Testläufer berichten vom 1. Braunschweig Marathon am 21. 10. 2001

1. Braunschweig Marathon

Für running-pur waren Testläufer bei dieser Veranstaltung unterwegs. Sie sammelten Eindrücke, blickten hinter die Kulissen, um Ihnen, lieber Leser, ein Bild von der Qualität, dem Ambiente und der Stimmung zu verschaffen.
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BERICHT VON MARK M. MAUER über den Braunschweig Marathon
][ zu Testberichten anderer Veranstaltungen ][
][Mark M. Mauer ][Christian de Vogel][


Hallo running-pur-Team,
hier kommt ein verspäteter Bericht zur Premiere des 1. Sportteam Augath Braunschweig Marathon. Wenn Ihr Lust habt, könnt Ihr ihn ja gerne veröffentlichen.
Im Frühjahr dieses Jahres sah ich einen Schaukasten mit dem Hinweis auf den 1. Marathon in Braunschweig. Als Hobbyläufer (2-mal 10 km pro Woche) dachte ich mir, das wäre nicht schlecht - das wollte ich schon immer einmal probieren. Als ich dann im Mai einen Bericht über einen geplanten Vorbereitungskurs des Reha-Zentrums des Klinikum Braunschweigs las, meldete ich mich an. Die Resonanz war so groß, dass der Kurs von 15 auf 20 Personen aufgestockt wurde. Bald kamen uns - fast nur Erstmarathonis - die ersten Bedenken, ob es Sinn macht, mit nur 350 geplanten Startern anzutreten, um sich unterwegs alleine zu verirren. Wir suchten schon Alternativen im Oktober. Im Juli entschlossen wir uns dann aber doch gemeinsam in unserer Region Braunschweig zu starten. Obwohl die große
regionale Zeitung das Ereignis fast tot schwieg und nur eine kleine lokale Zeitung als Co-Sponsor auftrat und berichtete, stiegen die Teilnehmerzahlen ab September kontinuierlich an. Anfang Oktober wurden die 500 überschritten und der
Veranstalter hoffte auf eine Verdopplung seiner Ziele = 700 Starter. Tatsächlich haben sich dann bis zum Start 774 Teilnehmer angemeldet!
Bevor ich noch ein paar wenige persönliche Eindrücke schildern möchte, verweise ich v. a. gerne auf das Gästebuch im Internet unter www.braunschweig-marathon.de. Die Premiere erhielt ein überwältigend positives Urteil - zu Recht!
Der Marathon war schon zu seiner Premiere perfekt organisiert und man muss schon genauer überlegen, was es noch zu verbessern gäbe. Er war sehr familiär - jeder erhielt von Tom Staats, dem Organisator, seine Medaille/Händedruck im Ziel eines kleinen Stadions. Die Strecke war sehr schön und abwechslungsreich und bestand größtenteils aus diversen Trainingsstrecken Braunschweiger und Wolfenbüttler Läufer. Große Straßen wurden überwiegend gemieden und Flüsse, Bäche, Felder und Wälder gaben den Weg in den Außenbezirken vor. Obwohl es ein Stadt-Marathon (genauer: 2-Städte-Marathon) war, konnte man ihn nicht als ganz flach bezeichnen, denn ausgerechnet in der 2. Hälfte gab es ein paar Buckel (bis zu 60 m rauf) zu bewältigen. Das hat mir bei der Premiere auch letztendlich am meisten zugesetzt: Bergaufstrecken auf gröberen Schotter und die "unnützen" anstrengenden Bergabstrecken. So musste ich auf den letzten 10 km trotz guter
Stimmung notgedrungen mein Tempo reduzieren und erreichte aber noch hoch zufrieden das Ziel in 3:38:09. Am 20. Oktober 2002 starte ich garantiert wieder!
Tschüß.
Mark M. Mauer.


