etappenlauf
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Ultraläufer und die lokale Volkslauf high Society treffen sich
beim Brüder Grimm Lauf
Im Ziel wurde ich von einem Fremden mit einer ganz interessanten Frage
konfrontiert: was würde ich persönlich als härter einstufen,
einen Marathon oder den BGL? Nun, ich gehöre zur Kategorie der Ultras,
also ganz klar: der Brüder Grimm Lauf! Denn nicht die Strecke, sondern
die Geschwindigkeit schmerzt und das hier kann man rennen mit beständigem
Tritt auf den
persönlichen Herzbändel :-)
Der Lauf führt von Hanau, der Geburtsstadt von Jacob und Wilhelm
Grimm nach Steinau, dem Ort, an dem die Märchensammler und Sprachforscher
ihre Kindheit verbrachten.
Die erste Etappe am Freitag nachmittag stellt die persönliche Disziplin
auf die Probe. Es gilt, 15 topfeben Asphaltkilometer nach Niederrodenbach,
in der Gewissheit einzuteilen, dass noch weitere 4 Etappen folgen. Man
kann hier, da man frisch, fit und ausgeruht am Start steht, so richtig
unvernünftig rennen, als obs kein morgen gäbe. Und genau
das tue ich, obwohl ich mir fest vorgenommen habe, dass es nur ein Traingsläufchen
werden soll. Schließlich bin ich ziemlich kurzfristig hier am Start,
sozusagen per Zufall, reingerutscht als Schreiberling. Aber mit mir als
Dritte, hat jetzt mein Verein eine komplette Frauschaft am Start, da kann
ich mich ja nicht hängen lassen. Ich bin zum vierten Mal dabei, weiß
also, was auf mich zukommt! Sollte es jedenfalls wissen. So ganz leise
im Hinterkopf habe ich natürlich auch, meine bisherigen Zeiten auf
dieser Strecke zu verbessern, als das sage ich sicherheitshalber erst
mal nicht, denn nichts ist peinlicher, als Angeberei, die man nicht halten
kann. Am Start stapeln alle tief, das lernt man mit der Zeit.
Für mich als Ultraläufer verfliegt die Zeit geradezu. Wir sind
schon da, bevor überhaupt irgendetwas beginnen kann zu schmerzen.
Unterwegs, ich weiß gar nicht mehr wie häufig, aber irgendwie
ständig, gibt es Schwämme und etwas zu trinken. An jeder Kreuzung
steht ein Helfer, weist ein, feuert an, lächelt und ruft uns etwas
Aufmunterndes zu. In der Halle ist unser aller Gepäck, das wir in
Hanau abgegeben haben, in ordentlichen Reihen aufgeteilt. Glücks
Geschick, wer eine auffällige Rucksackfarbe hat. Es zieht doch eine
große Schar von Läufern zu dieser märchenhaften Veranstaltung.
Obwohl ich im Ziel viel Zeit verschwatzt habe, gibt es noch warme Duschen.
Und bis ich mich sortiert und angezogen habe, hängen auch bereits
die Ergebnislisten aus, umringt von einer großen Meute fachsimpelnder
Läufer. Wer ist alles hier, wer ist wie gut drauf und großes
Hallo mit vielen bekannten Gesichtern.
Eine stattliche Anzahl sogenannter ³Steppenhühner, ein Titel,
der sich aus der Homepage ableitet, die das Pseudonym des Ultralaufsports
im deutschsprachigen Raum ist und viele Läufer aus der näheren
Umgebung, zu denen ich ja auch gehöre. Vielstarter, die man jeden
Sonntag auf einer Veranstaltung trifft und andere, wo man gemeinsam rätselt,
woher kennen wir uns
eigentlich.... Viele machen vom Angebot des Veranstalters Gebrauch, in
der Turnhalle zu nächtigen und es dauert eine geraume Weile, bis
nach dem Pizzabesuch endlich Ruhe in der Halle einkehrt. Ruhe? Nun ja,
von Ruhe kann nicht wirklich die Rede sein, aber das gehört dazu,
das macht den Reiz eines Etappenlaufes aus! Um Punkt sechs Uhr taucht
die Halle in grelles Licht und es ertönt eine Art Sirene, die sogar
meine Ohrstöpsel durchdringt.
³und wie hast Du geschlafen?, ³hast Du das Schnarchen hinten links
aus der Ecke auch gehört und ³mein Bett zu Hause ist aber bequemer,
müdes Gähnen und andere, die bereits akrobatische Übungen
vollziehen, dass ich geneigt bin zu applaudieren. Ich genieße das
Treiben um mich herum, das ist es, was ich an diesem Sport so liebe :-)
Die vielen Menschen, alle ganz individuell und doch geeint im gemeinsamen
Sport.
