BERICHT VON MARK M. MAUER über den
Braunschweig Marathon
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zu Testberichten anderer
Veranstaltungen ][
][Mark
M. Mauer ][Christian de Vogel][
Hallo running-pur-Team,
hier kommt ein verspäteter Bericht zur Premiere des 1. Sportteam
Augath Braunschweig Marathon. Wenn Ihr Lust habt, könnt Ihr ihn ja
gerne veröffentlichen.
Im Frühjahr dieses Jahres sah ich einen Schaukasten mit dem Hinweis
auf den 1. Marathon in Braunschweig. Als Hobbyläufer (2-mal 10 km
pro Woche) dachte ich mir, das wäre nicht schlecht - das wollte ich
schon immer einmal probieren. Als ich dann im Mai einen Bericht über
einen geplanten Vorbereitungskurs des Reha-Zentrums des Klinikum Braunschweigs
las, meldete ich mich an. Die Resonanz war so groß, dass der Kurs
von 15 auf 20 Personen aufgestockt wurde. Bald kamen uns - fast nur Erstmarathonis
- die ersten Bedenken, ob es Sinn macht, mit nur 350 geplanten Startern
anzutreten, um sich unterwegs alleine zu verirren. Wir suchten schon Alternativen
im Oktober. Im Juli entschlossen wir uns dann aber doch gemeinsam in unserer
Region Braunschweig zu starten. Obwohl die große
regionale Zeitung das Ereignis fast tot schwieg und nur eine kleine lokale
Zeitung als Co-Sponsor auftrat und berichtete, stiegen die Teilnehmerzahlen
ab September kontinuierlich an. Anfang Oktober wurden die 500 überschritten
und der
Veranstalter hoffte auf eine Verdopplung seiner Ziele = 700 Starter. Tatsächlich
haben sich dann bis zum Start 774 Teilnehmer angemeldet!
Bevor ich noch ein paar wenige persönliche Eindrücke schildern
möchte, verweise ich v. a. gerne auf das Gästebuch im Internet
unter www.braunschweig-marathon.de. Die Premiere erhielt ein überwältigend
positives Urteil - zu Recht!
Der Marathon war schon zu seiner Premiere perfekt organisiert und man
muss schon genauer überlegen, was es noch zu verbessern gäbe.
Er war sehr familiär - jeder erhielt von Tom Staats, dem Organisator,
seine Medaille/Händedruck im Ziel eines kleinen Stadions. Die Strecke
war sehr schön und abwechslungsreich und bestand größtenteils
aus diversen Trainingsstrecken Braunschweiger und Wolfenbüttler Läufer.
Große Straßen wurden überwiegend gemieden und Flüsse,
Bäche, Felder und Wälder gaben den Weg in den Außenbezirken
vor. Obwohl es ein Stadt-Marathon (genauer: 2-Städte-Marathon) war,
konnte man ihn nicht als ganz flach bezeichnen, denn ausgerechnet in der
2. Hälfte gab es ein paar Buckel (bis zu 60 m rauf) zu bewältigen.
Das hat mir bei der Premiere auch letztendlich am meisten zugesetzt: Bergaufstrecken
auf gröberen Schotter und die "unnützen" anstrengenden
Bergabstrecken. So musste ich auf den letzten 10 km trotz guter
Stimmung notgedrungen mein Tempo reduzieren und erreichte aber noch hoch
zufrieden das Ziel in 3:38:09. Am 20. Oktober 2002 starte ich garantiert
wieder!
Tschüß.
Mark M. Mauer.
BERICHT VON CHRISTIAN DE VOGEL über
den Braunschweig Marathon
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M. Mauer ][Christian de Vogel][
Hallo, liebes running-pur-Team,
Alternative Landschaftsmarathon ö 1. Braunschweig-Marathon war eine Reise
wert. Das mal vorweg: Braunschweig ist ja mit rd. 250.000 Einwohnern die
zweitgrößte Stadt Niedersachsens (welche war noch gleich die
größte?)und soll eine wunderschöne Altstadt haben (Heinrich
der Löwe, romanischer Dom, Till Eulenspiegel etc. lassen grüßen),
aber von einem "City-Marathon" hatte dieser Lauf so gar nichts
ö oder wenig zumindestens, denn 90% der Strecke hätten sich auch
in einer x-beliebigen norddeutschen Kleinstadt nebst umliegender Dörfer
abspielen können. Dennoch habe ich selten einen so abwechslungsreichen
Lauf erlebt: Während sich die deutschen City-Marathons zu nahezu
100% auf flachem Asphalt abspielen, gab es hier nicht nur in mehrfachem
auf und ab rd. 70 Meter Höhenunterschied, sondern auch so ziemlich
alle Böden, die Mutter Natur und die menschliche Zivilisation so
hergeben: Asphalt, Plattenwege, Kopfsteinpflaster, Feldwege, Waldwege,
Sand, Gras, Stock und Stein, Parks mit Holzbrücken und zum Schluß
300 m Aschenbahn im Polizeistadion, da war alles dabei.
