Testläufer berichten über den Brüder Grimm Etappenlauf; 10 bis 12. Juni 2005

Für running-pur waren Testläufer bei dieser Veranstaltung unterwegs. Sie sammelten Eindrücke, blickten hinter die Kulissen, um Ihnen, lieber Leser, ein Bild von der Qualität, dem Ambiente und der Stimmung zu verschaffen. Wollen auch Sie mit einem Freistart in der Tasche den ONLINE-Lesern Ihre Erfahrung übermitteln? Dann klicken Sie hier.

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running-pur ONLINE
Ein Beitrag von running-pur ONLINE

 


Bericht von Sven Löschengruber über den Brüder Grimm Etappenlauf
][ zu Testberichten anderer Veranstaltungen ][
][Sven Löschengruber][Angela][

Drei Tage bei idealem Laufwetter auf den Spuren der Gebrüder Grimm

Seit 21 Jahren wird er veranstaltet und gilt nicht nur in der heimischen Laufszene als ein "Muss" - der Brüder-Grimm-Lauf, eine fünf Etappenveranstaltung über 82 Kilometer von Hanau nach Steinau. Bereits frühzeitig sind die 500 Startplätze alle vergeben und so freue ich mich riesig, als ich von "running-pur" als Tester für diesen Event ausgewählt werde. Bereits kurz darauf erhalte ich die Meldebestätigung des Veranstalters mit meiner Startnummer, absolut vorbildlich wie die sehr detaillierte Ausschreibung, die alle wichtigen Informationen enthält. Leider verletze ich mich eine Woche vor dem Lauf leicht an der Wade, sodass mein Start gefährdet ist, aber zumindest will ich es versuchen, also nehme ich am Freitag ohne Wartezeit meine Startunterlagen mit personifizierter Startnummer und darin integriertem Chip in Empfang. Des Weiteren sind noch die aktualisierten und wichtigsten Infos beigefügt. Für den Gepäcktransport zum Etappenort stehen genügend Kleinbusse zur Verfügung, sodass ich mich auch um dies nicht kümmern muss. Pünktlich um 17.30 Uhr starten wir am Hanauer Marktplatz zu Füßen des Brüder Grimm- Denkmals. Die erste "Rotkäppchen"-Etappe nennen die vielen Mehrfachtäter die Einlaufstrecke, da sie weitgehend flach verläuft. Eigentlich will ich in einem Schnitt von etwa 5 min/ Km lauen, doch durch Bekannte aus dem Bruchköbeler Lauftreff angestachelt, wird es deutlich schneller. Unterwegs ist die Strecke sehr gut abgesperrt durch zahlreiche freundliche Helfer des hiesigen Lauftreffs. Auch Wasser und Schwämme gibt an mehreren Punkten der Strecke, die zumeist auf Radwegen von Hanau über Erlensee nach Rodenbach führt. Die einzelnen Kilometer sind ebenfalls markiert, wobei ich nicht so sicher bin, ob diese so ganz genau stimmen, aber das ist bei so einer Veranstaltung auch nicht dermaßen wichtig. Ins Ziel komme ich nach 15,5 Kilometern (das könnte eventuell in die Ausschreibung übernommen werden) nach 69 Minuten als 107. (von 529 Finishern der Etappe) und bin damit um über 8 Minuten schneller gelaufen, als ich es geplant hatte. Hoffentlich wird sich das am morgigen Tag nicht zu sehr rächen ... Im Anschluss wird schnell geduscht. Danach hängen schon die Ergebnisse aus, nahezu rekordverdächtig fix. Nun wartet schon der Bus, der uns kostenlos zu den abgestellten Autos nach Hanau zurückbringt. Prima organisiert - toller Service!