Kaum vom Waschen und Zähne putzen zurück ertönt es: ³das
Frühstücksbuffet ist eröffnet und mitten in der Halle
sind Tische mit Obst, Müsli, Wurst und Käse, Marmelade, Yoghurt
und Eier und einem riesigen Korb voller Brötchen. Bis zum Start der
zweiten Etappe ist es noch lange hin und ich schlemme mich durch das großzügige
Angebot. Um halb zehn gehts endlich wieder los, Start an der gleichen
Stelle, wo gestern das Ziel war. Eine kurze Etappe, nur 14 Kilometer,
doch meine Erinnerung spielt mir einen Streich. Mir war so, als sei auch
diese Etappe flach, doch ich hatte wohl die Hügel zwischendrin wohlwollend
verdrängt. Es geht recht ordentlich bergauf und ich, die ich nie
Berge trainiere, werde durchgereicht. Doch noch bin ich frisch und alle,
die mich bergauf stehen lassen, fange ich gegen Ende, Richtung Neuenhaßlau,
bergab, mit riesen Schritten wieder ein. Manch einer mag sicherlich gedacht
haben, die spinnt. Die lange Pause verbringen wir in der Turnhalle.
Duschen, Suppe, selbstgemachten Kuchen und dann gibt es unterschiedliche
Methoden zu regenerieren. Manche versuchen zu schlafen, lesen oder wie
ich, verschwatzen einfach die Zeit. Rund um die Turnhalle liegen hunderte
nasser Socken, Shirts und Hosen über den Hecken und Zäunen.
Ein buntes und für mich anheimelndes Bild. Einiges an Organisationstalent
ist
gefragt, wenn man versucht, sein Auto immer hinterher zu ziehen. Grüppchenbildung,
zurück zum Startort, Autos holen, zwei müssen voraus zum nächsten
Ziel fahren, ein Auto dort abstellen und wieder zurück. Im ersten
Jahr habe ich das auch gemacht. Als stressig ist es mir in Erinnerung,
aber noch viel mehr, dass ich dadurch einen ganzen Trupp netter Läufer
kennengelernt habe, von denen mich nun auf der dritten Etappe einer begleitet
und zieht.
Um halb fünf gehts weiter, 16 Kilometer, bedingt durch leichte
Streckenänderung gut einen weniger, als in den vergangenen Jahren.
Befestigte Waldwege und Asphalt im Wechsel und natürlich wieder ³Berge.
Einheimische nennen es wohl Hügel, für mich gehts langsam
ins alpine. Wir drei Frauen vom Verein sind nahezu gleich stark, kommen
nur im Sekundenabstand
nacheinander ins Ziel und doch kann ich nicht mit ihnen laufen. Bergauf
merke ich mir nur noch die Farbe ihrer Shirts, die ich immer über
die Kuppe verschwinden sehe, wenn ich unten in die Steigung einbiege.
Bergab fange ich dann wie am Vormittag viele Läufer wieder ein, manche
erinnern sich und lachen. Ich beginne dem schnellen Laufen etwas abzugewinnen,
es macht Heidenspass.
Im Ziel, nach kalter Dusche, sehen wir auf der Ergebnisliste, dass unsere
Mühe sich lohnt, wir sind das 4te Team mit nur wenigen Sekunden Rückstand.
Mädels, das schaffen wir! Ich bin durch Wettkampf zu motivieren,
doch eine unserer Gruppe kämpft mit einer dicken Blase. Gute Regeneration
ist erst mal wichtig und so machen wir vom Angebot der Massage Gebrauch,
dass der Veranstalter ab der dritten Etappe zur Verfügung stellt.
Vor zehn oder zwölf MasseurInnen stehen Warteschlangen, jeder darf
die feinfühlenden Hände zwanzig Minuten genießen! Die
Zeit wird wieder mit fachsimpeln überbrückt, wem geht es wie
und wie ist die Spitze sortiert.
Simon Reißmann, ein M20er und Skilanglaufprofi führt das Rennen
an. Zweiter wird am Ende René Stroßny sein, Sieger des Spree-
und Isarlaufes, ein sehr erfahrener Etappenläufer. Danach, bunt gemischt
die Altersklassen und die ³Kurz-³ und Langstreckler. Bei den Frauen wiederholt
Regina Blatz ihren Sieg vom letzten Jahr klar vom Start bis zum Ziel durch
alle Etappen. Am zweiten Abend gibts die Nudelparty mit der nun
schon berühmten Tombola, witzig moderiert von Vanman Jochen, der
viele Läufer persönlich kennt und mit seinen lockeren Sprüchen
auf die Schippe nimmt. Zwischendrin die Tanzgarde, deren junge, hübsche
und gelenkige Beine manch müdes und steifes Läuferbein begeistert.