Nach dreimonatigem ganz ordentlichem Sommertraining, einem wohlverdienten
Urlaub im September auf Madeira (mit langen Wander- und vielen kurzen
Laufeinheiten) sowie einigen langen Läufen und ein paar Erholungstagen
mit viel Pasta zum Abschluß der Vorbereitung machte ich mich am
Sonnabendnachmittag auf gen ICE via Hannover (größte Stadt
Niedersachsens) nach Braunschweig. Dort hatte ich mich, dem Tipp der Veranstalter
folgend, zusammen mit meinem Bruder Stephan in der Appartmentanlage des
gelben Riesen mit dem Posthorn einquartiert. Die Zimmer waren o.k., nur
der Weg dorthin vom Hauptbahnhof aus war lang und beschwerlich (ich wollte
unbedingt das Taxi-Geld sparen), aber Braunschweig ist eben eine Großstadt.
Der Marathontag am Sonntag begann ziemlich kühl (9°) und herbstlich
im Vergleich zu den sonnigen zwei Wochen davor. Beim Frühstück
trafen wir auf einige weitere Marathonis, von denen uns zum Glück
eine Familie aus Schleswig-Holstein (Vater, Sohn im Babyjogger und Hund
an der Leine starteten zusammen) zum rd. 6 km entfernten Start mitnahm.
Dort am Augath-Laden gegenüber vom Eulenspiegel-Brunnen (die wohl
einzige Altstadt-Sehenswürdigkeit auf der Strecke) trafen wir auf
Volker (außer mir der einzige Hammer Parker am Start) und unseren
Fahrrad-Supporter Werner. Die Veranstalter (bzw. ein Sponsor) hatten eine
nette Idee, denn in den Startunterlagen fand jeder Läufer eine Einweg-Kamera
mit 12 Bildern ("quick-snap" oder so, heißen die wohl),
so daß wir noch ein paar lustige Bilder schießen konnten,
bevor es los ging. Es war wie gesagt recht kühl, so daß man
sich erstmal warm laufen mußte.
Rund 770 Läufer/innen waren am Start. Einige Wochen vorher wäre
man hier noch mit 350 Startern zufrieden gewesen und vor dem Marathon-Wochenende
waren es noch knapp 600. Am Ende also ein Riesenerfolg für die Veranstalter.
Wenn es dann nächstes Jahr doppelt so viele werden sollten, muß
man aber wohl noch ein bißchen an der Strecke feilen. Verteilt auf
zwei Startblöcke (ein Doppelstart, hier hat man wohl schon auf die
Zukunft gebaut), links und rechts von Till Eulenspiegel und Augaths Laufladen
sowie der kleinen Sportartikelmesse und den Ausgabeständen auf dem
Platz am Bäckerklint, ging es dann unter dem herzlichen Applaus von
einigen hundert (?) Zuschauern um punkt zehn (nein, die Zeitumstellung
war erst eine Woche später) los. Die ersten Kilometer waren noch
recht städtisch. Den innerstädtischen Bereich ließen wir
aber sehr schnell hinter uns. Längs der Oker und vorbei an Kleingärten
ging es im großen Bogen auf den nördlichsten Teil der Strecke
zu. Am Anfang der Strecke verpaßte ich einige Kilometerpunkte. An
die relativ kleinen Schilder mußte ich mich erst einmal gewöhnen.
An der Genauigkeit der Kilometerabstände kann auch noch etwas gearbeitet
werden, denn es machte mich skeptisch, daß mein langsamster Kilometer
mit rd. 6 min km 16 und mein schnellster Kilometer mit rd. 3:20 min km
18 war. Allerdings kam ich da auch langsam in Fahrt. Zunächst mußte
ich mich noch warm laufen und ließ auf langen Sandweg-Kilometern
durch Grünanlagen, wo es um manche Ecke und über manche Bachbrücke
ging, meinen Gedanken "freien Lauf", gelegentlich von aufmunternden
Zuschauertrauben und den gut organisierten Verpflegungsständen (jeder
Becher sollte wieder in den bereitgestellten Kartons landen, ob`s geklappt
hat?) unterbrochen.