Am Samstag klingelt um 7.30 Uhr der Wecker. Am liebsten würde ich jetzt schon liegenbleiben, aber dann raffe ich mich doch auf und fahre nach Rodenbach. Als um 9.30 Uhr der Startschuss fällt, kommt es erstaunlicherweise kaum zu Gedränge, obwohl die Startgerade ziemlich schmal ist: Die meisten Läufer haben sich richtig eingeordnet. Zunächst geht es bei der Dornröschen-Etappe nur ganz leicht ansteigend nach Oberrodenbach, wo die erste richtige Steigung wartet. Diese kann ich noch ganz gut bewältigen, bevor es wieder in den Wald geht. Der Blick auf die Uhr verrät mir, dass ich wieder zu schnell angegangen bin und so gehe ich schon recht angestrengt in die 600 Meter lange, bis zu 18%ige Steigung, die ich bereits von den zahlreichen Teilnahmen am berrodenbacher Silvesterlauf kenne. Oben angekommen machen viele Mitläufer richtig Tempo und ich werde von etlichen überholt. Von hier an geht es nur noch eben bzw. leicht fallend bis nach Neuenhaßlau, wo ich nach etwas mehr als 63 œ Minuten schon ziemlich verausgabt und grade noch im ersten Viertel des Feldes ankomme. Ich stelle mir auf der Rückfahrt zum Parkplatz in Niederrodenbach die Frage, wie ich die Nachmittagsetappe über 16 Km einigermaßen überstehen werde und plane, sie auf keine Fall schneller als im 5 min- Schnitt zu absolvieren. Fünf Stunde später stehe ich in Neuenhaßlau wieder am Start der "Schneewittchen"-Etappe. Nach dem flachen Start geht es auf welliger Strecke bis nach Meerholz und nach 10 Kilometern geschieht das, was ich bereits befürchtet hatte. Ich bekomme einen ziemlichen Einbruch, weil die ersten beiden Etappen noch in den Knochen stecken. Es kommt sogar soweit, dass ich einige Abschnitte gehen muss und von hunderten Läufern überholt werde. Irgendwie schleppe ich mich die Meter voran und lande am Ende in 85:30 Minuten auf Platz 398 der Gesamtwertung. Ich fühle mich körperlich derart schlecht, als ob ich bereits das Ziel in Steinau erreicht hätte, das mit weiter weg erscheint als zu Beginn des Laufes. Abends findet in Gelnhausen die Nudelfete mit Tombola statt, die allseits sehr gelobt wird.
Am Sonntag muss ich noch früher aufstehen, denn der Start des 4. Teilabschnitts ("Frau-Holle-Etappe") ist bereits um 9 Uhr. Klasse finde ich angesichts meiner schweren Beine, dass man sogar einen Bustransfer von der Turnhalle zum Start am Gelnhäuser Untermarkt in der Altstadt anbietet, wodurch sich nochmals Kräfte sparen lassen. Heute habe ich mir nur noch in den Kopf gesetzt, die beiden restlichen Läufe irgendwie zu überstehen. Dem entsprechend gehe ich dieses Mal wirklich vorsichtig an, zumal alle der Auffassung sind, dass die vierte die schwerste Etappe sei. Nach einem flachen Kilometer geht es stetig bergauf. Aufgrund des geringeren Tempos komme ich einigermaßen ins Laufen und finde meinen Platz im hinteren Drittel des Feldes. Der starke Anstieg zu den "Vier Fichten" kann so von mir laufend genommen werden und von dort an geht es teils rasant bergab bis ins Ziel nach Wächtersbach. Auf den Gefällstrecken überhole ich den einen oder anderen Läufer, was doch richtig motivierend ist. So komme ich nach 91:33 Minuten als 261. zufrieden ins Ziel. Im Anschluss geht es gleich auf die Massagebank, wo mir die Muskeln fachmännisch nur leicht geknetet werden. Das sorgt auf jeden Fall für Entspannung. Von Wächtersbach werden die Läufer nach Bad Orb gebracht, von wo das Feld auf die letzten 18 Kilometer geschickt wird. Nach 1,5 Km durch die Stadt kommt der stärkste Anstieg des gesamten Laufes. Auf 1,3 Kilometern werden 115 Höhenmeter überwunden; hier fangen sehr viele Läufer an zu gehen, was mich zusätzlich anspornt, es ihnen nicht gleichzutun. Lockerer Trab sieht zwar sicherlich anders aus, aber ich komme an einigen Gehern vorbei. Oben angekommen geht es die nächsten 2 Kilometer richtig auf die Oberschenkel, denn nun verlieren wir 200 Höhenmeter. Bei mir läuft es alles richtig gut und auch auf den restlichen 12 Kilometern, die teils am Kinzigstausee vorbeiführen, gewinne ich Platz um Platz und arbeite mich bis im Ziel, wo etliche Zuschauer bei bestem Laufwetter ihre Liebsten erwarten, mit 88:48 Minuten auf Position 136 vor. Dies bringt mir in der Gesamtwertung Platz 192 in 6 Stunden 38:25 Minuten ein. Überaus erschöpft, aber auch glücklich fallen sich die Läufer in die Arme. Nach der warmen Dusche geht es erneut zur Massage, die ich nun richtig genießen kann. Anschließend hole ich mein rotes Finisher-T-Shirt und die Urkunde ab und wohne noch der Siegerehrung bei, auf der von vielen Teilnehmern bereits Pläne für die 22. Auflage des Brüder-Grimm-Laufes geschmiedet werden.