Phänomenal ist die Streetdancetruppe, deren Darbietung schon richtig
akrobatisch ist. Viel zu kurz, den Jungs könnt ich noch ewig
zuschauen. Und zum Ausklang liest Vanman uns wieder ein Märchen vor.
Am Sonntag Morgen die vierte Etappe, für mich die schwerste, weil
bergigste. Von meinen Teammädels sehe ich nicht mal mehr die Zöpfe,
ich schnaufe zu den ³vier Fichten hoch. Viele Läufer bezeichnen
diese als landschaftlich schönste, doch genießen kann ich das
kaum. Es ist einfach nur unglaublich anstrengend. Da man ja immer wieder
die gleichen Läufer um sich herum sieht, verabschiede ich die Bergziegen
mit: ³bis gleich. Denn ich weiß, am Ende der gut 17 Kilometer
geht es steil über Schotter bergab, ich fliege. Bremsen geht mit
der überanstrengten Oberschenkelmuskulatur ohnehin nicht mehr, also
Augen zu und runter. Im Ziel in Wächtersbach steht ja wieder die
Massagetruppe auf dem Verwöhnprogramm. Für einen aus dem Mittelfeld
wie mich, sind die Duschen bereits wieder kalt, das erfrischt.
Mit kleinen Bussen wird die Läuferschar dann samt Gepäck nach
Bad Orb verladen, von wo wir am Nachmittag zur letzten und längsten
Etappe aufbrechen. Doch vor dem Schweiß vergießen dürfen
wir zunächst die Speicher wieder mit Nudelsuppe und Kuchen füllen
und einige Stunden ausruhen. Das Wetter spielt mit, wir lagern hinter
der Halle im Freien und genießen die Sonne. Ich liebe die Etappenläufe.
Das gesellige Miteinander, das Kennenlernen neuer Leute, Aufwärmen
alter Geschichten und noch bevor die letzte Etappe unter die Füße
genommen wird, werden schon wieder Pläne ausgemacht, wer läuft
wann wo am nächsten oder übernächsten Wochenende. Am Nachmittag
dann der letzte Start über 18 Kilometer. Ein Stückchen durch
die Stadt, ein letzter steiler Anstieg, einmal noch Fliegen ö neue tausend
Meter Bestzeit - und dreizehn Kilometer, wo man die bunte Läuferschlange
vor sich durch die Felder mäandern sieht.
Zwei Minuten Rückstand hat mein Team auf den dritten Platz und mein
Ehrgeiz wird unter den Bleikügelchen in meinen Beinen begraben. Nein,
nichts mehr drin. So schnell zu rennen bin ich nicht gewohnt und auch
der große Wille genügt nicht mehr, wir bleiben vierte. Am Ziel
in Steinau ist der Teufel los. Der letzte Kilometer durch die Stadt ist
gesäumt von anfeuernden Zuschauern, man findet in sich noch Körner,
die die Anstrengung vergessen machen. Helfer, die die Strecke sichern,
Polizisten, andere Läufer, die schon fertig sind ö alle spornen einen
an, auf den letzten Metern alles zu geben. Zweieinhalb fabel- sagen- und
zauberhafte Tage finden nun ihr Ende in einer schönen Siegerehrung.
Die ersten sechs Gesamt und jeder Altersklasse werden geehrt, bei Bier,
Kuchen und Würstchen klingt der 21. Brüder Grimm Lauf auf dem
Markt in Steinau aus. Meine Vierte war nicht die letzte Teilnahme. Dabei
fällt mir auf, dass
ich als sogenannter Vielstarter neben dem BGL niemals einen Lauf mehr
als zwei Mal gemacht habe.
Zuletzt bleibt wohl nur, den vielen unermüdlichen freiwilligen Helfern
vor und hinter den Kulissen zu danken, ohne die eine solche Veranstaltung
nicht realisierbar wäre! Getränke unterwegs wollen gereicht
werden, Strecken markiert und gesperrt, die Shuttlebusse mit Gepäck
transportiert und eben solches immer wieder in den Zielen ordentlich aufgeschichtet,
müde Beine massiert, der viele Kuchen gebacken, den wir Läufer
mit Heißhunger in rauhen Mengen verputzen und nicht zuletzt muss
auch wieder abgebaut und aufgeräumt werden! Das Ganze immer mit einem
freundlichen und aufmunternden Wort für ermattete und erschöpfte
Läufer. Danke dafür! Ich hoffe als Kompliment für euren
Einsatz genügt, dass wir alle gerne wieder kommen!
Rotkäppchen, Dornröschen, Schneewittchen, Frau Holle und Hänsel
und Gretel, wir sehen uns 2006 in Hanau.
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