BERICHT VON CHRISTIAN DE VOGEL über den Braunschweig Marathon
][ zu Testberichten anderer Veranstaltungen ][
][Mark M. Mauer ][Christian de Vogel][


Hallo, liebes running-pur-Team,
Alternative Landschaftsmarathon ö 1. Braunschweig-Marathon war eine Reise wert. Das mal vorweg: Braunschweig ist ja mit rd. 250.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Niedersachsens (welche war noch gleich die größte?)und soll eine wunderschöne Altstadt haben (Heinrich der Löwe, romanischer Dom, Till Eulenspiegel etc. lassen grüßen), aber von einem "City-Marathon" hatte dieser Lauf so gar nichts ö oder wenig zumindestens, denn 90% der Strecke hätten sich auch in einer x-beliebigen norddeutschen Kleinstadt nebst umliegender Dörfer abspielen können. Dennoch habe ich selten einen so abwechslungsreichen Lauf erlebt: Während sich die deutschen City-Marathons zu nahezu 100% auf flachem Asphalt abspielen, gab es hier nicht nur in mehrfachem auf und ab rd. 70 Meter Höhenunterschied, sondern auch so ziemlich alle Böden, die Mutter Natur und die menschliche Zivilisation so hergeben: Asphalt, Plattenwege, Kopfsteinpflaster, Feldwege, Waldwege, Sand, Gras, Stock und Stein, Parks mit Holzbrücken und zum Schluß 300 m Aschenbahn im Polizeistadion, da war alles dabei.
Nach dreimonatigem ganz ordentlichem Sommertraining, einem wohlverdienten Urlaub im September auf Madeira (mit langen Wander- und vielen kurzen Laufeinheiten) sowie einigen langen Läufen und ein paar Erholungstagen mit viel Pasta zum Abschluß der Vorbereitung machte ich mich am Sonnabendnachmittag auf gen ICE via Hannover (größte Stadt Niedersachsens) nach Braunschweig. Dort hatte ich mich, dem Tipp der Veranstalter folgend, zusammen mit meinem Bruder Stephan in der Appartmentanlage des gelben Riesen mit dem Posthorn einquartiert. Die Zimmer waren o.k., nur der Weg dorthin vom Hauptbahnhof aus war lang und beschwerlich (ich wollte unbedingt das Taxi-Geld sparen), aber Braunschweig ist eben eine Großstadt.
Der Marathontag am Sonntag begann ziemlich kühl (9°) und herbstlich im Vergleich zu den sonnigen zwei Wochen davor. Beim Frühstück trafen wir auf einige weitere Marathonis, von denen uns zum Glück eine Familie aus Schleswig-Holstein (Vater, Sohn im Babyjogger und Hund an der Leine starteten zusammen) zum rd. 6 km entfernten Start mitnahm. Dort am Augath-Laden gegenüber vom Eulenspiegel-Brunnen (die wohl einzige Altstadt-Sehenswürdigkeit auf der Strecke) trafen wir auf Volker (außer mir der einzige Hammer Parker am Start) und unseren Fahrrad-Supporter Werner. Die Veranstalter (bzw. ein Sponsor) hatten eine nette Idee, denn in den Startunterlagen fand jeder Läufer eine Einweg-Kamera mit 12 Bildern ("quick-snap" oder so, heißen die wohl), so daß wir noch ein paar lustige Bilder schießen konnten, bevor es los ging. Es war wie gesagt recht kühl, so daß man sich erstmal warm laufen mußte.
Rund 770 Läufer/innen waren am Start. Einige Wochen vorher wäre man hier noch mit 350 Startern zufrieden gewesen und vor dem Marathon-Wochenende waren es noch knapp 600. Am Ende also ein Riesenerfolg für die Veranstalter. Wenn es dann nächstes Jahr doppelt so viele werden sollten, muß man aber wohl noch ein bißchen an der Strecke feilen. Verteilt auf zwei Startblöcke (ein Doppelstart, hier hat man wohl schon auf die Zukunft gebaut), links und rechts von Till Eulenspiegel und Augaths Laufladen sowie der kleinen Sportartikelmesse und den Ausgabeständen auf dem Platz am Bäckerklint, ging es dann unter dem herzlichen Applaus von einigen hundert (?) Zuschauern um punkt zehn (nein, die Zeitumstellung war erst eine Woche später) los. Die ersten Kilometer waren noch recht städtisch. Den innerstädtischen Bereich ließen wir aber sehr schnell hinter uns. Längs der Oker und vorbei an Kleingärten ging es im großen Bogen auf den nördlichsten Teil der Strecke zu. Am Anfang der Strecke verpaßte ich einige Kilometerpunkte. An die relativ kleinen Schilder mußte ich mich erst einmal gewöhnen. An der Genauigkeit der Kilometerabstände kann auch noch etwas gearbeitet werden, denn es machte mich skeptisch, daß mein langsamster Kilometer mit rd. 6 min km 16 und mein schnellster Kilometer mit rd. 3:20 min km 18 war. Allerdings kam ich da auch langsam in Fahrt. Zunächst mußte ich mich noch warm laufen und ließ auf langen Sandweg-Kilometern durch Grünanlagen, wo es um manche Ecke und über manche Bachbrücke ging, meinen Gedanken "freien Lauf", gelegentlich von aufmunternden Zuschauertrauben und den gut organisierten Verpflegungsständen (jeder Becher sollte wieder in den bereitgestellten Kartons landen, ob`s geklappt hat?) unterbrochen.