Insgesamt lässt sich ein sehr positives Fazit der Veranstaltung ziehen. Für 60 Euro Startgebühr bekommt man eine ausgesprochen tolle Gegenleistung. Die Organisation klappt wirklich reibungslos. Das fängt von der Zusendung der Meldebestätigung an, geht über die nette Betreuung auf der Strecke und nach dem Lauf bis hin zur hervorragenden Ergebnisauswertung mittels in der Startnummer integrierten Chip durch das Team von Harald Steinke. Kaum ist man fünf Minuten im Ziel, schon hängen die Ergebnisse aus. Die Transfers zu den Startorten, um die dort abgestellten Autos nachzuholen, sind ebenso ein positiver Aspekt wie die Massagen, die ab der 3. Etappe in ausreichender Zahl angeboten werden. Hervorzuheben ist auch die positive Atmosphäre im Läuferfeld. Man kommt zwischen den Etappen, sei es unter der Unisexdusche, in den Wettkampfpausen in den Turnhallen oder im Bus mit vielen ins Gespräch, sodass man sich am Ende gemeinsam mit den Teilnehmern freut, die Strecke bewältigt zu haben. Einziger kleiner Kritikpunkt wären die teils falschen Kilometermarkierungen. Dass die Streckenlängen entgegen der Ausschreibung geändert werden müssen, ist verständlich, doch kurz vor dem jeweiligen Lauf könnte man einen Radfahrer losschicken, der die Schilder richtig aufstellt. Überlegenswert wäre es auch, ob man die Teilnahmegebühr ein wenig anhebt und damit statt der Baumwoll-Funktionsshirts anbietet.
Zu guter Letzt möchte ich mich ganz herzlich bei "running-pur" und dem Veranstalter für die Testmöglichkeit sowie bei den zahlreichen Helfern in der Organisation, an den Getränkeständen, an den Massagebänken und beim Fahrdienst für ihre aufmunternden Worte und die tolle Betreuung bedanken.
Sven Löschengruber, Startnummer 495,
Lauftreff Bruchköbel
P.S.: Kommentare zu diesem Bericht sind herzlich willkommen unter lecrut@gmx.de.


Bericht von Angela, besser bekannt als notcrazyisnotnormal über den Brüder Grimm Etappenlauf
][ zu Testberichten anderer Veranstaltungen ][
][Sven Löschengruber][Angela][

Ultraläufer und die lokale Volkslauf high Society treffen sich beim Brüder Grimm Lauf

Im Ziel wurde ich von einem Fremden mit einer ganz interessanten Frage konfrontiert: was würde ich persönlich als härter einstufen, einen Marathon oder den BGL? Nun, ich gehöre zur Kategorie der Ultras, also ganz klar: der Brüder Grimm Lauf! Denn nicht die Strecke, sondern die Geschwindigkeit schmerzt und das hier kann man rennen mit beständigem Tritt auf den
persönlichen Herzbändel :-)