Laufen im Herbst, Laufen in Zeiten des Terrors und allgemeiner Endzeitstimmung
ö da schweifen die Gedanken ab ("dissoziatives Laufen"), während
der Körper langsam auf Touren kommt. Was mache ich am letzten Tag
vor dem Weltuntergang? Einige schöne Stunden mit der Liebsten, eine
gute Flasche Rotwein, ein Lieblingsfilm (Woody Allens Manhattan, Billy
Wilders Some like it hot oder St. Paulis Aufstiegsvideo 2001) ö und natürlich
`ne schöne Runde laufen. Meine Einstellung zum Laufen hat sich etwas
verändert in letzter Zeit: Laufen, weil es Spaß macht und gesund
ist, die guten (oder nicht so guten) Zeiten ergeben sich dann von selbst
je nach Trainingsumfang. Mit dieser Einstellung kann man auch Körper
und Geist sofort nach dem Wettkampf wieder zum Laufen animieren und nicht
erst nach mehrwöchiger Erholungsphase.
Anyway, auf dem ersten Drittel war "der Geist" willig, doch
"das Fleisch" fühlte sich noch recht schwach an. Ich befürchtete
schon Schlimmes. Vom "dissoziativen" schaltete ich dann aber
langsam auf das "assoziative Laufen" (siehe Manfred Steffny,
Marathon-Training, 15. Auflage, S. 180f) um und versuchte, alle für
das optimale Laufverhalten nötigen Körperfunktionen auf Trab
zu bringen. Von Weltuntergangsstimmung auf der Strecke übrigens keine
Spur: Man war zwar ö im Gegensatz zum Hamburg-Marathon, wo man ja auf
keinem der 42.195 Meter "seine Ruhe" hatö immer wieder für
ein, zwei oder drei km ganz alleine mit sich. Dann war aber immer wieder
Stimmung angesagt. Und wenn dann 50 ö 100 Leute (z.T. ganze Schulklassen
oder auch mal einzelne Familien) nur Dich anfeuern, mit Tröten, Trommeln,
Transparenten, dann gibt einem das einen mindestens so großen Kick,
wie wenn beim großen City-Marathon 1.000-2.000 Leute 100 gleichzeitig
vorbeilaufende Läufer anfeuern. "Hier war mehr Stimmung als
in Hannover", hörte ich mehrfach (nichts gegen
Hannover, die Expo fand ich echt gut, jedenfalls). So bei km 14 erwartete
mich dann unser Fahrrad-Supporter Werner, und das zweite, zumindestens
mental wesentlich bessere Drittel (zeitlich ziemlich gleich) sollte beginnen.
Es wurde zunehmend dörflich, obwohl sich die Gegend glaube ich "Südstadt"
nennt. Hier tankte ich auf, Volvic mit Power-Beilage, und dann begann
hinter Mascherode der "sibirische" Streckenteil, zwischen km
17 und 21. Es ging über Felder, und spätestens hier, wenn nicht
schon auf den städtischen Grünanlagen-Sandwegen, merkte ich,
daß der DS Racer IV nicht unbedingt der ideale Schuh für diese
Strecke war, denn wir waren ja nicht beim Eislaufen. Volker, unwesentlich
vor mir auf der Strecke, hatte da mit rd. 15 Kilo weniger auf den Rippen
wohl nicht solche Probleme. Für rd. 4 km ließen wir die Zivilisation
hinter uns, es wurde zusehends nebliger, und man sah wirklich nur noch
ein paar Läufer vor und Felder neben sich, unendlicher Horizont,
wie mitten in Sibirien.
Ich schloß mich "in Sibirien" dann einer Gruppe an, im
nächsten Dorf passierten wir den Halbmarathonpunkt, und es lief zunehmend
runder. Bis km 27/28 war jetzt auch tatsächlich Asphalt angesagt.