Laufen im Herbst, Laufen in Zeiten des Terrors und allgemeiner Endzeitstimmung ö da schweifen die Gedanken ab ("dissoziatives Laufen"), während der Körper langsam auf Touren kommt. Was mache ich am letzten Tag vor dem Weltuntergang? Einige schöne Stunden mit der Liebsten, eine gute Flasche Rotwein, ein Lieblingsfilm (Woody Allens Manhattan, Billy Wilders Some like it hot oder St. Paulis Aufstiegsvideo 2001) ö und natürlich `ne schöne Runde laufen. Meine Einstellung zum Laufen hat sich etwas verändert in letzter Zeit: Laufen, weil es Spaß macht und gesund ist, die guten (oder nicht so guten) Zeiten ergeben sich dann von selbst je nach Trainingsumfang. Mit dieser Einstellung kann man auch Körper und Geist sofort nach dem Wettkampf wieder zum Laufen animieren und nicht erst nach mehrwöchiger Erholungsphase.
Anyway, auf dem ersten Drittel war "der Geist" willig, doch "das Fleisch" fühlte sich noch recht schwach an. Ich befürchtete schon Schlimmes. Vom "dissoziativen" schaltete ich dann aber langsam auf das "assoziative Laufen" (siehe Manfred Steffny, Marathon-Training, 15. Auflage, S. 180f) um und versuchte, alle für das optimale Laufverhalten nötigen Körperfunktionen auf Trab zu bringen. Von Weltuntergangsstimmung auf der Strecke übrigens keine Spur: Man war zwar ö im Gegensatz zum Hamburg-Marathon, wo man ja auf keinem der 42.195 Meter "seine Ruhe" hatö immer wieder für ein, zwei oder drei km ganz alleine mit sich. Dann war aber immer wieder Stimmung angesagt. Und wenn dann 50 ö 100 Leute (z.T. ganze Schulklassen oder auch mal einzelne Familien) nur Dich anfeuern, mit Tröten, Trommeln, Transparenten, dann gibt einem das einen mindestens so großen Kick, wie wenn beim großen City-Marathon 1.000-2.000 Leute 100 gleichzeitig vorbeilaufende Läufer anfeuern. "Hier war mehr Stimmung als in Hannover", hörte ich mehrfach (nichts gegen
Hannover, die Expo fand ich echt gut, jedenfalls). So bei km 14 erwartete mich dann unser Fahrrad-Supporter Werner, und das zweite, zumindestens mental wesentlich bessere Drittel (zeitlich ziemlich gleich) sollte beginnen. Es wurde zunehmend dörflich, obwohl sich die Gegend glaube ich "Südstadt" nennt. Hier tankte ich auf, Volvic mit Power-Beilage, und dann begann hinter Mascherode der "sibirische" Streckenteil, zwischen km 17 und 21. Es ging über Felder, und spätestens hier, wenn nicht schon auf den städtischen Grünanlagen-Sandwegen, merkte ich, daß der DS Racer IV nicht unbedingt der ideale Schuh für diese Strecke war, denn wir waren ja nicht beim Eislaufen. Volker, unwesentlich vor mir auf der Strecke, hatte da mit rd. 15 Kilo weniger auf den Rippen wohl nicht solche Probleme. Für rd. 4 km ließen wir die Zivilisation hinter uns, es wurde zusehends nebliger, und man sah wirklich nur noch ein paar Läufer vor und Felder neben sich, unendlicher Horizont, wie mitten in Sibirien.