Der Lauf führt von Hanau, der Geburtsstadt von Jacob und Wilhelm Grimm nach Steinau, dem Ort, an dem die Märchensammler und Sprachforscher ihre Kindheit verbrachten.
Die erste Etappe am Freitag nachmittag stellt die persönliche Disziplin auf die Probe. Es gilt, 15 topfeben Asphaltkilometer nach Niederrodenbach, in der Gewissheit einzuteilen, dass noch weitere 4 Etappen folgen. Man kann hier, da man frisch, fit und ausgeruht am Start steht, so richtig unvernünftig rennen, als ob‚s kein morgen gäbe. Und genau das tue ich, obwohl ich mir fest vorgenommen habe, dass es nur ein Traingsläufchen werden soll. Schließlich bin ich ziemlich kurzfristig hier am Start, sozusagen per Zufall, reingerutscht als Schreiberling. Aber mit mir als Dritte, hat jetzt mein Verein eine komplette Frauschaft am Start, da kann ich mich ja nicht hängen lassen. Ich bin zum vierten Mal dabei, weiß also, was auf mich zukommt! Sollte es jedenfalls wissen. So ganz leise im Hinterkopf habe ich natürlich auch, meine bisherigen Zeiten auf dieser Strecke zu verbessern, als das sage ich sicherheitshalber erst mal nicht, denn nichts ist peinlicher, als Angeberei, die man nicht halten kann. Am Start stapeln alle tief, das lernt man mit der Zeit.
Für mich als Ultraläufer verfliegt die Zeit geradezu. Wir sind schon da, bevor überhaupt irgendetwas beginnen kann zu schmerzen. Unterwegs, ich weiß gar nicht mehr wie häufig, aber irgendwie ständig, gibt es Schwämme und etwas zu trinken. An jeder Kreuzung steht ein Helfer, weist ein, feuert an, lächelt und ruft uns etwas Aufmunterndes zu. In der Halle ist unser aller Gepäck, das wir in Hanau abgegeben haben, in ordentlichen Reihen aufgeteilt. Glücks Geschick, wer eine auffällige Rucksackfarbe hat. Es zieht doch eine große Schar von Läufern zu dieser märchenhaften Veranstaltung. Obwohl ich im Ziel viel Zeit verschwatzt habe, gibt es noch warme Duschen. Und bis ich mich sortiert und angezogen habe, hängen auch bereits die Ergebnislisten aus, umringt von einer großen Meute fachsimpelnder Läufer. Wer ist alles hier, wer ist wie gut drauf und großes Hallo mit vielen bekannten Gesichtern.

Eine stattliche Anzahl sogenannter │Steppenhühner„, ein Titel, der sich aus der Homepage ableitet, die das Pseudonym des Ultralaufsports im deutschsprachigen Raum ist und viele Läufer aus der näheren Umgebung, zu denen ich ja auch gehöre. Vielstarter, die man jeden Sonntag auf einer Veranstaltung trifft und andere, wo man gemeinsam rätselt, woher kennen wir uns
eigentlich.... Viele machen vom Angebot des Veranstalters Gebrauch, in der Turnhalle zu nächtigen und es dauert eine geraume Weile, bis nach dem Pizzabesuch endlich Ruhe in der Halle einkehrt. Ruhe? Nun ja, von Ruhe kann nicht wirklich die Rede sein, aber das gehört dazu, das macht den Reiz eines Etappenlaufes aus! Um Punkt sechs Uhr taucht die Halle in grelles Licht und es ertönt eine Art Sirene, die sogar meine Ohrstöpsel durchdringt.
│und wie hast Du geschlafen?„, │hast Du das Schnarchen hinten links aus der Ecke auch gehört„ und │mein Bett zu Hause ist aber bequemer„, müdes Gähnen und andere, die bereits akrobatische Übungen vollziehen, dass ich geneigt bin zu applaudieren. Ich genieße das Treiben um mich herum, das ist es, was ich an diesem Sport so liebe :-) Die vielen Menschen, alle ganz individuell und doch geeint im gemeinsamen Sport.
Kaum vom Waschen und Zähne putzen zurück ertönt es: │das Frühstücksbuffet ist eröffnet„ und mitten in der Halle sind Tische mit Obst, Müsli, Wurst und Käse, Marmelade, Yoghurt und Eier und einem riesigen Korb voller Brötchen. Bis zum Start der zweiten Etappe ist es noch lange hin und ich schlemme mich durch das großzügige Angebot. Um halb zehn geht‚s endlich wieder los, Start an der gleichen Stelle, wo gestern das Ziel war. Eine kurze Etappe, nur 14 Kilometer, doch meine Erinnerung spielt mir einen Streich. Mir war so, als sei auch diese Etappe flach, doch ich hatte wohl die Hügel zwischendrin wohlwollend verdrängt. Es geht recht ordentlich bergauf und ich, die ich nie Berge trainiere, werde durchgereicht. Doch noch bin ich frisch und alle, die mich bergauf stehen lassen, fange ich gegen Ende, Richtung Neuenhaßlau, bergab, mit riesen Schritten wieder ein. Manch einer mag sicherlich gedacht haben, die spinnt. Die lange Pause verbringen wir in der Turnhalle.
Duschen, Suppe, selbstgemachten Kuchen und dann gibt es unterschiedliche Methoden zu regenerieren. Manche versuchen zu schlafen, lesen oder wie ich, verschwatzen einfach die Zeit. Rund um die Turnhalle liegen hunderte nasser Socken, Shirts und Hosen über den Hecken und Zäunen. Ein buntes und für mich anheimelndes Bild. Einiges an Organisationstalent ist
gefragt, wenn man versucht, sein Auto immer hinterher zu ziehen. Grüppchenbildung, zurück zum Startort, Autos holen, zwei müssen voraus zum nächsten Ziel fahren, ein Auto dort abstellen und wieder zurück. Im ersten Jahr habe ich das auch gemacht. Als stressig ist es mir in Erinnerung, aber noch viel mehr, dass ich dadurch einen ganzen Trupp netter Läufer kennengelernt habe, von denen mich nun auf der dritten Etappe einer begleitet und zieht.