Zwischen km 25 und 27 wurde es noch mal städtisch, wir passierten
Wolfenbüttel. Doch bei km 28 ging`s wieder bergauf, und aus Asphalt
wurde wieder Sand. Wieder ging es über Felder. Man schlängelte
sich an Kuhdung und Pferdeäpfeln vorbei, als ich wieder auf Werner
traf, der gerade Volker verabschiedet hatte. Er warnte mich vor, daß
die schöne Bergabstrecke, unter einer der vielen Autobahnen rund
um Braunschweig hindurch, auf der anderen Seite wieder bergauf führen
würde. Aber was sollte mich noch erschrecken. Wie viel schlechter
war es mir schon bei km 30 in Hamburg gegangen. Der Smalltalk mit Werner
und der zweite Drink halfen. Ich griff sogar zum Handy, und wir riefen
unseren Laufkumpanen Kai an, um zu erzählen, wie schön die Strecke
ist und wie gut ich mich fühle. Dann kam der schönste Teil der
Strecke, so zwischen km 31 und 37. Hier führt die Strecke auf idyllischen
Wanderwegen (wohl etwas zu eng, wenn die Teilnehmerzahlen zukünftig
steigen sollten) entlang dem "Südsee". So manche Ecke wurde
umschifft und manche Holzbrücke (mit kurzem aber fiesem Anstieg)
überquert, derweil die Herbstsonne zunehmend lachte und wärmte.
In Hochstimmung riefen wir auch noch meine Moni an. Wernerreichte mir
allerdings nicht mehr das Handy, denn ich durfte ja (Das ist wahre Motivation:
"Wie schade, daß die Strecke in 5 km schon vorbei ist, leider
darf ich nur noch so wenig laufen!") noch ein Stückchen zurücklegen.
Hier trafen wir auch auf ein paar Hamburger Betriebssportler, mit denen
wir später beim Bier saßen (Danke für den Kuchen). Während
Werner die Zuschauer motivierte ("Haltet durch, Zuschauer!"),
war ich bei km 38 die "erste Frau", da ich hinter selbigem Schild
herlief. Dann mußte ich aufpassen, daß ich nicht vor Übermut
überpace, denn noch war es nicht geschafft. Die km 39 ö 42, vorbei
an Kleingärten, stillgelegten Bahnstrecken längs dem Hauptgüterbahnhof
und quer über den Hauptfriedhof, wurden doch noch etwas hart. Ab
km 40 hielt ich kaum mehr 5 min-Tempo, zumal ich, kurz vor dem Stadioneinlauf,
noch von einer geschlossenen Bahnschranke (!) aufgehalten wurde, zwar
wohl nur rd. 20 sec, aber ich lief einfach in kleinen Kreisen weiter,
weshalb die Ordner, die ich noch schemenhaft erkannte, wild gestikulierten,
da sie wohl fürchteten, ich würde unter der Schranke hindurchschlüpfen.
Dann schließlich folgten noch ca. 300 m Laufbahn im Polizeistadion,
und unter dem Jubel von einigen hundert (?) Zuschauern auf der Tribüne
lief ich mit 3 h 10 min ins Ziel.
Nicht nur die Medaille (aus Plexiglas, dazu gab es für jeden Finisher
noch ein T-Shirt, wo gibt`s das noch ohne horrende Aufpreise?), auch die
ganze Veranstaltung war für mich "Marathon einmal anders",
mehr Landschafts- als City-Marathon und eine echte Alternative, wenn auch
nicht unbedingt für Bestzeiten. Es war eine runde Sache, die bei
Bier, Brötchen, Grillwürsten (die irgendwann ob des großen
Andrangs ausgingen) und Gulaschsuppe noch zwei, drei sonnige Stunden lang
ausklang. Erst abends fing es an zu regnen, aber da näherten wir
uns auch schon wieder Hannover.
Bleibt nachzutragen, daß Volker, der für den Hauptsponsor antrat,
mit 2:42 als Dritter (rd. 7 min hinter dem Ersten) einlief, ich mit 3:10
als 56. und Stephan sich mit 4:42 um rd. 20 min gegenüber seiner
Marathon-Premiere verbessert hat und immer noch rd. 1 h vor den letzten
Läufern ins Ziel kam. Diese, u.a. ein Pärchen Hand in Hand,
waren alle immerhin noch rd. eine Viertelstunde vor dem offiziellen Zielschluß
um 16.00 Uhr über der Ziellinie. Braunschweig, wir sehen uns bestimmt
wieder. Vielleicht ja schon im nächsten Jahr, wenn es dann nicht
doch mal mit einem NYC-Start klappt. United we run!
Mit sportlichen Gr٤en
Christian de Vogel
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