Ich schloß mich "in Sibirien" dann einer Gruppe an, im nächsten Dorf passierten wir den Halbmarathonpunkt, und es lief zunehmend runder. Bis km 27/28 war jetzt auch tatsächlich Asphalt angesagt. Zwischen km 25 und 27 wurde es noch mal städtisch, wir passierten Wolfenbüttel. Doch bei km 28 ging`s wieder bergauf, und aus Asphalt wurde wieder Sand. Wieder ging es über Felder. Man schlängelte sich an Kuhdung und Pferdeäpfeln vorbei, als ich wieder auf Werner traf, der gerade Volker verabschiedet hatte. Er warnte mich vor, daß die schöne Bergabstrecke, unter einer der vielen Autobahnen rund um Braunschweig hindurch, auf der anderen Seite wieder bergauf führen würde. Aber was sollte mich noch erschrecken. Wie viel schlechter war es mir schon bei km 30 in Hamburg gegangen. Der Smalltalk mit Werner und der zweite Drink halfen. Ich griff sogar zum Handy, und wir riefen unseren Laufkumpanen Kai an, um zu erzählen, wie schön die Strecke ist und wie gut ich mich fühle. Dann kam der schönste Teil der Strecke, so zwischen km 31 und 37. Hier führt die Strecke auf idyllischen Wanderwegen (wohl etwas zu eng, wenn die Teilnehmerzahlen zukünftig steigen sollten) entlang dem "Südsee". So manche Ecke wurde umschifft und manche Holzbrücke (mit kurzem aber fiesem Anstieg) überquert, derweil die Herbstsonne zunehmend lachte und wärmte. In Hochstimmung riefen wir auch noch meine Moni an. Wernerreichte mir allerdings nicht mehr das Handy, denn ich durfte ja (Das ist wahre Motivation: "Wie schade, daß die Strecke in 5 km schon vorbei ist, leider darf ich nur noch so wenig laufen!") noch ein Stückchen zurücklegen. Hier trafen wir auch auf ein paar Hamburger Betriebssportler, mit denen wir später beim Bier saßen (Danke für den Kuchen). Während Werner die Zuschauer motivierte ("Haltet durch, Zuschauer!"), war ich bei km 38 die "erste Frau", da ich hinter selbigem Schild herlief. Dann mußte ich aufpassen, daß ich nicht vor Übermut überpace, denn noch war es nicht geschafft. Die km 39 ö 42, vorbei an Kleingärten, stillgelegten Bahnstrecken längs dem Hauptgüterbahnhof und quer über den Hauptfriedhof, wurden doch noch etwas hart. Ab km 40 hielt ich kaum mehr 5 min-Tempo, zumal ich, kurz vor dem Stadioneinlauf, noch von einer geschlossenen Bahnschranke (!) aufgehalten wurde, zwar wohl nur rd. 20 sec, aber ich lief einfach in kleinen Kreisen weiter, weshalb die Ordner, die ich noch schemenhaft erkannte, wild gestikulierten, da sie wohl fürchteten, ich würde unter der Schranke hindurchschlüpfen. Dann schließlich folgten noch ca. 300 m Laufbahn im Polizeistadion, und unter dem Jubel von einigen hundert (?) Zuschauern auf der Tribüne lief ich mit 3 h 10 min ins Ziel.
Nicht nur die Medaille (aus Plexiglas, dazu gab es für jeden Finisher noch ein T-Shirt, wo gibt`s das noch ohne horrende Aufpreise?), auch die ganze Veranstaltung war für mich "Marathon einmal anders", mehr Landschafts- als City-Marathon und eine echte Alternative, wenn auch nicht unbedingt für Bestzeiten. Es war eine runde Sache, die bei Bier, Brötchen, Grillwürsten (die irgendwann ob des großen Andrangs ausgingen) und Gulaschsuppe noch zwei, drei sonnige Stunden lang ausklang. Erst abends fing es an zu regnen, aber da näherten wir uns auch schon wieder Hannover.
Bleibt nachzutragen, daß Volker, der für den Hauptsponsor antrat, mit 2:42 als Dritter (rd. 7 min hinter dem Ersten) einlief, ich mit 3:10 als 56. und Stephan sich mit 4:42 um rd. 20 min gegenüber seiner Marathon-Premiere verbessert hat und immer noch rd. 1 h vor den letzten Läufern ins Ziel kam. Diese, u.a. ein Pärchen Hand in Hand, waren alle immerhin noch rd. eine Viertelstunde vor dem offiziellen Zielschluß um 16.00 Uhr über der Ziellinie. Braunschweig, wir sehen uns bestimmt wieder. Vielleicht ja schon im nächsten Jahr, wenn es dann nicht doch mal mit einem NYC-Start klappt. United we run!

Mit sportlichen Gr٤en
Christian de Vogel