Um halb fünf geht‚s weiter, 16 Kilometer, bedingt durch leichte Streckenänderung gut einen weniger, als in den vergangenen Jahren. Befestigte Waldwege und Asphalt im Wechsel und natürlich wieder │Berge„. Einheimische nennen es wohl Hügel, für mich geht‚s langsam ins alpine. Wir drei Frauen vom Verein sind nahezu gleich stark, kommen nur im Sekundenabstand
nacheinander ins Ziel und doch kann ich nicht mit ihnen laufen. Bergauf merke ich mir nur noch die Farbe ihrer Shirts, die ich immer über die Kuppe verschwinden sehe, wenn ich unten in die Steigung einbiege. Bergab fange ich dann wie am Vormittag viele Läufer wieder ein, manche erinnern sich und lachen. Ich beginne dem schnellen Laufen etwas abzugewinnen, es macht Heidenspass.

Im Ziel, nach kalter Dusche, sehen wir auf der Ergebnisliste, dass unsere Mühe sich lohnt, wir sind das 4te Team mit nur wenigen Sekunden Rückstand. Mädels, das schaffen wir! Ich bin durch Wettkampf zu motivieren, doch eine unserer Gruppe kämpft mit einer dicken Blase. Gute Regeneration ist erst mal wichtig und so machen wir vom Angebot der Massage Gebrauch,
dass der Veranstalter ab der dritten Etappe zur Verfügung stellt. Vor zehn oder zwölf MasseurInnen stehen Warteschlangen, jeder darf die feinfühlenden Hände zwanzig Minuten genießen! Die Zeit wird wieder mit fachsimpeln überbrückt, wem geht es wie und wie ist die Spitze sortiert.

Simon Reißmann, ein M20er und Skilanglaufprofi führt das Rennen an. Zweiter wird am Ende René Stroßny sein, Sieger des Spree- und Isarlaufes, ein sehr erfahrener Etappenläufer. Danach, bunt gemischt die Altersklassen und die │Kurz-│ und Langstreckler. Bei den Frauen wiederholt Regina Blatz ihren Sieg vom letzten Jahr klar vom Start bis zum Ziel durch alle Etappen. Am zweiten Abend gibt‚s die Nudelparty mit der nun schon berühmten Tombola, witzig moderiert von Vanman Jochen, der viele Läufer persönlich kennt und mit seinen lockeren Sprüchen auf die Schippe nimmt. Zwischendrin die Tanzgarde, deren junge, hübsche und gelenkige Beine manch müdes und steifes Läuferbein begeistert. Phänomenal ist die Streetdancetruppe, deren Darbietung schon richtig akrobatisch ist. Viel zu kurz, den Jungs könnt‚ ich noch ewig zuschauen. Und zum Ausklang liest Vanman uns wieder ein Märchen vor.
Am Sonntag Morgen die vierte Etappe, für mich die schwerste, weil bergigste. Von meinen Teammädels sehe ich nicht mal mehr die Zöpfe, ich schnaufe zu den │vier Fichten„ hoch. Viele Läufer bezeichnen diese als landschaftlich schönste, doch genießen kann ich das kaum. Es ist einfach nur unglaublich anstrengend. Da man ja immer wieder die gleichen Läufer um sich herum sieht, verabschiede ich die Bergziegen mit: │bis gleich„. Denn ich weiß, am Ende der gut 17 Kilometer geht es steil über Schotter bergab, ich fliege. Bremsen geht mit der überanstrengten Oberschenkelmuskulatur ohnehin nicht mehr, also Augen zu und runter. Im Ziel in Wächtersbach steht ja wieder die Massagetruppe auf dem Verwöhnprogramm. Für einen aus dem Mittelfeld wie mich, sind die Duschen bereits wieder kalt, das erfrischt.

Mit kleinen Bussen wird die Läuferschar dann samt Gepäck nach Bad Orb verladen, von wo wir am Nachmittag zur letzten und längsten Etappe aufbrechen. Doch vor dem Schweiß vergießen dürfen wir zunächst die Speicher wieder mit Nudelsuppe und Kuchen füllen und einige Stunden ausruhen. Das Wetter spielt mit, wir lagern hinter der Halle im Freien und genießen die Sonne. Ich liebe die Etappenläufe. Das gesellige Miteinander, das Kennenlernen neuer Leute, Aufwärmen alter Geschichten und noch bevor die letzte Etappe unter die Füße genommen wird, werden schon wieder Pläne ausgemacht, wer läuft wann wo am nächsten oder übernächsten Wochenende. Am Nachmittag dann der letzte Start über 18 Kilometer. Ein Stückchen durch die Stadt, ein letzter steiler Anstieg, einmal noch Fliegen ÷ neue tausend Meter Bestzeit - und dreizehn Kilometer, wo man die bunte Läuferschlange vor sich durch die Felder mäandern sieht.

Zwei Minuten Rückstand hat mein Team auf den dritten Platz und mein Ehrgeiz wird unter den Bleikügelchen in meinen Beinen begraben. Nein, nichts mehr drin. So schnell zu rennen bin ich nicht gewohnt und auch der große Wille genügt nicht mehr, wir bleiben vierte. Am Ziel in Steinau ist der Teufel los. Der letzte Kilometer durch die Stadt ist gesäumt von anfeuernden Zuschauern, man findet in sich noch Körner, die die Anstrengung vergessen machen. Helfer, die die Strecke sichern, Polizisten, andere Läufer, die schon fertig sind ÷ alle spornen einen an, auf den letzten Metern alles zu geben. Zweieinhalb fabel- sagen- und zauberhafte Tage finden nun ihr Ende in einer schönen Siegerehrung. Die ersten sechs Gesamt und jeder Altersklasse werden geehrt, bei Bier, Kuchen und Würstchen klingt der 21. Brüder Grimm Lauf auf dem Markt in Steinau aus. Meine Vierte war nicht die letzte Teilnahme. Dabei fällt mir auf, dass
ich als sogenannter Vielstarter neben dem BGL niemals einen Lauf mehr als zwei Mal gemacht habe.

Zuletzt bleibt wohl nur, den vielen unermüdlichen freiwilligen Helfern vor und hinter den Kulissen zu danken, ohne die eine solche Veranstaltung nicht realisierbar wäre! Getränke unterwegs wollen gereicht werden, Strecken markiert und gesperrt, die Shuttlebusse mit Gepäck transportiert und eben solches immer wieder in den Zielen ordentlich aufgeschichtet, müde Beine massiert, der viele Kuchen gebacken, den wir Läufer mit Heißhunger in rauhen Mengen verputzen und nicht zuletzt muss auch wieder abgebaut und aufgeräumt werden! Das Ganze immer mit einem freundlichen und aufmunternden Wort für ermattete und erschöpfte Läufer. Danke dafür! Ich hoffe als Kompliment für euren Einsatz genügt, dass wir alle gerne wieder kommen!

Rotkäppchen, Dornröschen, Schneewittchen, Frau Holle und Hänsel und Gretel, wir sehen uns 2006 in Hanau.